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Hoffnung auf mehr Ideen und Patente

Innovationsscouts Hoffnung auf mehr Ideen und Patente

Bevor eine Erfindung zum Patent angemeldet wird, sind etliche Hürden zu überwinden. An der Kieler Christian-Albrechts-Universität stehen Forschern, aber auch Unternehmen und Behörden, jetzt zwei Innovationsscouts als erste Ansprechpartner und Berater zur Seite.

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Karsten Pankratz, Heino Steentoft und Fred Lehmann (von links), die ihr Büro im Hermann-Kobold-Haus im Wissenschaftspark haben, sind die Patent-Experten der Universität Kiel.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Etwa 30 Erfindungsmeldungen im Jahr verzeichnet die CAU, die derzeit mehr als 250 Patente hält. Es sollten mehr werden, findet die Unispitze, die sich neue Leitlinien im Umgang mit geistigem Eigentum verordnet hat. Kiel ist für seine pfiffigen Entdecker bekannt. So entwickelte der Physiker Alexander Behm ab 1913 in Kiel das Echolot, Hermann Anschütz-Kaempfe erfand 1907 den ersten Kreiselkompass. Doch danach passierte lange Zeit wenig. Erst seit Gründung der Patentverwertungsagentur 1996 machten sich die Hochschulen im Land auf den Weg, Forscher und Forscherinnen zu unterstützen, wenn sie eine Entdeckung an den Markt bringen wollten.

Damit keine bahnbrechende Idee in der Schublade bleibt, will die Universität mit ihrer Neuausrichtung alles daran setzen, wissenschaftliche Kompetenzen stärker und schneller als bisher zu verwerten. Dabei habe man vor allem das kreative Potenzial gerade kleinerer und mittlerer Unternehmen im Blick, erläutert die für den Technologietransfer an der CAU verantwortliche Vizepräsidentin Prof. Karin Schwarz. Aber auch Non-Profit-Organisationen sollen von wissenschaftlichen Erkenntnissen profitieren. Von der Idee bis zur Umsetzung brauche es neben guten Kontakten viel Branchenwissen und Fingerspitzengefühl, weiß der Leiter des CAU-Teams Technologietransfer, Dr. Heino Steentoft. Eigenschaften, die er den beiden Innovationsscouts Dr. Fred Lehmann und Dr. Karsten Pankratz bescheinigt.

Viele Patente sind gut fürs Renommee

Beide Männer haben nach eigenen Angaben bereits viel Erfahrung gesammelt in der Vermittlung zwischen Wirtschaft und Wissenschaft: Pankratz (56) arbeitet seit 20 Jahren im Bereich Technologietransfer vor allem bei Unternehmen, war dann 13 Jahre Innovationsberater, arbeitete mit CAU-Biologen an einer industriellen Produktion von Mikroalgen. Ein neues Partnerprojekt mit acht CAU-Lehrstühlen befasst sich mit autonomen Fahren in Nordfriesland. Gelernt hat Pankratz Maschinenschlosserei, bis er Geologie studierte, über Umwelttechnik promovierte und dann ein Ingenieurbüro leitete. Auch sein Kollege kann auf eine ähnlich vielseitige Laufbahn zurückblicken. Nach der Dachdeckerlehre studierte Lehmann (54) in Hannover Biologie, um später an der Zahnklinik zu promovieren. Schon früh faszinierte ihn das Patentrecht Von der Patentoffensive Niedersachsens bis hin zur Leitung einer Abteilung in einer Verwertungsagentur – Lehmann sammelte so viel Wissen, dass er eine Patentfibel schrieb, die laut Steentoft immer noch zu den Standardwerken zählt. Mittlerweile arbeitet die CAU mit zehn internationalen und nationalen Patentverwertungsagenturen zusammen. Man ziehe dabei eine klare Trennung zwischen wirtschaftlichen und nicht-wirtschaftlichen Aktivitäten, betont Steentoft. Das EU-Beihilferecht biete mit seinen Beschränkungen einen Schutzmechanismus für die Lehre.

Viele Patente zu haben, sind gut fürs Renommee. Sie sollen nicht nur nach außen in der Wirtschaft und bei Organisationen für die Universität werben, sondern auch nach innen: „Wir wollen Talente in der Region halten,“ bringt es Uni-Sprecher Boris Pawlowski auf den Punkt. Die bisher erfolgreichste Entdeckung, die der Uni einen sechsstelligen Betrag einbrachte, kam aus der Pharmazie und führte zu einem neuem Medikament. Eine weitere Arznei gegen Malaria könnte in Kooperation mit Kopenhagen entstehen. Bisher liegt die CAU im Mittelfeld mit etwa 1,2 Millionen Euro Verwertungseinnahmen seit 2005. Als Vorreiterin sieht sie sich bei der Vernetzung elektronischer Datenbanken über auch ältere Patente, Verträge, Innovationen und Ideen. Da auch der Bund die neue Rolle der Hochschulen fördern will, fühlt die Kieler Universität für ihren Kurs, stärker mit der Industrie zusammenzuarbeiten, Rückenwind. Vom 24. bis 28. April präsentiert sie ihre Patente für wirtschaftsnahe Projekte auf der Hannover-Messe.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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