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Nach der OP blieb nur der Container

Helfer sammelten für obdachlose Eileen Nach der OP blieb nur der Container

Einen Tag, nachdem die Obdachlose Eileen R. am Bauch operiert worden war, suchte die 30-Jährige eine Bleibe, um wieder fit zu werden. Ihr blieb aber nur der Erfrierungsschutz-Container.

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Eileen R. wurde am Donnerstag vergangener Woche operiert und kommt in den Containern nicht zur Ruhe. Nun fand die Obdachlosenhilfe für die 30-Jährige und ihren 26-jährigen Lebensgefährten eine vorübergehende Bleibe.

Quelle: Karina Dreyer

Kiel. Nachdem die Hilfsaktion für Kieler Obdachlose für Eileen 450 Euro gesammelt und eine Unterkunft gefunden hat, springt nun auch die Stadt ein.

 Eileen kam vor ein paar Monaten aus dem Ruhrgebiet in den Norden, um ihr Leben möglichst fern von der konfliktreichen Familie neu starten zu können. Sie ist mittlerweile Kielerin und erhält alle 14 Tage Sozialleistungen, nur mit einer gemeinsamen Wohnung für sich und ihren Freund hat es bislang nicht geklappt. Selbst eine Bleibe nach der Operation konnte die Frauenberatungsstelle nicht vermitteln. „Dort wurde mir gesagt, dass alle Unterkünfte und sogar die Notplätze besetzt sind“, berichtet Eileen. Sie bekam von der Stadtmission Mensch aber ein Notfallhandy, auch schaute jeden Tag ein Mitarbeiter nach ihr.

 Eine Situation, die weder Vertreter der Stadt noch die Stadtmission Mensch nachvollziehen können. Dort sei der Fall bekannt. „Ihr wurde mehrfach Hilfe angeboten, die sie nicht angenommen hat“, sagt Sozialdezernent Gerwin Stöcken. Das bestätigt Karin Helmer, Geschäftsführerin der Stadtmission Mensch. Eileen sei ein Platz angeboten worden. „Es gibt momentan Engpässe in den Notunterkünften, aber wir bieten alternativ ein Zimmer im Hotel an“, sagt sie. Gleichzeitig werde versucht, Wege zu einer eigenen Wohnung zu erschließen.

 Eileen R. beharrt darauf, dass ihr nicht geholfen werden konnte. Eine Mitarbeiterin der Frauenberatungsstelle hätte von einer Alarmsituation gesprochen, weil es keine Plätze gebe. „Ihr wurde nur der Platz in einer therapeutischen Maßnahme angeboten, sie aber braucht eine Wundbehandlung“, ärgert sich Andrea Wigger von der Hilfsaktion für Kieler Obdachlose und ihre Vierbeiner. Und vor allem ein Bett: „Denn erholen kann ich mich auf einer Isomatte im Container nicht“, klagt Eileen.

 Das Leben in Kiel hatte sie sich anders erhofft. „Ich will von der Straße runter, als Malerin und Lackiererin arbeiten und mit meinem Freund in eine kleine Wohnung ziehen“, sagt sei. Doch ihre Erfahrung: Ohne Wohnung gibt es keine Arbeit, ohne Arbeit keinen festen Wohnsitz. Ein Teufelskreis.

 Schon nach kurzer Zeit konnte die Hilfsaktion ein Monteurdoppelzimmer für 30 Euro die Nacht ausfindig machen. „Wir hatten den Eindruck, dass die Vermieter recht aufgeschlossen waren. Warum hakt die Stadt da nicht nach?“, wundert sich Andrea Wigger. Auch Unternehmen hätten kleine Wohnungen, mit denen ausgeholfen werden könnte. Sie ist sich sicher, dass den Obdachlosen in Kiel eine Lobby fehlt. Denn, nachdem sie mit Mitstreiterin Heike Menrath helfen konnte, übernimmt die Stadt die Kosten für die Unterkunft. Auch eine Wohnung hat sie ab April für das Paar gefunden. Die Stadt übernimmt die Miete.

 „Jedem wird geholfen, aber dazu muss man Hilfe auch annehmen können“, erklärt indes Karin Helmer. Sie sei enttäuscht, dass das so aussehen würde, „als würden wir nicht helfen. Dem ist nicht so“, betont sie. Die Situation sei bundesweit angespannt, die Zahl der wohnungslosen Menschen steige. „Studenten suchen günstigen Wohnraum, die Frauenhäuser sind voll, auch diese Frauen möchten im Anschluss eine Wohnung finden“, erklärt sie. Hinzu kämen die Flüchtlinge. Alle suchen bezahlbaren Wohnraum, doch der sei knapp. „Wir planen mit der Stadt neue zielgruppenspezifische Räume“, berichtet sie. Zudem gebe es eine Wohnkontaktstelle, ein Projekt mit dem Eigentümerverein Haus & Grund, das Vermieter ermutigen soll, auch an Menschen in sozialen Schwierigkeiten zu vermieten. „Die Stadtmission kann als Zwischenmieter einspringen, bis sich das Mietverhältnis stabilisiert hat“, erklärt sie.

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