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Ein Bonus für kompetente Halter?

Hundesteuer-Reform Ein Bonus für kompetente Halter?

Die Ratsfraktionen der Stadt diskutierten am Dienstagabend eine Reform der Hundesteuer. Nachdem die Rasseliste abgeschafft ist, könnten nun fähige Hundehalter mit einem Steuernachlass belohnt werden.

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Gehorcht der Hund oder nicht? In solchen Situationen zeigt sich, ob der Halter Kontrolle über sein Tier hat. In Kiel sollen Hundehalter künftig Sachkunde nachweisen.

Quelle: Bernd Weissbrod/dpa

Kiel. Die einen lieben Hunde, die anderen hassen sie, und dazwischen gibt es nicht viel. Wenn das so ist, wie NDR-Tierarzt Fabian von Manteuffel vermutet, dann war am Dienstagabend nur die eine Gruppe da, als die Ratsfraktionen von SPD, Grünen und SSW zur Diskussion über die anstehende Reform der Kieler Hundesteuersatzung baten.

Denn ganz überwiegend zeigten Teilnehmer und Besucher des Abends im Regionalen Berufsbildungszentrum Wirtschaft großes Verständnis für die innige Beziehung zwischen Mensch und Hund. Ebenfalls sehr einvernehmlich forderten sie auch, Herrchen und Frauchen durch einen Steuernachlass zu belohnen, wenn sie erwiesenermaßen sachkundig mit ihren Vierbeinern umgehen könnten.

Kampfhundesteuer war ohne Effekt

Vom Tisch ist zumindest im Landesgesetz seit diesem Jahr die Rasseliste, die es ermöglicht, vermeintlich besonders gefährliche Hunderassen mit höheren Steuern zu belegen. In Kiel gibt es laut Martina Baum, der umweltpolitischen Sprecherin der Grünen-Fraktion, derzeit gerade mal 50 gemeldete Gefahrhunde, die mit jährlich 618 Euro zu Buche schlagen. Zu erklären ist diese geringe Zahl aus Sicht von Baum nur mit einer „relativ hohen Dunkelziffer“.

Doch offenbar nicht nur aus diesem Grund ist die Kampfhundesteuer ein stumpfes Schwert. Die Rasseliste sei weder wissenschaftlich fundiert noch erfolgreich gewesen, befindet Susanna Swoboda vom SSW. Entstanden sei viel Verwirrung, der Nutzen hingegen tendiere gegen Null.

Wenn es Konflikte zwischen Menschen und Hunden gibt, liegt das Problem aus Sicht der SSW-Umweltpolitikerin „eher am anderen Ende der Leine“. Will heißen: Wer einen Hund hält, sollte in der Lage sein, vernünftig mit ihm umzugehen.

Schwachstelle ist der Mensch

Auch Fabian von Manteuffel, bekannt geworden als Tierarzt im NDR-Fernsehen, sieht als entscheidende Schwachstelle den Menschen. Wenn sogenannte Kampfhunde außer Kontrolle geraten und Unbeteiligte schwer oder tödlich verletzen, sind nach seiner Darstellung stets die Halter schuld daran. Vielfach handele es sich um „keine bürgerlichen Existenzen“, die ihre Tiere ohnehin nicht anmelden und schon deswegen nicht durch höhere Steuern zu schrecken sind. Durchaus gebe es aber auch ganz normale Leute, die sich die falschen Hunde zulegen, betonte von Manteuffel. Schäferhunde seien zuchtbedingt „oft problematisch“, auch Rottweiler eignen sich nach seiner Einschätzung nur für Fachleute. Elisabeth Haase vom Tierschutzverein Kiel sieht das ähnlich: „Die Leute holen sich einen großen Hund, am besten einen Rüden, haben null Ahnung, und nach zwei Jahren wird er auffällig.“

Wünschenswert wäre es nach Meinung der Teilnehmer dieser Diskussionsrunde gewesen, die Pflicht zum sogenannten Hundeführerschein gleich ins neue Landesgesetz hineinzuschreiben. Weil dem aber nicht so ist, sollen künftig in Kiel Tierfreunde, die sich freiwillig qualifizieren oder ihre schon vorhandene Kompetenz an der Leine nachweisen, mit einem Rabatt bei der Hundesteuer belohnt werden.

„Der muss spürbar sein, damit es Wirkung zeigt“, betont Benjamin Raschke, tierpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion. Um Härten zu vermeiden, plädiert er außerdem für Übergangsfristen. Zumal der Sachkunde-Rabatt zur Folge haben könnte, dass die allgemeine Hundesteuer, die 126 Euro beträgt und bei 7600 gemeldeten Tieren jährlich knapp eine Million Euro in die Stadtkasse spült, zwecks Gegenfinanzierung erhöht werden muss. „Da müssen wir mit dem Land drüber reden, was möglich ist“, verweist Raschke auf die strengen Auflagen der Kommunalaufsicht. Etwas Zeit dafür gibt es noch: An das neue Landesgesetz angepasst werden soll die Kieler Hundesteuersatzung erst im Jahr 2017.

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