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Auch in Kiel hilft: Schotten dicht!

Infos gegen Ratten Auch in Kiel hilft: Schotten dicht!

Der wichtigste Baustein des Kampfes der Landeshauptstadt Kiel gegen Ratten ist die Information der Bürger. Wenn die sich richtig mit den Nagern auseinandersetzen, sei schon viel gewonnen.

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In der Regel ein ungesehener Gast: Ratten vermehren sich immer dann besonders gut, wenn sie in leicht zugänglichem Müll reichlich Nahrung finden.

Quelle: Bernd von Jutrczenka/dpa

Kiel. Gerhart Hauptmann hat den Ratten mit einer Tragikomödie ein literarisches Denkmal gesetzt, 1912 erhielt der Autor den Literaturnobelpreis. Den Nagern in natura zu begegnen, ist hingegen weniger preis- oder hitverdächtig. Über den Ärger in dieser Hinsicht von Norbert Börner aus dem Mettenhofer Göteborgring hat unsere Leseranwältin in der vergangenen Woche in ihrer Kolumne berichtet. Jetzt haben sich weitere Leser gemeldet. Auch die Stadt sagt den Ratten den Kampf an – und verweist darauf, dass jeder etwas gegen die Tiere tun kann.

Eines ist Frank Festersen, Leiter des Ordnungsamts, ganz wichtig: Ratten sind grundsätzlich nicht gefährlich. Zwar können die Tiere bestimmte Krankheiten übertragen, aber ihm sei noch nicht bekannt geworden, dass etwa jemand von einer Ratte gebissen wurde. Festersen bringt es auf eine plakative Formel: „Ratten sind auch nur Tauben oder Möwen.“ Tiere, wie sie in einer Stadt eben vorkämen. Und genauso wie die Vögel vermehrten sich die Nager immer dann besonders gut, wenn ihnen beispielsweise frei zugängliche Essensreste als Futter serviert würden.

"Nulldiät für Ratten"

Wichtigster Baustein in der städtischen Strategie gegen die unbeliebten Tiere ist daher die Aufklärung darüber, wie jeder Bürger dazu beitragen kann, das Nahrungsmittelangebot für Ratten gering zu halten. „Nulldiät für Ratten“ heißt ein Faltblatt, das von der Website der Stadt jetzt erstmals auch in arabischer, bulgarischer, englischer, kurdischer, rumänischer, russischer und türkischer Sprachversion heruntergeladen werden kann. Darin heißt es unter anderem: „Halten Sie die Abfallbehälter fest verschlossen“, „Entsorgen Sie Müll ausschließlich in die dafür vorgesehenen Abfallbehälter“, und „Speisereste gehören in die dafür vorgesehenen Biotonnen“ – und nicht auf den Kompost.

„Dieses Faltblatt dürfen Vermieter vervielfältigen und ihren Mietern in die Briefkästen werfen“, sagt Christoph Cassel, stellvertretender Amtsleiter und zuständig für die Allgemeine Gefahrenabwehr. Darauf hingewiesen wurden einige Vertreter der Wohnungsgesellschaften bereits, als sie am Donnerstag bei einem ersten Austausch zum Thema Rattenbekämpfung im Ordnungsamt zu Gast waren. In einer zweiten Runde sollen bald auch weitere Gesellschaften und der Abfallwirtschaftsbetrieb Kiel (ABK) mit am Tisch sitzen.

Gerader Letzterer ist wichtig, da in vielen Fällen die Mülltonnen eine entscheidende Schwachstelle haben, die den Ratten den Zugang zu den schmackhaften Abfällen erlauben: die sogenannte Revisionsöffnung. Dabei handelt es sich um einen Abfluss an der Unterseite, durch den die Tiere in die Behälter eindringen können, wenn die Verschlusskappe fehlt. Da kann der Deckel der Tonne sogar mit einem Backstein beschwert werden – allein, es nützt nichts. Während der ABK bereits seine Absicht signalisiert hat, in entsprechenden Fällen unverzüglich nachzubessern, steht diese Zusage vonseiten der Firma Remondis, die für den gelben Sack zuständig ist, noch aus.

Ratten sind selbstverständlich in der Stadt

Getreu seiner Einschätzung, dass Ratten in der Stadt genauso selbstverständlich vorkommen wie etwa Möwen, hält Festersen einen Satz wie „Melden Sie eine Ratte“ für grundfalsch. Erst die Masse lasse das Vorkommen zum Problem werden. Entsprechend werde dort, wo es eine zu große Population gibt, Rattengift ausgelegt. Das Ordnungsamt kann dies auch anordnen. Eine flächendeckende Bekämpfung von Ratten, wie sie vor einem Jahr für Mettenhof vorgeschrieben wurde, ist indes nicht abzusehen. Das hat auch logistische Gründe: Die Tiere sind gegen die Gifte aus dem Baumarkt, sogenannte Rodentizide der ersten Generation, über die Jahre resistent geworden, erläutert Cassel. Wer den Nagern jetzt ans Fell rücken will, muss auf Präparate der zweiten Generation zurückgreifen. Die sind jedoch so stark, dass nur Kammerjäger sie auslegen dürfen. Bei einer stadtteilweiten Aktion stößt deren Kapazität an ihre Grenzen – eine stadtweite „Begiftung“, wie es im Amtsdeutsch heißt, dürfte kaum noch möglich sein.

Dass der Kampf gegen eine Rattenplage kein leichtes Unterfangen ist, davon zeugt ein anderes Stück Weltliteratur: Die Stadt Hameln wurde der Lage nicht Herr, bis sich der Rattenfänger des Problems annahm. Da sich dieser in Kiel noch nicht hat blicken lassen, rät die Stadt als effektivste Maßnahme zu „Hygiene und Sauberkeit“ sowie zu verschlossenen Müllcontainern – auch an der Unterseite.

Infos der Stadt

www.kiel.de/ratten

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Heidenberger Teich in Mettenhof
Foto: Fest verschlossen sind die Container – und doch finden Ratten einen Weg hinein, erklärt Ordnungsamtsleiter Frank Festersen (von links) Max Larsen vom Bürgerhaus. Grund ist ein Loch im Containerboden, aus dem das Wasser nach der Reinigung abfließt. Dieses war nicht wieder verschlossen worden. „Das klären wir mit dem Abfallwirtschaftsbetrieb“, versprach Festersen.

So mancher Müllplatz ist ein Eldorado für Ratten. Vielfältige Informationen zur Rattenvermeidung bot ein Rundgang durch Mettenhofer Straßen vor der Ortsbeiratssitzung am Mittwochabend.

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