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Kieler Spenden ermöglichen Grundschule

Hilfe für Hatay Kieler Spenden ermöglichen Grundschule

Fast 130.000 Euro wurden über die Spendenaktion "Hilfe für Hatay" gesammelt - Geld, mit dem Kiels türkische Partnerstadt jetzt eine Grundschule an der syrischen Grenze baut. In der Schule sollen Flüchtlingskinder unterrichtet werden.

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Noch stehen nur die Außenwände der von Kieler Spenden finanzierten Schule für syrische Flüchtlingskinder in Hatay.

Quelle: hfr

Kiel. Als die Stadt Kiel Ende 2014 ihre Spendenaktion zu Gunsten der syrischen Flüchtlinge in ihrer türkischen Partnerstadt Hatay startete, konnte noch niemand ahnen, wie schnell die Krise auch sie berühren würde. Jetzt erhielt Stadtpräsident Hans-Werner Tovar, der die auch von unserer Zeitung unterstützte Aktion zusammen mit Oberbürgermeister Ulf Kämpfer ins Leben gerufen hatte, Post von Hatays Verwaltungschef Lütfü Savas. Mit der Hilfe aus Kiel – fast 130.000 Euro waren zusammengekommen – entsteht nahe der syrischen Grenze eine Grundschule für Flüchtlingskinder.

Für Tovar war dies eine frohe Botschaft mit Symbolkraft, die richtungsweisend sein könnte für die Flüchtlingspolitik: Es sei gut, wenn die Kinder in der Nähe ihrer Heimat in ihrer Sprache unterrichtet werden – auch mit Blick darauf, ihre Chancen zu erhöhen, um nach Kriegsende mit einer guten Ausbildung zurückkehren zu können. Entgegen ursprünglicher Pläne stellte die Stadt Hatay nicht zwei Container auf, sondern lässt ein festes Schulgebäude im Dorf Hacipasha errichten. Ende Dezember soll es fertig sein, schrieb Oberbürgermeister Savas und lud Tovar zur Einweihungsfeier ein. Für viele der etwa 300 Kinder wäre es das erste Mal, dass sie in der Schule lernen können – ganzjährig unterrichtet von geflüchteten syrischen Lehrern.

 Bereits seit Ausbruch des Bürgerkriegs in Syrien vor vier Jahren unterhält die Türkei etliche Auffanglager für die Menschen, die aus dem Nachbarland vor dem Leid und der Not flohen. So sind 16000 Flüchtlinge vor den Toren Hatays in Zeltlagern untergebracht. Doch die weitaus größere Zahl – Hatay schätzt sie auf etwa 250000, darunter viele Frauen und Kinder – ist gar nicht registriert. Sie kamen mit einem Besuchsvisum bei Verwandten oder in kleinen Mietwohnungen unter und tauchten nach dessen Ablauf in der Türkei unter. Hatay duldet sie, versucht gemeinsam mit vielen Organisationen zu helfen, versorgt sie kostenlos medizinisch. Aber es gibt für die Nichtregistrierten keinen Schulbesuch, keine Unterstützung bei der Arbeitssuche: Ein Leben im Wartezustand und ohne Perspektive, das absehbar die sozialen Spannungen zwischen Einheimischen und Flüchtlingen verschärft, wie die Stadtoberen einer Kieler Delegation gegenüber offen bekannten.

 Etliche syrische Familien drohten einheimische Geschäftsleute zu verdrängen, die Mieten verteuerten sich zum Teil drastisch und viele gering qualifizierte Türken verloren ihre Arbeit, weil verzweifelte Syrer bereit sind, für Dumpinglöhne und schwarz zu arbeiten. Hatay, das sich als „Weltstadt des Friedens“ begreift, nahm die Herausforderung an, bat in der Not bei etlichen internationalen Organisationen um Hilfe für die Geduldeten. Doch nur Kiel habe gleich gehandelt statt es nur zu versprechen wie so viele andere, dankten die Stadtvertreter Hatays der Delegation unter Leitung Tovars im Januar 2015 überschwänglich, als sie ihnen die Spenden aus Kiel überreichte.

 Als der Stadtpräsident nach Kiel zurückkehrte, brachte er die Erkenntnis mit, dass „wir die Mentalität der syrischen Flüchtlinge besser erfassen müssen, um ihnen bei uns gerecht werden zu können“. Damals lebten 1600 Syrer in Kiel, heute sind es mehrere tausend. „Unsere Aufgabe ist es jetzt, die hier lebenden Flüchtlinge vernünftig zu behandeln,“ sagt der Stadtpräsident.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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