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Die Kavallerie nützt nichts gegen Ratten

Heidenberger Teich in Mettenhof Die Kavallerie nützt nichts gegen Ratten

So mancher Müllplatz ist ein Eldorado für Ratten. Vielfältige Informationen zur Rattenvermeidung bot ein Rundgang durch Mettenhofer Straßen vor der Ortsbeiratssitzung am Mittwochabend.

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Fest verschlossen sind die Container – und doch finden Ratten einen Weg hinein, erklärt Ordnungsamtsleiter Frank Festersen (von links) Max Larsen vom Bürgerhaus. Grund ist ein Loch im Containerboden, aus dem das Wasser nach der Reinigung abfließt. Dieses war nicht wieder verschlossen worden. „Das klären wir mit dem Abfallwirtschaftsbetrieb“, versprach Festersen.

Quelle: Jennifer Ruske

Kiel. Ratten waren im Ortsbeirat schon mehrfach Thema. Denn viel zu häufig, empfinden viele Anwohner, werden die Nager im Stadtteil gesichtet. „Ratten sind kein Mettenhofer Problem“, erklärt der Leiter des Ordnungsamtes, Frank Festersen. „Die Tiere kommen in ganz Kiel vor. Genau wie Möwen, Tauben und Eichhörnchen.“ Sie haben jedoch einen schlechten Ruf: „Sieht man zwei Eichhörnchen, zückt man den Fotoapparat, sichtet man aber zwei Ratten ruft man die Kavallerie“, weiß er. „Dabei folgen sie uns Menschen, wie Möwen und Tauben, weil wir – oft unwissentlich – eine gute Futterquelle sind.“ Aufklären wollen daher Ordnungsamt und Grünflächenamt, um diese Futterquellen versiegen zu lassen. Deshalb hatten Festersen, sein Kollege Christoph Cassel sowie Biologe Carsten Harrje vom Grünflächenamt zusammen mit dem Ortsbeirat zum Mülltonnen-Rundgang – und späteren Auswertung im Ortsbeirat geladen.

Ritze reichen den Nagern

Weit gehen muss die Gruppe nicht: Der Abfallplatz der ersten Mehrfamilienhäuser zeigt, wo die Probleme liegen. Sauber gefegt ist der Platz, die Beton-Container sind fest verschlossen, und doch finden die Ratten ihren Weg. „Die Türen der Boxen reichen nicht bis zum Boden, damit man sie gut öffnen kann, um die Container für die Leerung herauszuholen.“ Diese Ritze reicht den Nagern. Der Müllcontainer in der Box ist offen, damit die Bewohner von oben, durch eine Klappe, ihre Abfälle entsorgen können. „Die Tiere sind hier drin ungestört – das sind paradiesische Zustände.“ Dass eine Rattenfalle direkt neben dem Müllplatz steht, interessiert die Vierbeiner nicht – das Angebot in der Tonne ist besser. Kein Wunder also, dass sich die Tiere im direkten Umfeld des Futters häuslich niedergelassen haben. „Man könnte sie aus der Grünfläche vertreiben“, sagt Harrje. „Mit den Resultat, dass sie sich 20 Meter weiter ansiedeln.“ Denn ohne die Futterquelle zu schließen, wird man die Ratten nicht los.

"Wasser mögen Ratten sowieso"

Ein Paradies für Nager ist der Heidenberger Teich: „Wasser mögen Ratten sowieso“, sagt Festersen. Weil hier viele Menschen – trotz Verbots – Enten füttern, fällt reichlich Nahrung für Ratten an. Daher vermehren sich die Tiere. „In Mettenhof kommt vieles zusammen, was das Rattenvorkommen begünstigt“, sagt auch Cassel. „Die Felder und das Domänental rund um den Stadtteil, der Teich und die vielen Menschen, die auf engem Raum in Mehrfamilien- und Hochhäusern wohnen und Abfall produzieren.“ Wenn dieser dann noch neben der Tonne statt darin entsorgt wird, der Gelbe Sack etliche Tage vor der Abholung an die Straße gestellt wird, wenn der angebissenen Apfel in der Botanik landet und Essensreste im Klo, dann muss man sich nicht über Ratten wundern, erklärten die Fachleute nach dem Rundgang im Ortsbeirat. Tipps, was man (vorbeugend) gegen Ratten tun kann, finden sich unter www.kiel.de im Internet. „Wir werden auch Gespräche mit dem ABK aufnehmen“, sagt Festersen. „Aber am wichtigsten sind die Bewohner. Ohne die Mithilfe der Kieler werden wir der Ratten nicht Herr.“

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Infos gegen Ratten
Foto: In der Regel ein ungesehener Gast: Ratten vermehren sich immer dann besonders gut, wenn sie in leicht zugänglichem Müll reichlich Nahrung finden.

Der wichtigste Baustein des Kampfes der Landeshauptstadt Kiel gegen Ratten ist die Information der Bürger. Wenn die sich richtig mit den Nagern auseinandersetzen, sei schon viel gewonnen.

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