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Bootshafen wird zum Wohnquartier

Innenstadt Kiel Bootshafen wird zum Wohnquartier

Neubau in der Kieler Innenstadt: Ein Investor will für rund 50 Millionen Euro Gebäude für ein Hotel, Appartements und Eigentumswohnungen errichten. Das Gesicht der Mitte könnte sich stark verändern.

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Seit fast drei Jahren bietet das ehemalige C&A-Gebäude einen trostlosen Anblick. Doch das Ende ist jetzt zumindest absehbar.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. Nach dem Schlossquartier wird ein zweites Riesen-Bauprojekt das Gesicht der Kieler Innenstadt voraussichtlich entscheidend verändern. Ab Mitte kommenden Jahres sollen am Bootshafen das ehemalige C&A-Gebäude sowie die ebenfalls seit Jahren leerstehende Markthalle einem gewaltigen Neubaukomplex weichen. Auf 6800 Quadratmetern Grundfläche entstehen dort rund 80 Eigentumswohnungen, ein Hotel mit 160 Zimmern sowie ein „Boardinghouse“ mit 180 komplett eingerichteten Appartements. Das Investitionsvolumen beträgt rund 50 Millionen Euro.

 Neuer Eigentümer der für das Bauprojekt nötigen Grundstücke ist die Deutsche Immobilien AG (DI) mit Zentrale in Rostock. „Nachdem der letzte Kaufvertrag vor einigen Tagen beurkundet wurde, können wir jetzt in die vertiefte Bauplanung einsteigen“, bestätigt der Geschäftsführer der Firmentochter DI-Development, Henning Laubinger, auf Nachfrage. Doch die Bagger könnten erst Mitte 2016 anrücken: Dann laufe der Mietvertrag des Hotels am Schwedenkai über dem Ex-Markthallengebäude aus.

 Danach rechnet Laubinger mit rund 20 Monaten Bauzeit, bis der Komplex steht. Dieser wartet auch mit einem in Kiel völlig neuen Wohnkonzept auf: Im Bordinghouse entstehen 180 etwa 22 Quadratmeter kleine, komplett möblierte Wohnungen. Gedacht sind sie für Menschen, die meist aus beruflichen Gründen nur eine absehbare Zeit in Kiel leben. Möglich ist nach Laubingers Darstellung auch eine Nutzung für studentisches Wohnen. Vermarktet werden sollen die Boardinghouse-Wohnungen unter dem Slogan: „Die erste Adresse für ein zweites Zuhause.“

 Ebenfalls ungewöhnlich ist die nicht nur räumliche Nähe von Boardinghouse und dem unmittelbar benachbarten Hotel in der Dreisterne-plus-Kategorie. „Auf Wunsch können die Bewohner des Boardinghouses auch Leistungen des Hotels, zum Beispiel für Verpflegung oder Reinigung ihrer Wohnungen, in Anspruch nehmen. Doch das genaue Konzept legt dann der Hotelbetreiber vor.“ Die DI-Development fungiere als Projektentwickler. Nach Abschluss der rund 20 Monate dauernden Bauphase würden die Gebäude verkauft.

 Aus Laubingers Sicht verändere das Projekt die Innenstadt „äußerst positiv“ – vor allem im Zusammenhang mit dem Bau des Kleinen-Kiel-Kanals, dem neuen Schlossquartier sowie dem geplanten Neubau auf dem Nachbargrundstück (Ex-Woolworth). Insofern fühle man sich bei der Einschätzung einer starken Veränderung der Stadt hin zum Positiven innerhalb der kommenden Jahre voll bestätigt. „Wir glauben an den Standort Kiel mit seinem großen Entwicklungspotenzial.“

 Auch Kiels Baudezernent Peter Todeskino spricht von einem „weiteren Meilenstein“ für die Entwicklung der Innenstadt: „Sie fängt an, sich gegen Konkurrenz in Schwentinental, Neumünster und im Citti-Park erfolgreich zu wehren.“ Die absehbar starken Behinderungen aufgrund der vielen Baustellen in der Innenstadt sieht Todeskino als Herausforderung. Bereits nach der Sommerpause soll ein erstes Konzept dazu stehen, das derzeit mit Gewerbetreibenden und und Eigentümern diskutiert werde. „Eins ist für mich dabei klar: Kiel muss den Run auf die Innenstadt und die Jahrhundertchance jetzt nutzen.“

 Für Todeskino wäre es zudem „außerordentlich wünschenswert“, wenn auch das Spielcasino den Neubauten am Bootshafen weichen würde. Denn das Gebäude stehe „völlig falsch“ und sei „in seiner Anmutung wahrlich keine Visitenkarte für eine Spielbank.“

 Auch das dahinter liegende Parkhaus ist dem Dezernenten nach wie vor ein Dorn im Auge: „Es wäre schön, wenn sich die Verantwortlichen durch das Nachbarvorhaben ebenfalls zu Investitionen motivieren ließen.“ Dabei kommt für Todeskino im Prinzip nur ein Neubau „mit welcher Nutzung auch immer“ in Betracht. Ein modernes Parkhaus sei da sicher „keine schlechte Idee“. Den Bedarf dafür in unmittelbarer Nähe zum Hafen sieht der Baudezernent als durchaus gegeben an.

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Ein Artikel von
Jürgen Küppers
Lokalredaktion Kiel/SH

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Wenn man Kiel jetzt für drei bis vier Jahre verlassen würde, müsste man sich bei der Rückkehr wahrscheinlich die Augen reiben. Denn die Innenstadt wäre dann nicht mehr so, wie man sie seit Jahrzehnten kennt.

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