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Hoffen auf den großen Fang

Heringe in der Ostsee Hoffen auf den großen Fang

Dicht an dicht stehen die Hobbyfischer an der von der Sonne glitzernden Hörn und warten gespannt: Die Heringssaison hat begonnen. Von März bis Mai werden nach Angaben des Rostocker Thünen-Instituts an der deutschen Ostseeküste jedes Jahr rund 1500 Tonnen Hering von Freizeitanglern gefangen.

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Die Heringe kommen in die Hörn – und die Angler säumen die Kaimauern, hier „an der Schraube“, einem beliebten Platz vor dem Norwegenterminal, dessen Namen sich von der dort ausgestellten großen Schiffsschraube ableitet.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Die Gewichte blitzen in der Sonne, wenn sie in einem hohen Bogen durch die Luft fliegen und Sekunden später auf das Wasser platschen. An der Hörn stehen die Angler und warten auf die Heringe, die sich allerdings am Montag Zeit lassen. Doch dann zitterte die Spitze der Rute – Jacek kurbelt und zieht ein paar Fische aus dem Wasser. Jetzt sind sie plötzlich da.

Das ist das Startsignal für die anderen Petrijünger, die gerade noch zusammen standen, am Bierchen nippten und an der Zigarette saugten. Schnell eilen sie zu ihren Angeln und werfen surrend die Heringsvorfächer ins Wasser. Konzentriert stehen sie am Ufer und beobachten die Spitzen.

Acht Fische hat Dogan Akyol schon aus dem Wasser geholt. „Sonnabend waren es 40. Wenn die Norwegenfähre ablegt, geht es richtig los“, sagt er. Die Schraube treibt den Schwarm auseinander und die Fische an die Haken der Angler. Darauf freut sich auch Marcel, der ebenfalls schon Beute gemacht hat. Stolz erzählt er vom vergangenen Jahr: „Da habe ich bestimmt 1500 Heringe gefangen“, sagt der 20-Jährige. Viele hat er geräuchert, eingelegt, gebraten oder zu Rollmöpsen gedreht. „Manche habe ich auch einfach verschenkt“, erzählt der erfahrene Angler, der als Kind das Handwerk von seinem Vater gelernt hat. Ein bisschen genervt ist er von den Anfängern an der Kaikante, die das Gewicht am Ende der Schnur nicht geradeaus werfen können.

Sartorikai und Bahnhofskai sind beliebt

Mit der Ankunft der Heringe kommen Angler aus ganz Deutschland in den Norden – und die sind meist nicht so erfahren. Oft verheddern sich beim Auswerfen die dünnen Nylonleinen und dann ist Fummelarbeit angesagt. „Manchmal schneide ich die Vorfächer ab und gebe sie den anderen Angler zurück“, sagte Marcel. Besonders beliebte Angelstellen sind traditionell der Sartorikai oder der Bahnhofskai.

In Kiel werden im Durchschnitt pro Jahr 600 Fischereischeine und 200 Urlauberangelscheine ausgestellt. „Bisher sind es 220 Fischereischeine und 60 Karten für Urlauber“, sagte Arne Ivers vom städtischen Presseamt.

14 Millionen Fische jährlich

Nach Angaben des Rostocker Thünen-Instituts fangen die Freizeitangler an der deutschen Ostseeküste jedes Jahr rund 1500 Tonnen Hering. Das sind rund 14 Millionen Fischen, sagte der Experte für Freizeitfischerei, Harry Strehlow. Die Saison der Heringe dauert von März bis Mai.

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Ein Artikel von
Günter Schellhase
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