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Neue Waffe gegen den Krebs

Immuntherapie Neue Waffe gegen den Krebs

Die klassischen Behandlungsmethoden bei Krebs sind die operative Tumorentfernung, die Chemotherapie und die Strahlentherapie. Doch auch in Kiel gewinnt eine weitere Option an Boden: die Immuntherapie.

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Prof. Roland Repp wechselte vom Erlanger Krebszentrum an das Städtische Krankenhaus in Kiel. Von 2004 bis 2008 war er Leitender Oberarzt am Kieler Mildred-Scheel-Haus.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Prof. Roland Repp, Chefarzt am Städtischen Krankenhaus, spricht von einer „neuen Qualität der Tumorbehandlung“.  Seit Anfang des Jahres gibt es zwei Klinik-Standorte in Kiel für die Behandlung von Bluterkrankungen, Leukämie sowie Brust- und Lungenkrebs, nachdem die Abteilung der Hämatologie/Onkologie vom Städtischen Krankenhaus ins Universitätsklinikum gezogen war. Das Fachgebiet bleibt aber weiterhin als Schwerpunkt am Städtischen Krankenhaus.

 Immer mehr Tumorbehandlungen in einer immer älter werdenden Welt – damit müssten sich alle Kliniken auseinandersetzen, meinte Repp zum Dienstantritt, als er die 80-Betten-Abteilung am 1. Januar 2016 übernahm. Pro Jahr werden dort etwa 3000 Fälle von Krebserkrankungen behandelt, die Hälfte davon Leukämien. Schon damals kündigte er an, die Immuntherapie als überregionalen Schwerpunkt auszubauen. Dabei werden dem krebskranken Patienten über eine Infusion Antikörper gegeben, die die Abwehrkräfte ankurbeln sollen, damit sie Tumorzellen zerstören. Am Kieler Uniklinikum kommt die Therapie seit einigen Jahren bereits zum Einsatz, um schwarzen Hautkrebs zurückzudrängen.

 Das Städtische Krankenhaus nimmt jetzt an einer internationalen Studie teil, die Haut-, Lungen- und Nierenkrebserkrankten die Immuntherapie als weitere Alternative anbieten soll. „Wir haben erkannt, wie Antikörper die Abwehrmechanismen der Tumorzellen blockieren können“, wertet er die Möglichkeiten der neuen Behandlung mit Hinweis auf bereits erreichte Erfolge als positiv. Die neue Generation von Antikörpern hätte bereits geholfen, die Überlebensrate nach fünf Jahren zu erhöhen und die Rückfallquote einzudämmen. Der große Vorteil der Behandlung: Sie habe kaum Nebenwirkungen und sei daher deutlich schonender als die Chemotherapie. Innerhalb der neuen Studie wird es sogar möglich sein, Lungenkrebs-Patienten gleich mit Immuntherapie zu behandeln und nicht erst nach einer Chemotherapie.

 Als erstes Medikament wurde im Jahr 2011 ein sogenannter Checkpoint-Hemmer beim schwarzen Hautkrebs zugelassen, 2015 beim fortgeschrittenen Lungenkrebs und jetzt aktuell in den USA für spezielle Brustkrebsarten. Irgendwann, so hofft der Chefarzt, werde das Verfahren bei allen Krebserkrankungen ankommen, auch wenn es sehr teuer sei und ein breiter Einsatz bei den Kassen die Kostenspirale gewaltig ankurbeln könnte. Trotz seiner Begeisterung für das große Entwicklungspotenzial des Verfahrens warnt Repp vor überzogenen Hoffnungen. Denn nicht alle Patienten sprechen auf die Behandlung an. Warum die Immuntherapie bei einigen Kranken nicht wirkt, ist noch unklar. Zur Studie gehört daher auch, auf Spurensuche zu gehen, um die Kranken, die von ihr profitieren könnten, mit Hilfe von Biomarkern zu finden.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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