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Klar Schiff mit dem Aufräum-Coach

Hilfe beim Entsorgen Klar Schiff mit dem Aufräum-Coach

„Das hier ist mehr als privat, das ist intim“, sagt Romana Klein zur Begrüßung und muss selbst über diesen Ausspruch lachen. Die 49-Jährige hat sich heute einen Aufräum-Coach ins Haus geholt.

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Erst einmal müssen die Schachteln zusammengefaltet werden, dann geht es weiter ans Ordnen: Romana Klein (links) hat übers Internet Sandra Stieg gefunden, die seit April 2106 als professioneller Aufräum-Coach arbeitet.

Quelle: Sonja Paar

Wik. „Ich glaube, so wie mir geht es ganz vielen“, erzählt sie und bittet ins helle freundliche Wohnzimmer. „Meine Generation hat so viel angesammelt und kann sich oft nicht trennen. Da braucht man manchmal einen Profi an der Seite.“ Im Fernsehen hatte sie im Januar einen Bericht über einen professionellen Aufräumer gesehen und sofort im Internet geforscht. So stieß sie auf Sandra Stieg aus Kiel-Schilksee, die sich im April 2016 mit ihren ordnenden Fähigkeiten selbstständig gemacht hat. Es ist der vierte Termin der beiden Frauen.

 Auf dem Wohnzimmertisch liegen neue Faltschachteln in allen Größen. Sandra Stieg ist ein Fan von sinnvoll genutzten Kisten. Im Badezimmer, in der Küche, in den Regalen. „Das Volumen ist begrenzt. So fällt es später leichter, Ordnung zu halten. Außerdem sieht man sofort, was drin ist“, so Coach Stieg. Romana Klein lebt zusammen mit ihrem Mann Martin und den beiden Hunden in einem 120 Quadratmeter großen Reihenhaus in der Wik. „Irgendwann habe ich mich gefragt, ob ich das alles brauche“, erzählt Romana Klein und blickt sich im Zimmer um. Skandinavische Möbel, weißes Geschirr im offenen Schrank, viele Kerzen. Jeder Platz wirkt effektiv genutzt. „Ich sehne mich nach mehr Klarheit“, sagt sie und berichtet von den vielen Grundsätzen, mit denen sie aufgewachsen ist: Das war teuer, das gibt man nicht weg. Bücher haben mehr als nur den Buchwert, sie stehen für Intelligenz und Belesenheit. Das ist von Tante Irmi, das musst Du behalten. Das ist noch gut.

 Aufräum-Coach Sandra Stieg nickt. Das kennt sie von ihren Terminen. „Man sollte sich nur mit Dingen umgeben, die einen glücklich machen. Aber das müssen wir oft erst noch lernen“, sagt sie. Und: „Wir hinterfragen oft nicht, ob das, was uns früher glücklich gemacht hat, heute immer noch so ist.“ Munter werden die großen Schachteln zusammengefaltet. Dann geht es in den Keller. „Hier ist seit den letzten Terminen viel passiert“, erzählt Romana Klein, die eine Hypnose-Praxis betreibt. Im ersten Raum ist in einer Ecke eine Sauna eingebaut, an den Wänden leere Regale und ein paar Kartons. Auf einem steht „Ab zu ebay – zu Imke“. „Imke ist Ebay-Agentin. Sie verkauft für mich die Sachen, die noch gut sind und bekommt dafür Provision“, sagt die Hausherrin. „Ich hätte dazu keine Lust.“ Ursprünglich sei dieser Raum proppevoll gewesen. „Jetzt kann ich hier atmen.“

 „Es geht mir nicht darum, den Klienten meinen Stil aufzudrücken“, sagt Sandra Stieg. Ursprünglich ist die 38-Jährige gelernte Arzthelferin. Seit zwölf Jahren sorgt sie bei all ihren Bekannten und Verwandten für klar Schiff. „Es fasziniert mich immer wieder zu sehen, wie Aufräumen und Loslassen neuen Schwung in das Leben und das Zuhause bringt“, sagt sie mit leuchtenden Augen. „Wenn man Struktur und Grund in der Wohnung oder im Haus hat, fühlt man sich viel wohler, spart viel Zeit und kann viel effektiver arbeiten.“ Oft würden wir uns durch die Werbung leiten lassen. Oder wir würden in den Geschäften das Gefühl mit einkaufen wollen, das dort herrscht. Zu Hause aber wirke das dann gar nicht. „Wir müssen uns immer fragen, was unsere Seele eigentlich wirklich braucht.“

 Am besten, so die Expertin, fange man im Badezimmer an aufzuräumen. „Hier haben die wenigsten Sachen eine persönliche Geschichte“, erklärt sie. „Mit den meisten anderen Dingen im Haus verbinden wir irgendetwas. Das macht das Loslassen so schwer.“ Stundenlang könne man übrigens nicht aufräumen. „Das ist schon ein sehr anstrengender Akt. Überall spielen Emotionen mit.“

 Romana Klein ist eine dankbare Klientin. „Vielleicht liegt das auch an meinem schlechten Gedächtnis“, sagt sie lachend. „Ich erinnere mich schon gar nicht mehr, was ich alles mal hatte.“ Schritt für Schritt lernt sie, dass jedes Teil seine Adresse braucht. Und freut sich, dass sie mit jedem Stückchen Ordnung auch wieder die Kontrolle über die Dinge zurückbekommt. „Bei mir sieht es zu Hause auch nicht aus wie im Hotel“, sagt Sandra Stieg. „Es ist nicht alles perfekt. Aber alles hat seinen Platz.“ Lachend machen sich die beiden Frauen über die Wirrwarr-Schublade in der Küche her. Pfannenwender, Flaschenöffner, Messer bekommen jetzt durch eingesetzte Fächer ihren Platz. Kleiner Aufwand, große Wirkung. Ehemann Martin freut’s. Der hat in besagter Schublade eh nie etwas gefunden.

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Ein Artikel von
Kristiane Backheuer
Lokalredaktion Kiel/SH

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