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Ein Erlebnis: Baden mit Delfin in Kiel-Holtenau

Mit Videos Ein Erlebnis: Baden mit Delfin in Kiel-Holtenau

Der Delfin, der seit Freitag immer wieder vor Kiel-Holtenau aufgetaucht ist, hat vielen Badenden ein unvergessliches Erlebnis beschert: Immer wieder suchte der Große Tümmler den Kontakt zu den Menschen, stupste sie an, drehte sich auf den Rücken und ließ sich streicheln.

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Das kennt man sonst nur aus den Flipperfilmen: Andreas Krause hielt diesen Moment fest, als der Delfin sich vor Julia Schierl (links) und Karlotta Krause im Fördewasser aufrichtete.

Quelle: Privat

Kiel. Walschützer mahnten daraufhin, die Tiere nicht zu bedrängen und sie auf keinen Fall anzufassen.

Julia Schierl war am Freitagnachmittag mit ihrem Boot zum Liegeplatz in Holtenau unterwegs, als sie plötzlich die typische Finne eines Wales im Wasser entdeckte. „Dann schwamm das Tier neben unserem Boot, und es war klar: Das ist ein Delfin.“ Nach dem Anlegen verständigte die 43-jährige Lehrerin eine befreundete Familie. „Ich habe alles stehen und liegen gelassen und bin sofort mit meiner Tochter Karlotta nach Holtenau gefahren“, sagte Andreas Krause später, „da war der Delfin aber wieder abgetaucht.“ Doch es dauerte nicht lange, da entdeckten sie das Tier in der Nähe der Seebadeanstalt.

Und die 15-jährige Karlotta handelte, ohne zu zögern: „Ich hatte meine Badesachen im Auto gelassen. Also bin ich in voller Montur ins Wasser gesprungen. Und es dauerte nicht lange, da kam der Delfin angeschwommen und hat mich und Julia neugierig umkreist. Ich konnte die ganze Nacht danach kaum schlafen, so unfassbar war dieses Erlebnis “, berichtete die 15-Jährige. „Er wirkte verspielt und hat immer wieder unsere Nähe gesucht. Dann kamen immer mehr andere Badende hinzu, und irgendwann verschwand er wieder“, sagt Julia Schirl und spricht von einem unvergesslichen Geschenk. „Mit einem Delfin zu schwimmen – dafür zahlen andere viel Geld. Wir hatten dieses Glück vor der Haustür und das war ein ganz berührendes Erlebnis.“

Die Lehrerin hofft, dass alle, die den Delfin erleben, für die Bedrohung der Meeressäuger sensibilisiert werden und vielleicht sogar etwas für den Walschutz spenden. „Nicht nur die Schleuse, in die das Tier immer wieder schwimmt, ist ja eine Gefahr. Die Hauptbedrohung für Delfine und die heimischen Schweinswale sind die Stellnetze, in der die Tiere elendig verenden können.“

Große Tümmler leben normalerweise in Verbänden in der Nordsee und im Atlantik. Seit gut einem Jahr werden immer wieder Delfine in der Ostsee gesichtet. Ob dieser Meeressäuger das Tier ist, das im Juni vor Weissenhäuser Strand gesichtet wurde, ist unklar. Die Finne des Kieler Tieres zeigt jedenfalls keine Auffälligkeiten – ebenso wie jener Delfin, der 2015 vor Schweden gesichtet und Vilse (Deutsch: Verirrt) getauft wurde. Damit kann es sich nicht um Selfie oder Delfie handeln, die sich im März in der Kieler Förde aufgehalten haben.

Auch am Sonnabend näherte sich der Große Tümmler ohne Scheu immer wieder Badenden. „Er hat uns mit der Nase angestupst, ließ sich sogar streicheln“, berichteten Lasse, Yannik (beide 12 Jahre) und Julian (8) aus Suchsdorf: „Es ist so toll, ein Wahnsinn!“ Lasses Vater Patrik Markvardsen (44) stellte dank Schnorchel und Tauchermaske fest: „An der rechten Körperseite hat er so etwas wie ein nierenförmiges Zeichen mit zwei Löchern. Außerdem ist es eindeutig ein männliches Tier.“ Laura (12) und Jesse (11) waren am Sonnabend wohl die beiden letzten Delfinschwimmer. Als sie mit ihren Body-Boards zum Ufer paddelten, folgte ihnen das Tier zum Steg, schwamm unter ihnen hindurch, streifte die Boards, tauchte auf – und verschwand, als die Kinder aus dem Wasser stiegen. „Wenn wir ihm einen Namen geben sollten“, sagten sie, „würden wir ihn Bobby nennen.“

Ingo Ludwichoski vom Nabu mahnte, dem Delfin Ruhe zu gönnen. „Auf keinen Fall sollte man sich ihm mit dem Boot oder als Schwimmer aktiv nähern, ihn bedrängen oder ihn gar verfolgen“, sagte Ludwichowski, „kommt er von allein, kann man das genießen. Aber bitte nicht anfassen!“

Von Heike Stüben und Thomas Eisenkrätzer

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Foto: Der Delfin auf der Kieler Förde schwimmt gerne nahe an Schiffe und Boote heran.

Gleich mehrmals ist am Sonnabend ein Delfin in die Schleuse in Kiel-Holtenau geschwommen. Einmal ist er dabei auch in den Nord-Ostsee-Kanal eingeschleust worden, fand aber wieder den Weg zurück in die Kieler Förde.

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