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Hand in Hand beim Klärschlamm

Verbundlösung Hand in Hand beim Klärschlamm

Die Entsorgung des Klärschlamms muss neu geregelt werden. Jetzt liegt dem Bauausschuss eine Beschlussvorlage der Stadt Kiel vor, die eine Verbundlösung mit den Kläranlagenbetreibern Entsorgungsbetriebe Lübeck und AZV Südholstein vorantreiben will.

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Ziel aller Abwässer aus Kiel und dem Umland: das Klärwerk in Bülk. Jetzt geht es um die Entsorgung des zurückbleibenden Klärschlamms.

Quelle: Torsten Müller

Kiel. Wohin mit dem Klärschlamm? 70 Prozent des gereinigten Abwassers landen in Schleswig-Holsteins Landwirtschaft zur Verwertung, vor allem als wertvoller und günstiger Dünger. Doch anstehende Verschärfungen, Übergangsfristen und die Vorgabe der Bundesregierung, die Verwertung im Landbau ab 2025 einzustellen, zwingen die Kommunen zur Neuaufstellung. Dem Bauausschuss liegt eine Beschlussvorlage der Stadt Kiel vor, die eine Verbundlösung mit den beiden anderen großen Kläranlagenbetreibern Entsorgungsbetriebe Lübeck und AZV (Abwasserzweckverband) Südholstein vorantreiben will.

 Klärschlamm gilt sowohl als heiß umstrittene Schadstoff- wie auch eine wertvolle Nährstoffquelle. In Kiel und 20 Umlandgemeinden fallen derzeit etwa 31000 Tonnen Klärschlamm im Jahr (etwa 25 Prozent Anteil landesweit) an, die hauptsätzlich auf Äcker ausgebracht werden, wenn deren Belastung mit Schwermetallen bestimmte Grenzen nicht überschreiten. Doch nicht nur der Ausstieg aus dieser „bodenbezogenen Klärschlammbewertung steht bevor“, verweist Bürgermeister Peter Todeskino auf gesetzliche Verschärfungen und das Gebot, wertvollen Phosphor zurückzugewinnen. Auch die bisher praktizierte Mitverbrennung des Klärschlamms mit anderen Abfällen muss laut Umweltministerkonferenz 2014 „auf Dauer“ enden. Ab 2017 kommen weitere massive Einschränkungen beim Einsatz von Polymeren (schwerstabbaubare Hilfsstoffe bei der Klärschlammentwässerung) auf die Kommunen zu.

 Länder wie Bayern und Baden-Württemberg haben sich längst von der landwirtschaftlichen Verwertung verabschiedet. Im Gegensatz zu Schleswig-Holstein haben sie ausreichende Kapazitäten für die alleinige Verbrennung von Klärschlamm (Monoverbrennung) – ein Verfahren, bei dem die Chance, Phosphor zurückzugewinnen, am größten zu sein scheint. Dieser Einschätzung schließen sich jetzt die Betreiber in Kiel, Lübeck und beim AZV Südholstein (Hetlingen) an. Bereits 2013 taten sie sich auf der Suche nach einer gemeinsamen Lösung zusammen. Ihr Ziel ist es laut Beschlussvorlage, mittel- und langfristig eine hohe Entsorgungssicherheit zu erreichen, die ökologischen Belastungen so gering wie möglich zu halten und Ressourcenschutz zu betreiben. Das Ganze soll zudem wirtschaftlich ablaufen, um Gebührensteigerungen zu vermeiden. Die Monoverbrennung sei unter allen Alternativen die einzig vertretbare zur landwirtschaftlichen Verwertung, zumal seit 2005 auch eine Deponierung nicht mehr zulässig ist. Das sehen Naturschützer anders. So fordert der BUND, „nach einer Übergangszeit ganz aus der Klärschlamm-Verbrennung auszusteigen“.

 Der aktuelle Stand des Projekts, dessen Gesamtkosten für die drei Partner auf 30 bis 35 Millionen Euro beziffert wird, sieht folgendermaßen aus: Drei noch nicht benannte Standorte kamen nach vorbereitenden Untersuchungen in die engere Wahl, um in neuen Anlagen den anfallenden Klärschlamm zu verwerten. Bisher nicht dabei ist die Kieler Müllverbrennungsanlage (MVK), da ihre bisherige Kapazität und erforderliche Mindestfläche als zu gering gilt. Die Stadt Kiel macht sich jetzt dafür stark, die Anlage doch noch als weiteren möglichen Standort in die Untersuchung miteinzubeziehen. Die bisherigen Annahmen, schrieb Todeskino in einem Brief an den AZV Südholstein, seien durch neue Erkenntnisse überholt. Bei zwei oder mehr Verbrennungslinien sei es unter Berücksichtigung der Transportwege und zurückgelegten Tonnenkilometer des bewegten Klärschlamms „fast zwingend, einen weiteren Standort im Norden Schleswig-Holsteins zu errichten“. Weiteren kommunalen Kläranlagenbetreibern soll ein Beitritt zu dieser Klärschlammkooperation bei Interesse ermöglicht werden. Beim Umweltministerium stößt die Kooperation auf offene Türen: Das Vorhaben wird vor dem Hintergrund der sich abzeichnenden veränderten Rahmenbedingungen ausdrücklich unterstützt.

 Dass die als hochmodern, emissionsarm und effizient geltende MVK wieder im Rennen ist, kam bei den Politikern aller Fraktionen im Innen- und Umweltausschuss gut an. Einstimmig passierte die Vorlage den Ausschuss, doch viele Fragen sind noch ungeklärt.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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