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Der Hundertjährige und sein Traum

Herbert Klaus Der Hundertjährige und sein Traum

Marineschiffe sind eigentlich als Geschenke ungeeignet. Doch manchmal ist das anders: Für Herbert Klaus machte die Marine sofort eine Ausnahme. Am Montag durfte der Senior aus Moers in Nordrhein-Westfalen den Gutschein einlösen, den ihm seine Familie im April zum 100. Geburtstag geschenkt hatte – ein Besuch auf der „Gorch Fock“ in Kiel.

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Herbert Klaus mustert eine Hängematte im Unterkunftsbereich des Segelschulschiffes.

Quelle: Frank Behling

Kiel. „So etwas machen wir doch gern. So viele Besatzungsmitglieder gibt es ja nicht mehr, die noch auf der ersten ,Gorch Fock’ gefahren sind“, sagte Nils Brandt, der Kommandant der „Gorch Fock“. Als der berühmte Schriftsteller Johann Kinau alias Gorch Fock im Mai 1916 in der Skagerrakschlacht starb, war Klaus gerade ein Jahr alt. Dennoch prägte der Name Gorch Fock auch sein Leben. Zwölf Jahre diente er von 1933 bis 1945 in der Marine. Von 1936 und 1937 war er als Kadett auf der Vorgängerin des heutigen Segelschulschiffes, der „Gorch Fock I“ gefahren.

 Der Jubilar wurde jetzt von seiner Familie am Wochenende von Moers nach Kiel gefahren und war beim Anblick des Schiffes sichtlich begeistert. „Gibt es denn noch den Posten Back, der alle 15 Minuten eine Meldung abgeben muss?“, fragte Klaus beim Schiffsrundgang den 1. Offizier, Fregattenkapitän Elmar Bornkessel. Trotz des hohen Alters ließ sich Herbert Klaus das ganze Schiff zeigen – von der Kombüse bis in die Schlafdecks. „Diese Hängematten gab es damals auch. Darin haben wir gut geschlafen“, sagte er und musterte kritisch die Knoten. Die Zeit auf der „Gorch Fock“ habe ihn geprägt. So habe er an Bord das Bügeln gelernt, berichtete er. „Er bügelt auch heute noch seine Hosen wirklich akkurat und lebt in seiner eigenen Wohnung“, berichtet seine Tochter Rosemarie. „Ich habe in der Zeit bei der Marine sehr viel fürs Leben gelernt“, fügt der Jubilar hinzu.

 An Kiel hat Klaus auch gute Erinnerungen. Hier diente er auf dem Panzerschiff „Deutschland“. „Dabei gewannen wir mit unserer Kuttermannschaft des Flottenwettrudern bei der Kieler Woche 1934“, sagte er. Und 1942 verließ er in Kiel das Schlachtschiff „Scharnhorst“ und wechselte auf ein Kommando zur Ausbildung. Genau rechtzeitig, denn ein Jahr später wurde die „Scharnhorst“ im Nordmeer versenkt. Nur 36 der 1968 Besatzungsmitglieder überlebten den Untergang.

 Herbert Klaus schlug sich nach dem Krieg als Möbeltischler durch. 1954 bekam er eine Anstellung bei der Bundespost. „Ich wurde am 30. November 1979 pensioniert. Ich habe 49 Jahre und acht Monate gearbeitet“, sagte er stolz. Und wie hält man sich so fit? „Ich habe immer etwas Sport gemacht. Bei der Marine war es das Kutterrudern. Später dann das Laufen“, sagte er im Gespräch in der Offiziermesse. Und auch im Ruhestand hat er den Sport nie aus den Augen verloren. Außerdem gibt es ja noch Enkel und Urenkel. „Der jüngste Urenkel ist wenige Wochen alt“, sagt sein Enkel Jörg Bruckhaus. Er hatte seinen Opa mit der Familie nach Kiel gefahren. Der letzte Wunsch des Tages war gestern dann kulinarischer Natur: „Gut Fisch essen“.

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Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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