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Jetzt geht es um Integrationsarbeit

Flüchtlingsunterkunft Schusterkrug Jetzt geht es um Integrationsarbeit

Insgesamt sind in Kiel derzeit rund 4600 Flüchtlinge in den verschiedenen Einrichtungen untergebracht – knapp 1000 davon am Schusterkrug. Weil die Situation sich deutlich entspannt hat, ist dort jetzt endlich Zeit für Integrationsarbeit.

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In der Unterkunft in Holtenau wurde am Mittwoch das Ende des Ramadans mit dem Zuckerfest gefeiert.

Quelle: Sonja Paar

Kiel. In der Gemeinschaftsunterkunft Schusterkrug „findet inzwischen das pralle Leben statt“, sagt Arne Leisner, Abteilungsleiter vom Amt für Wohnen und Grundsicherung der Stadt Kiel. Gemeint ist: Während zum Jahreswechsel nur die Grundbedürfnisse der dort untergebrachten Flüchtlinge gesichert werden konnten, ist jetzt Zeit für Integrationsarbeit. Auf der Sitzung des Ortsbeirates Holtenau am Dienstagabend zogen Arne Leisner und Birgit Stöcken, Leiterin der Gemeinschaftsunterkunft Schusterkrug, zur Einrichtung Bilanz und wagten einen Ausblick in die Zukunft.

 In den letzten drei Monaten habe sich die Flüchtlingssituation deutlich entspannt, so Leisner. Die Gebäude im Norden seien inzwischen mit Küchen, sanitären Anlagen und Heizung vernünftig hergerichtet, auch wenn sie noch ein bisschen Jugendherbergs-Charakter hätten. Dort können derzeit 1300 Flüchtlinge unterkommen. Leerstände – also Platz für weitere Flüchtlinge – gibt es zudem im Süden Richtung Holtenau. „Der Ausbau weiterer Gebäude ist dort aber derzeit gestoppt. „Die Zugangszahlen geben das nicht her. Wir befinden uns im vorsichtigen Abwarten“, so Leisner. Derzeit seien so viele Flüchtlinge übers Mittelmeer unterwegs wie noch nie. Zudem würden die Zahlen erfahrungsgemäß im Herbst wieder steigen.

 Nicht von dem Ausbaustopp betroffen ist das Haus 45, das mittendrin liegt. Dies wird zurzeit behindertengerecht hergerichtet, sodass dort 25 Kriegsverletzte untergebracht werden können. Geplant ist auch, einen reinen Frauentrakt einzurichten. Denn leider sei es innerhalb der Unterkunft schon zu häuslicher Gewalt gekommen, so Stöcken. Grund dafür seien die verschiedenen Frauenbilder in den einzelnen Herkunftsländern der Flüchtlinge. Im näheren Umfeld habe es dagegen keine nennenswerten Probleme gegeben. Der gestrige Brand in einer der Küchen, bei dem die Berufsfeuerwehr und die Freiwillige Feuerwehr Schilksee alarmiert wurden, sei auf eine angelassenen Herd zurückzuführen.

 So hat sich auch für Birgit Stöcken die Lage sichtlich entspannt. Anfang des Jahres war die Situation noch dramatisch – die Zahl von 1000 Flüchtlingen überschritten und weniger ausgebaute Gebäude. „Im Dezember hatten wir an einem Tag mal 98 Aufnahmen – ein Höllenritt.“ Nun ist das Team froh, dass der Druck nachgelassen hat. Doch durchatmen kann es dennoch nicht. Jetzt geht es darum, Integrationsarbeit zu leisten. Neben der Suche nach Arbeitsplätzen müsse man auch ein Nachhilfesystem für die Kinder und Jugendlichen entwickeln.

 Neben Projekten, wie die Hubschrauberhalle umzugestalten oder eine Hauszeitung herauszubringen, liegt Birgit Stöcken vor allem eines besonders am Herzen: das Patenschaften-Programm. Hier können Kieler Patenschaften für Flüchtlingsfamilien übernehmen, um diese zu unterstützen, sich in der neuen Heimat besser zurechtzufinden. Ein erstes gegenseitiges Beschnuppern gehört natürlich dazu.

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