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Mit dem Rollstuhl beim Kiel-Lauf?

Herausforderung Inklusion Mit dem Rollstuhl beim Kiel-Lauf?

Wo fängt Inklusion an, wo hört sie auf? Derzeit sorgt eine Anfrage des Altenholzers Kay Macquarrie für kräftig Wirbel bei den Organisatoren von Laufveranstaltungen. Der 41-Jährige sitzt seit 20 Jahren im Rollstuhl und möchte beim Kiel-Lauf am 10. September aktiv im Läufer-Feld teilnehmen.

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Herausforderung Inklusion: Mit einem Rollstuhl an einem Stadtlauf teilzunehmen, ist aus Sicherheitsgründen nicht immer möglich.

Quelle: imago sportfotodienst

Kiel. Kay Macquarrie darf mit seinem Rollstuhl laut Teilnahmebedingungen nicht beim Kiel-Lauf mitmachen. Der Journalist und Projektmanager sieht darin eine Diskriminierung von Behinderten und schaltete jetzt die Antidiskriminierungstelle des Landes und den Oberbürgermeister der Stadt Kiel ein.

Antidiskriminierungsstelle des Landes eingeschaltet

Kay Macquarrie: „Ich habe Hochachtung davor, dass Herr Ziplinsky mit seinem Team den Kiel-Lauf organisiert und das seit Jahren mit großem Erfolg. Aber dass Rollstuhlfahrer kategorisch ausgeschlossen werden, kann so nicht sein. Es ist mir eine Herzensangelegenheit, dass ich als Sportler nicht nur geduldet, sondern willkommen geheißen werde. Wir leben in einer Zeit der Inklusion.“

Rollstuhlfahrer kategorisch ausgeschlossen

Rainer Ziplinsky, Chef des Kiel-Laufs, hält dagegen: „Wir schließen Rollstuhlfahrer nicht aus. Wir verstehen die Probleme und würden uns auch eine inklusive Veranstaltung wünschen. Aber die Rahmenbedingungen lassen das nicht zu. Die Gefährdung der Läufer, der Zuschauer und der Rollstuhlfahrer wäre auf dieser Strecke einfach zu groß . Die Sicherheit hat einfach oberste Priorität.“ Drei Jahre lang – von 2005 bis 2007 – habe es deshalb einen separaten Wettbewerb nur für Rollstuhlfahrer gegeben. „Das war aber sehr, sehr aufwendig, und es haben sich mit Ach und Krach nur acht Teilnehmer angemeldet.“

Drei Jahre lang gab es separaten Wettbewerb für Rollstuhlfahrer

Das sieht auch Jens Meier (68) so. Der Mann vom LTV Kiel Ost ist Organisator des Fischhallenlaufs mit 1400 Teilnehmern. „Rollstuhlfahrer in der Läufer-Menge sind sehr gefährlich und rein organisatorisch ein Riesenproblem“, sagt er. Klare Ansagen macht auch Reinald Achilles, Pressesprecher beim Hamburg Marathon: „Innerhalb des Läufer-Feldes dürfen aus Sicherheitsgründen keine Rollstuhlfahrer starten. Gleiches gilt für Babyjogger.“ In Hamburg gebe es deshalb ein eigenes Format für Rollstuhlfahrer, gemeinsam mit Handbikern.

Auch beim Hamburg Marathon eigenes Format für Rollstuhlfahrer

Fürs kommende Jahr denkt Rainer Ziplinsky ebenfalls über einen erneuten Rollstuhl-Wettbewerb nach. Einen solchen gesonderten Wettbewerb würde auch Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer begrüßen. Kay Macquarrie sieht darin keine Lösung: „Ich will mitlaufen. Teilnehmen. Im Menschenpulk dabei sein. Und das offiziell. Inklusive eben.“

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Ein Artikel von
Kristiane Backheuer
Lokalredaktion Kiel/SH

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