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Crashkurs für ausländische Studierende

How to handle Germany Crashkurs für ausländische Studierende

Deutschland ist ein merkwürdiges Land. Die Leute sortieren ihren Müll so akribisch wie eine Briefmarkensammlung, sie lieben Formulare wie ihre Kinder. Viele Gründe also, um ausländische Neu-Studierende in einem Crashkurs im Umgang mit den Deutschen zu schulen.

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Mareike Lange vom Studentenwerk verriet unter anderem den Trick mit dem Klopapier.

Quelle: Martin Geist

Kiel. Die Uni, die Fachhochschule und auch Muthesius: Alle Kieler Stätten der höheren Bildungsweihen hatten sich zu diesem Kurs unter dem Motto „How to handle Germany“ zusammengetan. Und nicht nur das: Von den jeweiligen internationalen Zentren über die Evangelische Studentengemeinde, das Studentenwerk und den AStA waren auch viele wichtige Organisationen dabei, damit dieser besondere Deutschkurs inhaltlich so breit wie möglich bestückt war.

So befasste sich Mareike Lange von der Studentengemeinde im Workshop „Daily Needs“ mit den „Daily Needs“, also allem, was man so im Alltag braucht. Mit einem hübschen Quiz stieg sie in die Materie ein und ließ die bunt gemischte Teilnehmerschaft anhand auf dem Tisch platzierter Vorführobjekte schätzen, was hierzulande Cola, Dosenbohnen oder Klopapier kostet. „Buy bigger Packets“, lautete ihr Ratschlag in Sachen Klopapier, denn im handlichen Viererpack sei dieses vielleicht wichtigste Inventar einer jeden Wohnung unverhältnismäßig teuer.

Viele Tipps waren schon bekannt

Mal nickten die Zuhörer zu solchen Tipps wissend, mal überrascht und dankbar. Und stets zeigten sie sich offen. Das durchaus auch für den vielgeschmähten Multi-Kulti-Stadtteil Gaarden, der nun mal einfach die größte Vielfalt an internationalen Lebensmittelläden aufweist und manche Besonderheit mehr. Reis, so empfahl Mareike Lange, gebe es im dortigen Sultan-Markt nicht nur in den für Ureinwohner ausreichenden kleinen Tüten, sondern für wenig Geld gleich im Fünf-Kilo-Pack.

Sozialarbeiter Sumich Jung vom Studentenwerk widmete sich derweil den deutschen Besonderheiten im Medizinwesen. Was Svetlana Topalyan „wirklich toll“ fand. Erhellendes erfuhr die vor knapp zwei Monaten aus Russland angekommene Neu-Kielerin in Sachen Krankenversicherung. Wobei sie zugab, noch nicht wirklich alles verstanden zu haben: „Die Systeme sind einfach sehr unterschiedlich.“

Was nach den ersten Eindrücken der 26-Jährigen bis weit in den Freizeitbereich hinein reicht. Am größten war bisher ihre Verblüffung, als sie eine Sauna betrat: „Da sind alle nackt, die Männer und die Frauen. So etwas gibt es bei uns nicht.“ Schon eher kommt die Master-Studentin in Umweltökonomie damit klar, dass sie sich wohl bald ein Fahrrad anschaffen muss. Zu Fuß seien in Kiel viele Wege zu lang, für den Bus zu kurz, also wäre ein Rad aus ihrer Sicht genau das Richtige.

Kieler Woche ist "sowas wie Oktoberfest"

Chinthan Shibby, Muthesius-Student aus Indien, hat schon nach zwei Wochen Deutschland allerhand gelernt. Zum Beispiel, dass die Kieler Woche „so etwas wie das Oktoberfest“ sein soll. Und eben auch, dass man ordentlich seinen Müll trennt. „Ich hab’s begriffen“, behauptet er und stellt ebenso wie seine Agrarwissenschaften studierende Landsfrau Mavsumi Gosh fest, dass es unterm Strich dennoch einige Zeit dauern werde, Sprache und Kultur dieses fremden Landes einigermaßen umfassend zu verstehen.

Gut verstehen kann das wiederum Rufin Arnaud Foejo, vor dreieinhalb Jahren ähnlich unwissend aus Kamerun gekommen und heute Tutor im Dr. Oetker-Haus in der Projensdorfer Straße. Wer neu ins Wohnheim zieht, wendet sich mit allen erdenklichen Anliegen an den angehenden Elektrotechniker, dessen Dienste besonders im Umgang mit den Ämtern gefragt sind. Es gibt aber auch Probleme, die kann auch der Tutor nicht ohne Weiteres lösen. „Manche fragen, wohin sie zur Vorlesung müssen und stellen dann fest, dass sie ganz ans andere Ende der Stadt zur FH müssen“, beschreibt er eines der ärgerlichsten Missverständnisse.

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