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Täter und Opfer halten Händchen

Ins Knie geschossen Täter und Opfer halten Händchen

Anfang des Jahres machte der grausame Racheakt eines eifersüchtigen Ehemannes in Kiel-Gaarden Schlagzeilen: Auf dem Hinterhof einer Moschee soll der 35-Jährige seiner Frau intime Beziehungen zu anderen Männern vorgeworfen haben. Dann holte er eine Pistole aus dem Auto und schoss ihr durch die Knie.

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Vor dem Kieler Landgericht begann am Montag der Prozess gegen einen Mann, der seiner Frau im Verlauf eines Streits in beide Knie geschossen hatte.

Quelle: Carsten Rehder

Kiel / Gaarden. „Jetzt kannst du nicht mehr laufen, jetzt bleibst du zu Hause“, soll der Schütze anschließend gesagt haben, berichtete am Montag eine Zeugin. Doch zum Prozessauftakt vor dem Kieler Landgericht saß die Verletzte (34), die nach Überzeugung des Staatsanwalts für den Rest ihres Lebens verkrüppelt und als Ehebrecherin stigmatisiert werden sollte, nicht wie erwartet als Nebenklägerin dem Täter gegenüber: Als „Beistand“ des Angeklagten nahm sie direkt neben ihm Platz, tätschelte sein Knie und beteuerte ihre Liebe. „Ich habe keine Schmerzen mehr, alles ist wieder ganz normal“, unterstrich sie am Montag ihre angeblich uneingeschränkte Genesung.

Zuvor hatte der Verteidiger des türkischstämmigen Angeklagten mitgeteilt, sein Mandant bereue die Tat unendlich. Niemals habe er gewollt, dass seine Frau dauerhaft geschädigt bleibt. Er habe ihr „nur wehtun und Angst machen“ wollen.

Die 34-Jährige erklärte ihrerseits, sämtliche Scheidungspläne seien vom Tisch. Jede Woche besuche sie ihren Mann in der U-Haft, nehme auch die Kinder mit. Nach ihrer Aussage darf sich die Zeugin neben ihren Mann setzen – eine Demonstration der Versöhnung. „Die Ehefrau ist als sein Beistand zugelassen“, teilt der Vorsitzende Michael Scheck mit. Unter dem Tisch, nicht sichtbar für das Gericht, hält das Paar Händchen.

Das Mitführen der Tatwaffe erklärte der Angeklagte mit angeblichen Ängsten vor einem eifersüchtigen Landsmann. Er selbst sei irgendwann im Jahr 2014 beim Einkaufen mit einer Türkin ins Gespräch gekommen. Ihr Ehemann habe ihn deshalb monatelang mit Telefonanrufen und SMS bedroht. Aus Angst um seine Frau und die Kinder habe er schließlich von einem Russen in einer Kieler Kneipe eine Pistole mit sieben Schuss Munition gekauft.

Das Urteil wird am Dienstag erwartet.

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