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Ein Treffpunkt für die Szene

In Sound Ein Treffpunkt für die Szene

„Die Szene muss schon supportet werden“, sagt Jörg Grams vom Musikgeschäft In Sound. Er sitzt in einem gemütlichen Raum mit rotem Sofa und Retrokommode, überall hängen und stehen Akustikgitarren, an der Wand haben Musiker sich mit Filzstift verewigt.

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Profiaufnahmen bei der Jungen Bühne: Während der Kieler Woche nahm die Nachwuchsband „Seelenrein“ 2015 im Bandcamp ihr Lied „Synonym für Hass“ auf.

Quelle: hfr

Kiel. „Ohne die jungen Bands stirbt das ja auch alles irgendwie aus“, sagt er und meint damit die Rock ’n’ Roll Kultur. Es gehe nicht darum, wie gut eine Band sei, sondern darum, mit wie viel Herzblut und Spaß die Musiker bei der Sache seien. „Ich bin früher mit einer Jazz-Rock-Kombo aufgetreten. Das war einfache Musik, aber es hat Laune gemacht“, sagt Grams. Gerade deswegen unterstützt er mit seinem Laden Projekte, die den Nachwuchs fördern. Instrumente ausprobieren, beraten werden, aber auch einfach mal etwas in die Hand nehmen und losrocken, all das will er seinen jungen und alten Kunden ermöglichen.

Die Anzahl der Zuschauer ist egal

In Sound stellt Schlagzeuge, Anlagen oder Verstärker für Bandcontests. Bei unkommerziellen Veranstaltungen kostenlos. „Es gibt ohnehin wenig Auftrittsmöglichkeiten für junge Bands. Und wenn dann etwas zustande kommt, fehlt oft das Equipment. Da mussten wir was machen.“, findet Grams. Gerade der Elan frisch gegründeter Bands begeistert den Musiker. „Die bereiten Flyer und Poster vor, kommen hier rein und bekommen ’ne Anlage von uns, machen Soundcheck und wollen dann einfach nur auf die Bühne und Spaß haben“, sagt er mit leuchtenden Augen. Dabei sei es ihnen egal, ob da fünf oder fünfhundert Zuschauer gekommen sind. In dieser Mentalität stehen sich das Team von In Sound und die jungen Bands in nichts nach. Und das nicht zuletzt, weil auch jeder Mitarbeiter selbst Musiker ist und weiß, wie es sich anfühlt: das erste Instrument, der erste Gig, die ersten Tonaufnahmen. Zittern, schwitzen, rocken. Die Grenze zwischen Kundschaft und Freundschaft verschwimmt bei In Sound. Der Laden soll nicht nur ein Verkaufsort, sondern ein Treffpunkt für die Szene sein. Inzwischen digital und analog.

Bei den Aufnahmen das Beste rausholen

Mit dem Internet und den sozialen Netzwerken bekam das Team neue Möglichkeiten. Seit vier Jahren richten sie das Bandcamp während der jungen Bühne ein. Alle Bands, die während der Kieler Woche dort spielen, können professionell einen Song aufnehmen, der auf Youtube hochgeladen wird. „Man kann die Jugendlichen da nicht einfach abfrühstücken“, sagt Stefan Schmidt, der die Aufnahme mit einem Kollegen betreut, „Schließlich sind die meisten das erste Mal im Studio und viele nervös.“ Außerdem will Schmidt bei den Aufnahmen das Beste rausholen. Da hilft er schon einmal bei der richtigen Einstellung der Verstärker mit. Zehn Tage lang, zwölf Stunden pro Tag ist er während der Kieler Woche im Einsatz. „Sobald ich bei Youtube hochladen klicke, steht schon die nächste Band in der Tür“, sagt Schmidt.

Youtube ist eine wichtige Plattform für Newcomer. Neulich habe Schmidt einen Anruf von The Voice Kids bekommen. Die 13-jährige Lina, die 2016 Songs im Bandcamp aufgenommen hat, soll zur Cas-tingshow eingeladen werden. Die Produzenten erklärten Schmidt, dass sie den Kanal von In Sound häufiger nach Talenten absuchen. Und da sind sie nicht die Einzigen. Viele Musiker wurden im Internet entdeckt. Deshalb werden neben dem Bandcamp auch regelmäßig Musiker zu Akustik-Sessions eingeladen. Kleine lokale Bands und bekanntere Gruppen geben sich hier die Klinke in die Hand und präsentieren einen ihrer Songs in einer Akustik-Version. Auch das wird professionell abgemischt hochgeladen. „Man kann heutzutage nicht mehr nur in seinem Laden sitzen, Anzeigen schalten und hoffen, dass jemand kommt“, sagt Grams, der sich freut, dass seine Mitarbeiter sich mit den neuen digitalen Medien auskennen. Denn als er In Sound vor 30 Jahren mit seinem Freund Andreas Großmann eröffnete, spielte das Internet noch keine Rolle. Aber da dachte Grams, der eigentlich Fotografie studieren wollte, auch im Traum noch nicht daran, dass er mehrere Jahrzehnte ein Musikgeschäft führen wird. Nun hingegen, kann er sich nichts anderes mehr vorstellen.

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