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Schönste Tage sind tierischer Stress

Haustiere Schönste Tage sind tierischer Stress

Weihnachten und Silvester ist für manch Menschen die schönste Zeit des Jahres. Ängstlichen Tieren können Lichteffekte und laute Knallerei dagegen einen großen Schrecken einjagen. Hundetrainer Marc Lindhorst kennt Tipps, wie der Stress vermindert werden kann.

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Hundetrainer Marc Lindhorst und Fussel meinen: Tierfreunde sollten Knaller zu Silvester lieber meiden.

Quelle: Karina Dreyer

Kiel. Und Tierheimleiterin Elisabeth Haase erklärt, warum Tiere keine Weihnachtsgeschenke sein sollten.

 Vom Weihnachtsmann wünschen sich viele, vor allem Kinder, ein eigenes Haustier. Eine solche Anschaffung sollte wohl überlegt und vorbereitet und kein spontaner Kauf sein, sonst landen die Hunde, Katzen, Nager oder Vögel nach Weihnachten im Tierheim. Ein neues, tierisches Familienmitglied braucht statt turbulenter Feiertage und Familienbesuche eher Ruhe, um sich einzugewöhnen. „Lieber schon mal Zubehör, Futter, Fachliteratur oder Gutscheine für den Tierarztbesuch oder die Hundeschule schenken“, empfiehlt Elisabeth Haase, Leiterin des Tierheims Uhlenkrog, das deswegen bis zum 4. Januar keine Tiere abgibt. „Das hat auch damit zu tun, dass in den Tagen nach Silvester noch viel geböllert wird“, erklärt sie.

 Ob Hunde, Katzen, Vögel, Hamster oder Pferde: Tiere reagieren sehr empfindlich auf Silvester, für sie können explodierende Feuerwerkskörper samt Geräusch, Geruch und Funken purer Stress bedeuten. Ute Behl hat einen siebenjährigen Labrador-Setter-Mix, der bei der Knallerei „kopflos wegrennt und kaum mehr ansprechbar ist. Wir machen deswegen über Silvester Urlaub auf Föhr“, sagt sie. Auch Tina Wolf fährt mit ihrem zweijährigen Mischling in ruhige Gegenden, um ihm den Stress zu nehmen.

Reise auf die Nordseeinseln

 Hundetrainer Marc Lindhorst kennt ein paar Tipps, um dem unsicheren oder ängstlichen Pfötchengeber die Zeit um Silvester auch kurzfristig noch zu erleichtern. Eine Reise auf eine der Nordseeinseln wäre für ihn die eine Idee, eine Alternative wäre, mit dem Hund im Auto durch ein knallfreies Gebiet wie auf der Autobahn zu fahren, bis der Spuk vorbei ist. Und noch weitere Schritte können den Tieren helfen: Wenn möglich, Fenster, Türen, Vorhänge und Rollläden geschlossen halten, damit wenige Geräusche, grelle Lichtblitze und der unangenehme Schwefelgeruch ins Innere dringen. Um die Knallerei von außen zu mindern, kann man zudem Radio oder Fernseher etwas lauter stellen.

 Ein beliebter Kauartikel für den Hund kann auch eine Viertelstunde vor der Knallerei gegeben werden. „Das Lecken und Knabbern setzt Glückshormone frei und beruhigt den Hund automatisch“, so Lindhorst. Und: „Während es draußen böllert, zischt und pfeift, darf es drinnen gerne Futter regnen, damit der Hund beschäftigt ist“, so der Experte. Erlaubt ist in dieser Nacht, was dem Hund gefällt. Darf er sonst nicht in Frauchens Bett oder aufs Sofa, ist es ihm nun erlaubt, wenn er sich dort sicher fühlt. Sucht der Hund Herrchens Nähe, sollte der Halter ihm Fels in der Brandung sein.

 Das Verabreichen von Angst lösenden Medikamenten sollte auf jeden Fall mit dem Tierarzt besprochen werden. Einige Halter haben gute Erfahrungen mit homöopathischen Präparaten oder Bachblütenextrakten gemacht. Auf Dauer hilft aber nur eine Verhaltenstherapie, die zwar viel Geduld vom Halter verlangt, aber am besten Abhilfe bei Silvesterstress schafft.

Spaziergang am Morgen verspricht Ruhe

 Wer einen ängstlichen oder unsicheren Hund hat, sollte ihn an den Tagen rund um Silvester und Weihnachten nur an der Leine oder gar in Kombination mit einem Geschirr führen. Bei Stress, den etwa ein lauter Knall auslöst, wird das Hormon Cortisol freigesetzt. Das Tier flüchtet in die entgegengesetzte Richtung des Knalls und sucht das Weite. Durch die Bewegung reduziert sich das Stresshormon, das Tier kommt langsam wieder zu klarem Verstand. Deswegen rät Marc Lindhorst, dass man an dem Ort bleibt, wo der Hund verschwunden ist. Meistens kommt das Tier dorthin zurück. „Wenn man mit mehreren Personen unterwegs ist, kann einer in die Richtung gehen, in der das Tier floh, und ein anderer nach Hause, um zu sehen, ob es vielleicht dorthin läuft.“

 In den Tagen rund um Silvester sollte man mit dem gut gesicherten Hunden den frühen Morgen nutzen, da seien knallfreudige Menschen weniger unterwegs. „Zwingen sie ihn nicht nach draußen zu gehen, sondern nur so lange wie es unbedingt notwendig ist“, rät er. Am Silvesterabend selber sollte der Halter oder eine vertraute Person in der Nähe des Hundes bleiben. Zudem sei es wichtig, statt übertriebener Fürsorge, Zuwendung und Schutz lieber Ruhe und Gelassenheit auszustrahlen, um das Tier in seiner Angst nicht noch zu bestärken.

 Bleibt ein Tier trotz aller Vorsichtsmaßnahme vermisst oder hat jemand es gefunden, kann er sich an die Polizei oder an das Tierheim unter Tel. 0178-5254640 wenden.

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