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Uni in Kiel statt Kalifornien

Hohe Studiengebühren Uni in Kiel statt Kalifornien

Wegen hoher Studiengebühren in den USA zieht es immer mehr Studenten an deutsche Universitäten. Eine von ihnen ist Taylor Clarke. Sie studiert Marine Geoscience an der CAU Kiel.

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Taylor Clark ist in Long Beach geboren und aufgewachsen. Nun studiert die 20-Jährige in Kiel.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. Taylor Clarke steht am Scheideweg. Die junge US-Studentin ist 20 Jahre alt. Sie hat gerade ihren Bachelor-Abschluss in Umweltwissenschaften in der Tasche. Und ihre Eltern sind um 100000 Dollar ärmer, denn soviel haben sie für die Ausbildung ihrer Tochter an der Universität von Kalifornien hingeblättert. Eigentlich würde Taylor Clarke jetzt am liebsten eine kleine Pause machen, ein bisschen reisen, dann einen Masters draufsatteln. Doch der kostet wieder 20000 Dollar, pro Semester! Geld, das ihre Eltern nicht mehr haben. Eigentlich wäre jetzt die passende Zeit für einen Job. Doch Taylor entscheidet sich anders: Sie zieht nach Deutschland.

 „Meine Mutter hat geweint“, erinnert sich Taylor. Sie lächelt. Fünf Jahre ist die Episode nun her. Die Tränen der Mutter sind längst getrocknet. Denn in diesem Jahr wird ihre Tochter ihren Masters an der Christian-Albrecht-Universität zu Kiel abschließen. Und zwar ohne einen großen Schuldenberg. „Es ist gut, dass sich Studenten in Deutschland ihre Ausbildung alleine mit Nebenjobs finanzieren können“, sagt die US-Amerikanerin. Sie selber hätte schon gedacht, keine Chance mehr zu haben auf einen Master-Abschluss.

 Taylor Clarke befindet sich in bester Gesellschaft. Sie ist laut einer Studie des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) eine von etwa 4600 Studenten aus den USA, die derzeit an deutschen Hochschulen eingeschrieben sind. Demnach ist die Bundesrepublik zu einem der beliebtesten Zielländer für US-Hochschüler avanciert, nach Kanada und Großbritannien. Tendenz steigend, wie es heißt.

 Die Gründe für die Anziehungskraft sind unterschiedlich. Ein wesentlicher Faktor sind natürlich die Kosten. „Eine der größten Schwierigkeiten bezüglich der Hochschulausbildung in Amerika stellt sicherlich der Anstieg der Studiengebühren dar“, heißt es in der DAAD-Studie. Für den Uni-Besuch auf Masterniveau fehlten oftmals schlichtweg die Mittel. Im Gegensatz dazu würden die deutschen Hochschulen mit Stipendien um ausländische Studenten und Promotionskandidaten werben. Gerade der von Deutschland vor 15 Jahren angestoßene Bologna-Prozess, mit dem die international vergleichbaren Bachelor- und Masterabschlüsse eingeführt worden seien, steigere das Interesse. Hinzu komme, dass dadurch auch das englischsprachige Kursangebot massiv ausgeweitet worden sei.

 Doch es geht nicht immer nur ums Geld. Für Taylor Clarke, geboren und aufgewachsen im kalifornischen Long Beach, zählen durchaus noch andere Dinge: Lust auf Abenteuer, das Kennenlernen einer anderen Sprache und Kultur. „Als die Entscheidung fiel, nach Deutschland zu gehen, wollte ich raus, eine Pause machen, andere Dinge sehen“, sagt sie. Deshalb setzte sie auch nicht sofort ihr Studium fort. Sie ging erst für ein Jahr als Au-Pair nach Freiburg, danach jobbte sie zwei Jahre lang als Englischlehrerin in Hamburg und paukte nebenher weiter die deutsche Sprache. Erst danach schrieb sie sich in Kiel für den Master-Studiengang „Marine Geoscience“ ein, der in Kooperation mit dem Ozeanforschungszentrum Geomar durchgeführt wird.

 Bereut hat Taylor Clarke ihren Entschluss nie. Das deutsche Studium biete viele Vorteile. „Hier ist mehr Eigenverantwortung gefragt“, sagt sie. Zwar gebe es in den USA durch die hohen Gebühren eine bessere Ausstattung und Betreuung an den Unis. Aber dafür hätten Studenten in Deutschland mehr Wahlfreiheit. „Es ist nicht schlimm, wenn man sich für den falschen Studiengang entschieden hat und noch einmal nach ein oder zwei Semestern wechselt“, sagt sie. In den USA hat man in diesem Fall einen hohen fünfstelligen Betrag in den Sand gesetzt.

 Ob Taylor Clarke nach ihrem Abschluss zurückgeht? Die junge Frau zuckt die Schultern. Sie will Wissenschaftsreporterin werden. Wie und wo genau, hat sie noch nicht entschieden. „Das werde ich mir in den kommenden Monaten überlegen“, sagt sie. Taylor Clarke steht dann wieder an einem Scheideweg.

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Ein Artikel von
Jens Kiffmeier
Wirtschaftsredaktion

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