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Fehlzeiten im Rathaus weiter gestiegen

Hoher Krankenstand Fehlzeiten im Rathaus weiter gestiegen

Der hohe Krankenstand der Stadt Kiel alarmiert die Verantwortlichen im Rathaus. Nach dem jüngsten Personalbericht hat die Stadt Kiel 2014 eine Fehlzeitenquote von 8,88 Prozent erreicht – nach bisher vorliegenden Zahlen der höchste Wert in Schleswig-Holstein. Jeder der 4663 aktiven Beschäftigten fällt damit rein rechnerisch an etwa 26 Tagen im Jahr aus.

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Krank im Bett: In den öffentlichen Verwaltungen nehmen die Fehlzeiten zu.

Quelle: dpa

Kiel. Die Erkrankungen in öffentlichen Verwaltungen liegen seit Jahren sehr hoch und damit auch über der Privatwirtschaft, stellt AOK-Sprecher Jens Kuschel fest. Bei Arbeitnehmern ermittelte die AOK 2014 in Schleswig-Holstein einen Krankenstand von im Schnitt 5,4 Prozent, bei öffentlichen Verwaltungen von 6,3 Prozent. Die Statistiken lassen sich jedoch schwer vergleichen, da Kommunen jeden Fehltag berechnen, in Firmen Krankschreibungen aber oft erst ab dem dritten Krankheitstag Pflicht sind.

 Wolfgang Röttgers (SPD) räumt als zuständiger Personaldezernent in Kiel ein, wie sehr ihm dieser seit 2005 anhaltende Trend Sorgen macht. Vor drei Jahren zog die Stadt zwar die Notbremse und unterzeichnete mit dem Gesamtpersonalrat eine Vereinbarung über betriebliches Gesundheitsmanagement, das durch Gesundheitstage, verbesserte Arbeitsabläufe, Fitness-Kurse und Beratung gegensteuern sollte. Doch eine solche Vereinbarung brauche einige Jahre Vorlauf, meint Röttgers angesichts der weiteren Erhöhung der Krankenzahlen. 2013 lag die Quote schon bei 8,04 Prozent.

 Woran krankt die Verwaltung? Röttgers führt den Trend vor allem darauf zurück, dass die Zahl dauerhaft Erkrankter deutlich angestiegen ist. Allein in 390 Fällen fehlten die Bediensteten bis zu einem halben Jahr, in 119 Fällen sogar bis zu einem Jahr. Dazu kommt die ungünstige Altersstruktur: Fast 1000 Beschäftigte sind älter als 55 Jahre. Nach allen Erfahrungen fallen sie zwar nicht häufiger als Jüngere aus, aber länger.

 Anja Rahr, stellvertretende Vorsitzende des Gesamtpersonalrats im Kieler Rathaus, bringt es mit Blick auf politische Beschlüsse auf den Punkt: „Öffentliche Haushalte werden fast kaputtgespart.“ Die Folge: Während die Beschäftigten immer neue Aufgaben bewältigen sollen, wächst die Personaldecke nicht im gleichen Maße.

 Arbeitsverdichtung und Personalabbau ohne Aufgabenkritik führten in den Kommunen zu einem „sinnlosen Kreislauf“ von kränker werdendem Personal und unzufriedeneren Bürgern, kritisiert Jens Mahler, Verdi-Fachbereichsleiter im Landesbezirk Nord: Er fordert mehr Geld für die Kommunen.

 Der Negativtrend zeichnete sich 2014 nicht nur in Kiel klar ab. Legt man die Vorgaben des Deutschen Städtetages zu Grunde, beklagt auch Lübeck eine Fehlquote von 8,07 Prozent. Neumünster (1411 Beschäftigte) kommt auf einen Krankenstand von 6,7 Prozent, die Segeberger Kreisverwaltung auf 5,18 Prozent. Im Kreis Plön fehlt jeder der 474 Bediensteten im Schnitt 13,85 Tage im Jahr. In Preetz liegt die Fehlzeitenquote bei 6,75 Prozent, in Bad Segeberg sind es 6,63 Prozent, in Rendsburg 7,5 Prozent und in Plön 7,9 Prozent.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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Seit Jahren fallen die hohen Krankenstände in öffentlichen Verwaltungen auf. Sie untermauern, dass in den Rathäusern schon lange ein ähnlich hoher Arbeitsdruck wie in Betrieben herrscht. Ob Ausbau der Kinderbetreuung oder jetzt die Bewältigung der Flüchtlingskrise: Bund und Länder bürden den hoch verschuldeten Kommunen immer mehr Aufgaben auf, die wegen des Spardiktats aber immer weniger Mitarbeiter erledigen sollen.

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