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In Suchsdorf kehrt noch keine Ruhe ein

Flüchtlingsdiskussion In Suchsdorf kehrt noch keine Ruhe ein

Streit gibt es in Suchsdorf vor allem um Worte eines Ortspolitikers. Darf ein Ortsbeirat Leute, von denen er sich genervt fühlt, als „notorische Querulanten“ bezeichnen? Thilo Rudroff, für die CDU in der Suchsdorfer Stadtteilvertretung, hat es getan. Und ist zum Unmut seiner Kontrahenten keineswegs gewillt, diese Worte zurückzunehmen.

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Rund 1200 Menschen diskutierten im Februar über eine mögliche Flüchtlingsunterkunft am Rande des Neubaugebiets.

Quelle: Sven Janssen

Kiel. Der Streit, der den Ortsbeirat in seiner Sitzung am Dienstagabend im Sportheim beschäftigt, geht auf erbitterte Diskussionen zurück, die zu Jahresbeginn über mögliche Flüchtlingsunterkünfte am Rande des Wohngebiets Suchsdorf an der Au geführt wurden. Der Gesundheitsökonom und Suchsdorfer Thomas Drabinski hatte sich damals mit einem umstrittenen Gutachten über drohenden Wertverlust für die Immobilien in der Umgebung hervorgetan. Michael Schmöckel, beratendes Ortsbeiratsmitglied für die Linke, hatte immer wieder eine mangelnde Transparenz des Verfahrens kritisiert.

 Ihre Sichtweisen brachten die Protagonisten offenbar ausgiebig per E-Mail unters Volk, zum wachsenden Verdruss von Thilo Rudroff. Dem platzte am 1. April der Kragen, was er prompt mit einer Mail an Drabinski und alle Ortsbeiratsmitglieder kundtat. Darin heißt es: „An alle Schmöckels, Drabinskis und sonstige pathologische Querulanten, mich interessieren Ihre geistigen Absonderungen/sogenannten Gutachten und dergleichen nicht, die regelmäßig ungewollt in meinem E-Mail-Postfach landen. Das Leben ist zu kurz, um sich mit Ihren stets herabwürdigenden Elaboraten zu befassen.“

 Das nun empfand wiederum Drabinski als herabwürdigend und wandte sich an den Oberbürgermeister mit der Bitte, Rudroff seines Ehrenamtes zu entheben. Woraufhin zuständigkeitshalber das Büro des Stadtpräsidenten antwortete, dass dies nur möglich sei, wenn ein entsprechender Antrag vom Ortsbeirat oder aus der Ratsversammlung käme. Am Dienstag nun pochen Drabinski und auch andere Sitzungsbesucher darauf, dass sich der Ortsbeirat des Themas annehmen möge. Schließlich habe eines seiner Mitglieder eine handfeste Beleidigung breit gestreut. Wenn sich das Gremium nicht davon distanziere, bedeute das, dass ein solcher Umgangston gebilligt werde.

 Vorsitzender Reinhard Warnecke (SPD) weigerte sich jedoch beharrlich, auf dieses Thema einzusteigen. „Das ist keine Angelegenheit des Ortsbeirats“, betonte er. Sein ins Visier geratener Kollege Rudroff sah es ähnlich. „Wenn Herr Drabinski sich beleidigt fühlt, kann er Strafanzeige stellen, dann ist der Fall erledigt“, gab er sich gelassen und bekräftigte in Richtung seines Kontrahenten: „Sie sind ein notorischer Querulant.“

 „Warum darf er das in der Sitzung sagen?“, empörte sich darauf Michael Schmöckel. Doch weder der Vorsitzende noch die übrigen Mitglieder sahen einen Anlass, sich zu distanzieren. CDU-Ortsbeirat Hans-Jürgen Lembke ordnete die Worte seines Parteifreunds vielmehr der Meinungsfreiheit zu. Und Paul Stamp von der SPD rief dazu auf, die Befindlichkeiten nicht auf die Spitze zu treiben. Schließlich hätten auch Drabinski und Co. in der Flüchtlingsdiskussion ordentlich ausgeteilt. Thomas Drabinski bleibt indes bei seiner Auffassung. Als „notorischer Querulant“ bezeichnet zu werden, das sei „schlicht und ergreifend unter der Gürtellinie.“

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