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Eine Karte für Flüchtlinge

Hilfe in Kiel Eine Karte für Flüchtlinge

Nachdem sie in ihrem Freundeskreis die Frage diskutiert hatten, was man für Flüchtlinge in Kiel tun könne, ging es für die Muthesius-Studentinnen Marta Abadi (29) und Nora Grunwald (30) zunächst zum Kleidersortieren. Doch schnell war der Gedanke da: „Wie können wir noch helfen, mit dem was wir Können?“

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Marta Abadi (links) und Nora Grunwald haben an der Muthesius-Kunsthochschule einen Stadtplan für Flüchtlinge entworfen.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Wer neu in eine Stadt kommt, besorge sich zur Orientierung zuallererst einen Stadtplan, so ihre Überlegung. Das Problem für Flüchtlinge: Sie können weder Deutsch, noch kennen sie unsere Schrift. Daher lag die Antwort auf der Hand: Ein Stadtplan mit einfachen Symbolen und einer Legende in drei Sprachen – in Deutsch, Englisch und Arabisch.

 Als Masterstudentinnen im fünften Semester Kommunikationsdesign sind die Kielerinnen nahezu Profis, beherrschen die Software, Illustration und Typografie. In den Semesterferien erarbeiteten sie an zwei Tagen – zwar an den Computern und Druckern der Kunsthochschule, ansonsten aber komplett im ehrenamtlichen Engagement – einen Stadtplan speziell für die Bewohner des Erstaufnahmelagers am Nordmarksportfeld. Dieser Standort ist auf der DIN-A4-Straßenkarte durch ein großes blaues Sechseck gekennzeichnet.

 Von dort aus kann die Umgebung in Richtung Innenstadt erobert werden. Die Studentinnen fügten zwei Buslinien ein, die vom Norder in die Stadt führen. Außerdem gliederten sie farblich die Angebote, die ihrer Ansicht nach für Flüchtlinge von Interesse sein könnten: Beispiele sind Spendenausgabestellen, Apotheken, Lebensmittelmärkte und andere Shoppingmöglichkeiten, Poststellen, Internetcafés, Moscheen und Kirchen, Parks, Strände und Spielplätze. Die Orte versahen sie mit farbigen Punkten und arabischen Ziffern. Die Legende findet sich auf der Rückseite des Plans.

 Mit einer ersten Auflage von 300 Stück zogen die beiden Frauen Anfang wenige Tage nach der Eröffnung zum Containerdorf. Eigenhändig und mit Erlaubnis des Deutschen Roten Kreuzes verteilten sie ihre Pläne an die Flüchtlinge. „Die Leute waren dankbar und haben die Pläne gern genommen. Wir hatten den Eindruck, das war genau das, was sie jetzt brauchten. Einige fragten gleich, wo sie orientalisches Essen kaufen könnten, oder wo es zum Strand geht.“ Für die Studentinnen bedeutet die Aktion „ein relativ kleiner Aufwand, der den Leuten längerfristig etwas bringt“. Eine zweite Auflage von 300 Stück liegt inzwischen in der Erstaufnahme bereit.

 Sollte es Anfragen für Spezialstadtpläne für andere Flüchtlingsunterkünfte geben, sind Marta Abadi und Nora Grunwald bereit, sich erneut an den Computer zu setzen. Denn so haben sie das Gefühl wirklich zu helfen: „Die Leute waren auf ihrer Flucht doch in unzähligen fremden Städten, wenn sie sich jetzt in Kiel mit Hilfe eines Stadtplans orientieren können, trägt das sehr zu einem Gefühl der Sicherheit bei.“

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Ein Artikel von
Karen Schwenke
Lokalredaktion Kiel/SH

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