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Holstenstraße in Kiel schwächelt

Innenstadt Holstenstraße in Kiel schwächelt

Der Einzelhandel in der Kieler Innenstadt gerät immer stärker unter Druck. Das zeigen Daten des neuen Kiel-Städtereports 2016 der Hamburger Immobilien-Unternehmensgruppe Comfort: Danach gingen die Umsätze von Kaufleuten zurück, so wie auch die Mieten selbst in 1a-Lagen wie der Holstenstraße.

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Sorgenkind Holstenstraße: Obwohl die Verkaufsfläche stieg, sank im vergangenen Jahr der Umsatz um acht Millionen Euro.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Trotzdem bleibe die Nachfrage nach (leerstehenden) Ladenlokalen gering. Gestiegen sei hingegen der Konkurrenzdruck von der „Grünen Wiese“.

Vor allem der Citti-Park und das 2015 erweiterte Designer Outlet Center (DOC) in Neumünster hätten sich weiterhin belastend auf die Kundenfrequenz in der Kieler Innenstadt ausgewirkt. Dies illustrieren auch die aktuellen Zahlen des jährlich veröffentlichten Kiel-Reports. Danach erwirtschafteten 2015 Innenstadtkaufleute auf rund 113000 Quadratmetern Verkaufsfläche einen Jahresumsatz von 413 Millionen Euro. 2016 stieg die Gesamt-Verkaufsfläche zwar auf 116000 Quadratmeter an, trotzdem ging der Jahresumsatz auf rund 405 Millionen Euro zurück.

Der Umsatzrückgang drückte auch die Mietpreise für Ladenlokale in der Holstenstraße. Wurden dort 2015 für kleinere Flächen bis 120 Quadratmeter im Schnitt noch rund 85 Euro pro Quadratmeter Netto-Kaltmiete erzielt, liegt die Miete dafür aktuell bei 75 Euro. Zum Vergleich: In Lübeck werden laut Comfort für kleinere Flächen in vergleichbarer Top-Lage aktuell im Schnitt knapp 100 Euro pro Quadratmeter erzielt.

Zudem erschwere ein Überangebot an Flächen in Einkaufzentren im Umland – zum Beispiel im Raisdorfer Ostseepark – oder im Sophienhof die Vermietung von Ladenlokalen in der Innenstadt. „Es fehlt die entsprechende Nachfrage von Einzelhändlern für die Holstenstraße“, heißt es in der Studie wörtlich. Das Vertrauen von Investoren sei derzeit nicht so groß, „als dass spekulativ Geschäftshäuser mit Leerständen und auslaufenden Mietverträgen gekauft werden“.

Dabei hätten Investoren nach Einschätzung der Studienautoren allen Grund auf eine positive (Geschäfts-)Entwicklung Kiels zu spekulieren. So erwarten die Hamburger Immobilienexperten vor allem von städtebaulichen Großprojekten der Zukunft kräftige Kaufkraftimpulse, die solche Investitionen rechtfertigten.

Zu solchen Impulsgebern zählten zum Beispiel das Holsten-Fleet, die Schlossquartier-Wohnungen, der Neubau des Ex-Woolworth-Hauses mit Primark als vermutetem Anker-Mieter sowie die umfangreiche Entwicklung des Bootshafen-Quartiers mit Wohnungen, Hotel und Einzelhandelsflächen. „Insofern haben Investoren jetzt die Chance, günstig Geschäftshäuser zu erwerben“, schreiben die Studienautoren.

Einerseits werde Kiel mit seiner positiven Bevölkerungsentwicklung zwar auch künftig ein „relevanter Investmentstandort“ sein. Andererseits bleibe die Innenstadt derzeit vor allem angesichts einer „ausgeprägten Konkurrenzsituation zur Grünen Wiese“ weiterhin deutlich hinter den Möglichkeiten einer Stadt dieser Größenordnung zurück.

Insofern „verbieten“ sich aus Sicht der Report-Autoren für die absehbare Zukunft „anderweitige zusätzliche Belastungen“ durch neue innenstadtrelevante Neuansiedlungen an der Peripherie oder im Umland. In diesem Zusammenhang sei es ein „positives Signal“, dass sowohl die Kieler Stadtverwaltung als auch das Land in seiner Landesplanung bisher Vorstöße der Stadt Schwentinental zur Errichtung eines echten Shopping-Centers in Raisdorf abgelehnt habe.

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Ein Artikel von
Jürgen Küppers
Lokalredaktion Kiel/SH

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Leitartikel
Foto: Jürgen Küppers.

Geschäftlich gesehen, herrscht in weiten Teilen der Kieler Innenstadt Stillstand. Das „Vitalisierungskonzept“ im Nordlicht-Geschäftshaus in der Holstenstraße verstaubt in den Schubladen. Zudem stehen Ladenlokale in der City leer oder Geschäftshäuser zum Verkauf.

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