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Initiative bündelt Hilfen für Landwirte

Bauern in Not Initiative bündelt Hilfen für Landwirte

Ein Bündnis aus Politik, Landwirtschaft, Tierschutz und Kirche bündelt in Schleswig-Holstein die Hilfsangebote für Bauern in Not. Dabei gehe es nicht nur um wirtschaftliche Probleme, sondern auch um seelische Folgen, erläuterten die Initiatoren am Mittwoch in Kiel.

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Landwirtschaftsminister Robert Habeck (links) und Bauernverbandspräsident von Schleswig-Holstein, Werner Schwarz wollen Bauern in Not helfen.

Quelle: Sven Hoppe/ dpa

Kiel. Erst Preisverfall und Schulden, dann seelischer Druck wegen Existenznot, Zukunftsängste und die Vernachlässigung von Tieren - die wirtschaftlichen Belastungen setzen viele Bauern unter psychischen Druck. Hilfsangebote gibt es, aber für viele Betroffene ist die Hemmschwelle hoch, sie anzunehmen. Ein breites Bündnis will in Schleswig-Holstein die Angebote jetzt besser miteinander verknüpfen und bekannter machen.

Zu der ungewöhnlichen Initiative, die sich am Mittwoch in Kiel vorstellte, fanden sich Partner zusammen, die sonst einander oft zum Teil heftig kritisieren: Beteiligt sind das von den Grünen geführte Agrarministerium, der konservative Bauernverband, der Verband der Milchviehhalter, die Landwirtschaftskammer, die Nordkirche, die Landfrauen, der Tierschutz und die Sozialversicherung der Bauern. Sie alle haben ihre Hilfsangebote erstmals in einem Flyer zusammengefasst.

Von den gut 12 000 Landwirten im Norden könnte Experten zufolge jeder zehnte in akute ökonomische Not geraten. Auf mindestens zehn Prozent schätzt der Verband der Milchviehhalter den Anteil seiner Betriebe, die nicht die aktuelle Preiskrise überstehen werden.

„Das ist eine Not, die in die Herzen und Seelen der Menschen hineinreicht“, sagte Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne). „Viele Bauern haben Seelenschmerzen und wissen nicht ein und aus.“ Besonders die Halter von Milchvieh und Schweinen leiden unter einer anhaltenden Preiskrise, weil auf dem Markt ein großes Überangebot herrscht.

„Ich weiß, dass es brennt“, sagte der Vertrauensmann für Tierschutz in der Nutztierhaltung, Edgar Schallenberger. Vielen Bauern, die nicht mehr könnten, müsse schnell geholfen werden. Schallenberger hat das gerade am Pfingstmontag in einem Fall getan: Auf seinen Rat ging ein verzweifelter Landwirt von sich aus in die Psychiatrie. Schallenberger stellte auch einen direkten Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Not und der Vernachlässigung von Tieren her. „Den Tieren geht es schlecht, weil es oft den Bauern schlecht geht“, sagte er. Die Sozialversicherung für Landwirte zahlt jede sechste Erwerbsminderungsrente infolge psychischer Erkrankungen.

Vielen Bauern gehe es auch deshalb schlecht, weil ihnen mit überbordender Bürokratie Aufgaben über den Kopf wachsen, sagte Bauernverbandspräsident Werner Schwarz. Hinzu komme „Bauernbashing“ in der Öffentlichkeit. Und die Bauern können ihre Probleme nicht nach Feierabend verdrängen, weil sie auf ihrem Hof zugleich arbeiten und leben. Der Verband der Milchviehhalter hat seinen Mitgliedern drei Bauern benannt, die Berufskollegen in Not zuhören und als Ansprechpartner helfen. Auch die anderen Beteiligten an der Initiative haben solche Anlaufstellen. Das Sorgentelefon bei der Nordkirche gibt es bereits seit 1994, aber erst jetzt rücke bei den Anrufen verstärkt der menschliche Faktor in den Fokus, sagte Referent Ulrich Ketelhodt.

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KN-online (Kieler Nachrichten)

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