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Hängepartie am Berliner Platz in Kiel

Innenstadt Hängepartie am Berliner Platz in Kiel

Eigentlich sollte der opulente Neubau mit vier Geschossen am Berliner Platz längst fertig sein. Doch die Hülle des ehemaligen, inzwischen komplett geräumten Ex-Woolworth-Gebäudes steht immer noch.

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Als innovativ gestaltet und hochwertig galt das Ex-Woolworth-Gebäude bei seiner Errichtung vor 25 Jahren. Jetzt soll es bald abgerissen werden.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. Die Stadt geht jetzt von einem Abrissbeginn in diesem Frühjahr (Fertigstellung des Neubaus: Herbst 2019) aus. Der Duisburger Projektentwickler Fokus Development hält derweil mit seinen Plänen nach wie vor hinter dem Berg, verspricht zumindest aber, in „rund 14 Tagen“ Konkreteres zu Mietern und Baustart mitzuteilen.

Die Hängepartie – seit Juni 2015 steht das Gebäude leer – bleibt nicht ohne Folgen. So brodelt bei Innenstadtkaufleuten die Gerüchteküche. Grund für den Stillstand sei unter anderem der Absprung des Textil-Großfilialisten Primark als vermuteter Hauptmieter des Neubaus, munkelt man.

Primark-Absage nicht bestätigt

Ob an den Gerüchten etwas dran ist, wollte die Fokus-Sprecherin auf Nachfrage aber weder bestätigen noch dementieren. „Dazu sagen wir jetzt noch nichts.“ Derzeit führe Fokus Development noch Abstimmungsgespräche, deren Ergebnisse das Unternehmen in Kürze mitteile. „Was wir dann zu verkünden haben, wird aber alle zufriedenstellen.“

Ähnlich rätselhaft klingt das Statement des Kieler Baudezernenten Peter Todeskino zu seinem Kenntnisstand, der ihm offensichtlich Anlass zum Optimismus gibt: „Ich übe mich in freudiger Erwartung.“ Was das bedeuten soll, ließ der Dezernent offen. Laut städtischer Homepage zum Bauprojekt geht die Verwaltung nach wie vor von einem Neubau eines viergeschossigen Geschäftshauses mit rund 8100 Quadratmeter Brutto-Geschossfläche aus. Die Planung sehe vor, dass das gesamte Gebäude durch einen „Großmieter aus dem Textilbereich“ genutzt werde.

Architekt betont Qualität des Gebäudes

Die Vorfreude von Peter Todeskino angesichts bevorstehender Bauaktivitäten kann Norbert Figge allerdings nicht teilen. Schließlich war es sein Architekturbüro (Detlefsen&Figge), nach dessen Plänen das Ex-Woolworth-Gebäude mit der markant gewellten Fassade vor rund 25 Jahren errichtet wurde. Auf die Frage, wie ihm angesichts des nun bevorstehenden Abrisses zumute ist, antwortet der Architekt emotional: „Das tut richtig weh.“

Was den Architekten besonders schmerzt, ist nicht nur, dass ein „noch intaktes“ Gebäude nach vergleichsweise kurzer Zeit aus dem Innenstadtbild verschwindet. „Es ist vor allem der Umstand, dass nichts Besseres nachkommt.“ Schließlich seien damals qualitative Materialien verwendet worden.

So bestehe beispielsweise die Fassade aus hochwertigem Granit. Beim Neubau solle hingegen gefärbter Beton verwendet werden. „Aber von der Qualität her betrachtet, kommt Beton mit Granit nicht mit. Was jetzt entsteht, wird deutlich schlechter sein.“ Doch sein fachmännischer Rat war beim Neubau offenbar nicht gefragt. In die Planungen dazu sei sein Büro jedenfalls nicht miteinbezogen worden.

Ob das Vorgehen von Stadt und Investor möglicherweise das Urheberrecht des Architekten an seinem Werk verletzte, vermag Norbert Figge nicht genau zu sagen: „Wir haben es juristisch nicht untersuchen lassen. Denn wir wollten hierzu nicht in einen Rechtsstreit eintreten. Jetzt belassen wir es dabei.“

Obwohl eines „seiner“ Gebäude nun bald verschwunden sein wird, prägen andere weiterhin die Innenstadt – zum Beispiel der Umbau der ehemaligen Oberpostdirektion zum Neuen Rathaus an der Andreas-Gayk-Straße, das Domizil der Volksbank am Europaplatz oder künftig die neuen Gebäude des Landeskirchenamtes in der Dänischen Straße.

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Ein Artikel von
Jürgen Küppers
Lokalredaktion Kiel/SH

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