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Hilfe fürs Leben mit Demenz

Kiel Hilfe fürs Leben mit Demenz

Demenz lässt sowohl die Welt der Betroffenen als auch ihrer Angehörigen aus den Fugen geraten. Dass es trotz der Vielzahl der Probleme, die sich einstellen, wenn Menschen die eigene Geschichte vergessen, Grund zum gemeinsamen Feiern gibt, zeigte sich am Mittwoch bei der Jubiläumsveranstaltung „Dreimal hoch!!!“ im Kieler Ratssaal, zu der auch etliche Demenzkranke erschienen.

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Andrea Schnücker-Schulz, Rita Erlemann (Mitte) und Fritz Schultz appellierten bei der Veranstaltung im Ratssaal an die gesamtgesellschaftliche Verantwortung im Umgang mit Menschen mit Demenz. Man müsse auch immaterielle Barrieren abbauen, so Erlemann.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. Dort rückten drei Institutionen, die sich um die Bedürfnisse älterer Menschen kümmern, den Alltag mit Gedächtnisverlust in den Vordergrund – mit Vorträgen, aber auch mit Kaffeeplausch, Musik und Bewegungstheater.

Seit die Lebenserwartung steigt, wächst auch die Anzahl derjenigen, die mit der Diagnose Demenz leben müssen. In Kiel sind es derzeit etwa 4030. Anlässlich der 100. Sitzung der Kieler Pflegekonferenz sowie des 25-jährigen Bestehens der Awo-Beratungsstelle Demenz und Pflege sowie des Seniorenbeirates gab es am Mittwoch im Ratssaal einen Überblick über die vielfältigen Hilfsangebote. Kiel habe sich schon früh aufgemacht, ein Konzept für den Umgang mit Demenz zu entwickeln, berichten Andrea Schnücker-Schulz und Fritz Schultz von der Pflegekonferenz, in der Pflegedienste, Ärzte, Krankenversicherungen, Verbände und Stadt vertreten sind. „Aber die Angebote müssen auch den Weg zu den Menschen finden, die sie nutzen möchten“, betont Schultz die Bedeutung noch festerer und weiterer Netzwerke.

 1995 wurde ein Aktionsplan beschlossen, um in einem regionalen Gremium alle Beteiligten, die die Pflegeversicherung bzw. -planung umsetzen sollten, zusammenzuführen. Eine weitere Kieler Besonderheit: Mit der von Stadt und Land geförderten Awo-Beratungsstelle – heute Beratungsstelle Demenz und Pflege – gab es bereits einen Vorläufer für einen Pflegestützpunkt. „Das war sehr weitblickend damals“ erinnert sich Rita Erlemann. Die Diplom-Psychologin prägt die Beratungsstelle seit 1990, gilt mittlerweile, wie sie selbst humorvoll meint, als „Demenztante“, weil sie zusammen mit ihren drei Mitarbeiterinnen, vielen ehrenamtlichen Helfern und der Alzheimer-Gesellschaft Angebote umsetzt, um Betroffene wie Angehörige zu unterstützen. Mittlerweile ist viel erreicht: Neue Lebensformen wie Haus- und Wohngemeinschaften (derzeit fünf), Tages- und Kurzzeitpflege sowie spezielle Angebote in Kliniken sind entstanden.

 Der Bedarf an Unterstützung und Beratung wird steigen, vor allem für Angehörige, da die meisten Demenzkranken länger zu Hause leben. Leider, bedauert Erlemann, machten Ärzte erschöpfte pflegende Familienmitglieder noch zu selten auf Hilfsangebote aufmerksam. Die Psychologin und ihre Mitstreiter beraten Pflegekräfte, aber auch andere Berufsgruppen oder Vereine, wie sie auf Kunden oder Mitglieder eingehen können, die zunehmend die Orientierung verlieren. „Menschen mit Demenz zu begleiten, ist eine Gemeinschaftsaufgabe“, hofft die 59-Jährige, die auch Hausbesuche macht, auf eine weitere Sensibilisierung des Umfelds in der direkten Nachbarschaft. Das Tabu, über die Krankheit zu reden, sei zwar gebrochen, doch etliche Ältere verschwiegen gelegentliche Vergesslichkeiten, aus Angst, die Kontrolle zu verlieren. Ihr eigenes Leben hat der Umgang mit Menschen mit Demenz „persönlich vertieft“, sagt Erlemann dankbar: Wer sich an die eigene Vergangenheit, Pläne und Vorstellungen nicht mehr erinnere, lebe im Augenblick und schärfe damit auch bei anderen den Blick auf das Wesentliche im Leben.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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