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Beim Malen kommt es auf die Augen an

Hermann-Lüthje-Ausstellung Beim Malen kommt es auf die Augen an

Was ein echter Künstler ist, lässt sich vom Malen nicht abhalten. Auch nicht, wenn ein Schlaganfall seine rechte, kreative Hand außer Gefecht setzt, wie bei Hermann Lüthje. Seitdem zeichnet der 79-Jährige seine Porträts von Berühmten mit links. Zu sehen sind einige davon im Awo-Stadtteilcafé in Mettenhof.

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Mehr an ein Atelier als an ein Wohnzimmer erinnert die Wohnung von Hermann Lüthje im Awo Servicehaus. Hier entstehen seine Porträts – nach einem Schlaganfall jetzt mit der linken Hand gemalt.

Quelle: Jennifer Ruske

Kiel. Gemalt und gezeichnet hat Hermann Lüthje schon immer, erzählt der Gaardener Jung. Das hat sich der Autodidakt selbst beigebracht. „Kurse habe ich nie besucht.“ Selbst im Kunstunterricht in der Schule war er selten. „Weil ich schon zeichnen konnte, hat mich der Rektor in der Zeit immer zur Stadtbildstelle geschickt, Filme für den Unterricht ausleihen“, erinnert er sich. Ein anderes Mal hat der damals 14-/15-Jährige im Lehrerzimmer eine Karte von Schleswig-Holstein zeichnen dürfen. „Die ist für den Unterricht genutzt worden.“ Nach der Schule ging es kreativ weiter: Lüthje lernte Schaufensterdekorateur im Kaufhaus Defaka am Holstenplatz – sein Traumberuf. Später ist er in die Werbung gegangen, war unter anderem für Bärenmarke unterwegs. Gezeichnet habe er immer nebenbei, besonders Porträts von Schauspielern, Politikern, Künstlern, Sängern, die er von Fotos abzeichnet und mit Bleistift, Öl oder Tusche auf Papier oder Leinwand bringt. „Es reizt mich, die Gesichter, vor allem aber den perfekten Ausdruck zu Papier zu bringen“, sagt Lüthje. Wobei die Augen für ihn am schwierigsten sind. „Wenn die nicht stimmen, kann man das Bild wegschmeißen.“ Das war bei Helmut Schmidt so. Erst im dritten Anlauf war Lüthje zufrieden. Auch Angela Merkel sei schwer zu zeichnen gewesen, sagt er.

Eins seiner ersten Porträts zeigte Felix Graf von Luckner, den „Seeteufel“. „Der kam zu einem Vortrag nach Kiel. Also bin ich mit dem Rad hin, hab an seinen Wohnwagen geklopft und ihn um ein Autogramm auf seinem Porträt gebeten“, erinnert sich Lüthje. „Hast Du das gemalt?“, knurrte Luckner den damals 18-Jährigen an. „Das ist ganz gut“, befand er dann und schrieb seinen Namen drunter. Auch Curd Jürgens hat sein Bild während Dreharbeiten auf Schloss Salzau gern unterschrieben. Sie sind nur zwei von vielen.

Portraits von Brandt bis Obama

Mehr als 400 Porträts – angefangen von Willy Brandt bis Barack Obama, von Clint Eastwood (auf den der Westernfan besonders stolz ist) bis zu bekannten Musikern des Schleswig-Holstein Musik-Festivals – hat Lüthje gefertigt. Und die meisten davon sind unterschrieben. „Ich habe selbst an die Queen ein Bild geschickt, mit Bitte um ein Autogramm. Aber das macht die Königin nicht, wurde mir geschrieben.“ Auch Angela Merkel, so erzählt Lüthje, setze ihre Unterschrift nicht unter jedes Bild. „Sie hat nur das unterschrieben, auf dem sie gelächelt hat. Das andere, eher ernste Porträt nicht“, schmunzelt der Künstler und blättert durch die gesammelten Erinnerungen.

Diese hat er natürlich mitgenommen, als er nach seinem Schlaganfall ins Awo-Servicehaus Mettenhof zog. Dort hat er sich perfekt eingerichtet: „Zeichentisch, Staffelei, Drucker und Scanner, Farben – alles findet hier seinen Platz und überall komme ich mit dem Rollstuhl dran“, ist Lüthje zufrieden. Das Malen habe ihm geholfen, wieder fit zu werden, sagt er. „Obwohl die Umstellung auf die linke Hand nicht leicht war. Aber jetzt kann ich wieder richtig loslegen.“ Die Welt ist schließlich voll von interessanten Gesichtern, die Lüthje alle noch auf Papier bannen möchte.

Ausstellung in Mettenhof

Ein Teil der Porträts von Hermann Lüthje sind am Montag, 19. September, im Rahmen des Gesprächskreises von 15 bis 17 Uhr im Awo-Stadtteilcafé, Vaasastraße 2a, zu sehen. Der Eintritt ist frei.

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