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Auf geht’s zur Tour auf der Schwentine

Handicap-Tourismus Auf geht’s zur Tour auf der Schwentine

Der Handicap-Tourismus in Kiel nimmt einen zweiten Anlauf. Im Frühjahr wurde das Boot für Menschen mit und ohne Behinderung durch Vandalismus zerstört. Mittlerweile ist es wieder repariert, Touren auf der Schwentine starten.

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Nachdem das durch Vandalismus zerstörte Paraboot des Vereins repariert wurde, testen der Vereinsvorsitzende und Diplom-Ingenieur Claus-Dieter Schulz und Manuela Krauel die Sicherheit des Bootes (im Hintergrund) am Steg unterhalb der neuen Schwentinebrücke. Das beobachteten zahlreiche Rollstuhlfahrer.

Quelle: Volker Rebehn

Neumühlen-Dietrichsdorf. Die kann die Sparte Handicap-Tourismus des Verbraucherschutzvereins für ältere und behinderte Menschen nun an den Wochenenden wieder anbieten. Die Fachhochschule Kiel entwickelt einen Elektroantrieb.

Aufgeben – Dieses Wort ist Claus-Dieter Schulz fremd. Fünf Jahre hatte der Vorsitzende des Verbraucherschutzvereins für ältere und behinderte Menschen gekämpft, den Handicap-Tourismus auf der Schwentine zu etablieren. Mit dem Start des Projekts im Vorjahr schien der Diplom-Ingenieur, selbst Rollstuhlfahrer, sein Ziel erreicht zu haben. Auch Rückschläge steckte er weg. Unbekannte hatten aus dem Handicap-Boot beide Batterien, zwei Notpaddel und drei Klappstühle gestohlen. Den Schaden über 800 Euro hat der Verein aus eigener Tasche beglichen. Paddel erhielt der Vereinsvorsitzende vom Eigentümer der benachbarten Schwentinetalfahrt.

Reparaturkosten wurden gespendet

Und auch für die Beseitigung der diesjährigen Vandalismusschäden, als Unbekannte Außenbordmotor und Bug des Bootes, das auf dem Parkplatz unterhalb der Schwentinebrücke lagerte, zerstörten, gab es eine Lösung. Die Firma Runge und Schramm (Schwentinental), technisch unterstützt durch die Firma Vosschemie (Uetersen) reparierte die Schäden in wochenlanger Kleinarbeit. Die 3500 Euro Kosten werden gespendet. „Ohne diese Hilfe wäre es nur schwer weitergegangen“, freut sich Claus-Dieter Schulz. Doch vor dem Start musste der Diplom-Ingenieur, der Sachverständiger im Arbeitskreis für Krankenfahrstühle (Hannover) ist, prüfen, ob die Sicherheit des Handicap-Bootes gewährleistet ist. Er pumpte unter anderem ungefähr 500 Liter Wasser in den Bootsinnenraum und prüfte, ob alle Luken wasserdicht sind und ob die Freibordhöhe von 20 Zentimetern eingehalten wird. Das Boot bestand die Tests.

Der Verbraucherschutzverein freut sich, wenn sich möglichst viele Menschen mit und ohne Behinderungen für eine Bootsfahrt auf der Schwentine begeistern.Wer zum Beispiel mit einem Rollstuhl an den Schwentinesteg kommt, wird mit einem Patientenlift in das Boot gehievt, mit den dort montierten Badewannenliften abgesenkt und stabilisiert. Dann kann die Fahrt losgehen. Die Vision von Claus-Dieter Schulz: In einigen Jahren ist die Schwentinemündung ein zentraler Ausgangspunkt für den Handicap-Tourismus in Schleswig-Holstein. Mehrere Boote stünden dann zur Verfügung.

Neues Boot schon in Entwicklung

Möglicherweise kann das schon bald Realität werden. Wie berichtet, beschäftigt sich die Fachhochschule Kiel mit der Entwicklung eines neuen Bootes. Betreut von Prof. Olaf Neumann, hat ein Studierender in seiner Bachelor-Arbeit ein Handicap-Boot entwickelt, auf das behinderte Menschen im Rollstuhl direkt fahren können. Die im Rollstuhl sitzende Person könnte die Zeit auf dem Wasser und die Natur genießen, während ein Mitfahrer durch das Rudern für den nötigen Vortrieb sorgt. Die Entwicklung an der FH geht aber weiter. „Wir arbeiten gerade an einer Integration eines Elektroantriebes für das Handicap-Boot im Rahmen einer Bachelor-Thesis und sind dort vom Konzept auch schon recht weit“, erklärte Neumann. Für das kommende Wintersemester seien Wirtschaftlichkeitsanalysen mit Hilfe des Fachbereiches Wirtschaft der FH Kiel (Prof. Hans Klaus) im Rahmen studentischer Projektarbeiten angedacht. Dann sollen Prototypen realisiert werden. „Das sind tolle Aussichten, das Problem wird die Finanzierung“, sagt Claus-Dieter Schulz.

Ausflugstouren mit dem Handicap-Boot auf der Schwentine

Informationen unter Tel. 0431/2401995 oder per Mail an Action-Handicap@t-online.de

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