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Die Minibar geht zur Neige

Umfrage Die Minibar geht zur Neige

Eine Ära geht zu Ende: Die gute, alte Minibar hat ausgedient. Immer mehr Hotels in Kiel schaffen die kleinen Kühlschränke auf den Zimmern ab. Zu viel Missbrauch, zu arbeitsintensiv und zu unwirtschaftlich, so die Begründung.

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Die Minibar hat in vielen Hotels in Kiel ausgedient. Von der Nordic-Kette ist das Best-Western-Hotel noch das einzige in Kiel, das die kleinen Kühlschränke auf den Zimmern hat. Mitarbeiterin Marie Beckmann befüllt sie täglich.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Ach, was waren das noch für Zeiten, als man völlig durstig und ausgehungert nach einer langen Reise endlich im Hotel angekommen war und den Kühlschrank auf dem Zimmer plündern konnte. Endlich auf dem riesigen Doppelbett die Füße ausstrecken, in der einen Hand die Fernbedienung, in der anderen die erste Tüte Erdnüsse. Dazu ein kühles Bier und dann noch mal schnell ausprobieren, wie denn eigentlich der Whiskey schmeckt. So musste Urlaub sein. Nur auf den beigelegten Preiszettel durfte man nicht schauen. Nun also soll es vorbei sein mit dem schönen Luxus?

„Über kurz oder lang wird die Minibar bei uns völlig verschwinden“, sagt Florian Buchebner, Geschäftsführer vom Hotel Birke (vier Sterne). „Eine Flasche Wasser im Zimmer und eine 24-Stunden-Rezeption reichen aus.“ Die Erwartungshaltung der Gäste ginge auch eher zu einem eigenen Kaffeeautomaten oder Teekocher, so der gebürtige Österreicher. „Wir renovieren und modernisieren unsere Zimmer nach und nach. Dann bauen wir jedes Mal die Minibar ab. Wichtig ist nur, dass der Gast jederzeit etwas bekommen kann.“ Ein großer Getränkeautomat in der Eingangshalle sei für sein Hotel jedoch keine Option. „Das passt nicht in unser Konzept. Wir bringen unseren Gästen viel lieber etwas aufs Zimmer, oder sie kommen in unsere Bar.“

Raymond Kempcke, Besitzer des Hotels Kieler Förde (drei Sterne), stimmt dem zu: „Wir haben mit Absicht keine Minibar. Das ist ein wahnsinniger Aufwand, den Kühlschrank immer wieder zu kontrollieren, aufzufüllen und auf das Mindesthaltbarkeitsdatum zu achten.“

Der Berliner Hof (drei Sterne, Superior) hat ebenfalls keine Minibars mehr und beim Hotel Consul (drei Sterne, Superior) hieß es: „Sobald ein Kühlschrank kaputt ist, wird er abgeschafft.“ Ilka Märtens, Sprecherin der Nordic-Hotels , wozu in Kiel unter anderem das am Kieler Schloss und das Astor (beide drei Sterne) gehören, erklärt: „Auch wir haben nur noch in unseren Vier-Sterne-Hotels Minibars und das ist in Kiel das Best Western.“

 Auch große Hotels wie das Kieler Steigenberger (vier Sterne, Superior) haben das Angebot schon ausgedünnt. Spirituosen werden gar nicht erst in die Minibar gestellt – zu groß sei der Missbrauch gerade bei Hochprozentigem gewesen. Mit Wasser, Pfefferminztee und sogar Urin würden die kleinen Flaschen von „findigen“ Gästen aufgefüllt. Zudem seien die Umsätze rückläufig. „Die Minibar kommt aus der Mode“, sagt Gunther Träger, Steigenberger-Pressesprecher aus Frankfurt. „Wir sind gerade in der Überprüfungsphase und fragen unsere Hotels ab. Der Trend geht eindeutig zu einer Flasche Wasser auf dem Tisch. Uns wird nichts fehlen, wenn die Minibar ausstirbt.“

 Viele Vier- und Fünf-Sterne-Hotels, die an den Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) angeschlossen sind, zögern allerdings noch. Eine Minibar bringt schließlich sechs Punkte bei der Klassifizierung. „Sollte sich allerdings bei der Gästeumfrage herausstellen, dass die Minibar nicht mehr gewünscht ist, nehmen wir sie aus dem Kriterienkatalog heraus. Da sind wir schmerzfrei. Das geht allerdings nur auf Bundesebene“, sagt Stefan Scholtis vom Dehoga Schleswig-Holstein. „Bisher wollen unsere Gäste allerdings die Minibar.“

 Die großen Kreuzfahrtschiffe hat der Trend ebenfalls erreicht. „Die neueren Schiffe haben alle keine Minibars mehr“, erklärte TUI-Cruises-Sprecherin Godja Sönnichsen aus Hamburg. Kreuzfahrer seien eher gesellig und würden lieber gemeinsam in den Restaurants oder Bars trinken. Positiver Nebeneffekt: „Allein auf Mein Schiff 4 sparen wir so täglich 0,33 Tonnen Treibstoff sowie Kühlmittel“, sagt Sönnichsen.

 Und was machen Nostalgiker nun? Vielleicht das Berliner Hotel Adlon besuchen. Wer dort die Präsidentensuite bucht, bekommt automatisch ein paar Flaschen Wein aus dem legendären hauseigenen Weinkeller in den Weinschrank auf dem Zimmer gelegt. Das ist im Preis inbegriffen. Eine Flasche kostet normalerweise durchaus schon mal mehrere Tausend Euro.

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Ein Artikel von
Kristiane Backheuer
Lokalredaktion Kiel/SH

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