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Wo das Gefühl für Organe entstehen kann

Internationaler Museumstag in Kiel Wo das Gefühl für Organe entstehen kann

Zum Internationalen Museumstag in Kiel lockten die Zoologische und die medizinhistorische Sammlung mit Spezialprogrammen. Viele Besucher nahmen das Angebot am Sonntag wahr.

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Führung durch die am Sonntag wieder eröffnete Pathologieausstellung der Medizin- und Pharmaziehistorischen Sammlung.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Lene guckt konzentriert durch das Mikroskop, ein heller Sandstein liegt unter dem Objektiv. „Das ist aber schön weiß“, sagt die Vierjährige. Dann klettert sie schnell vom Stuhl, um durch das nächste Mikroskop zu schauen. Zahllose unterschiedliche Steine vom Ostseestrand konnten Kinder im Rahmen des 39. Internationalen Museumstags am Sonntag im Zoologischen Museum betrachten. „Wir wollen den Kinder zeigen, wie faszinierend Steine sein können, wenn man sie vergrößert sieht. Dass man beim Sandstein beispielsweise die einzelnen Sandkörner noch erkennen kann“, erklärt Sarah Hayer, Mitarbeiterin des Zoologischen Museums.

Neben der Mitmachaktion für Kinder bot das Zoologische Museum auch Vorträge rund um die Gesteine in der Ostsee an. Die Frage nach der Tradition der typisch norddeutschen Backsteinhäuser wurde genauso thematisiert wie die Bedeutung des Bernsteins. Außerdem zeigte der Autor Frank Rudolf, an welchen Steinen die Folgen der Eiszeit in Schleswig-Holstein zu erkennen sind.

Schon jetzt kleine Experten im Museum

Lene und ihr Bruder Theo laufen im Museum aber am liebsten durch die Zoologische Sammlung und bleiben immer wieder begeistert stehen. „Mir gefällt der Riesenkalmar am besten. Und der Pottwal und die Klapperschlange“, sagt der siebenjährig Theo. So richtig kann er sich nicht entscheiden, zu viele der Ausstellungsstücke faszinieren ihn. „Den Pinguinfilm finde ich auch gut.“ Seiner Schwester Lene geht es ähnlich. Gebannt steht sie vor einem Mondfisch. „Ich finde den am besten“, sagt sie. So einen hat sie sogar schon mal lebend gesehen. „Das war in Dänemark in einem Aquarium. Da war der aber noch viel größer.“ Die beiden sind richtige Experten des Zoologischen Museums. „Wir kommen bestimmt zwei- bis dreimal im Jahr hierher“, erzählt ihre Mutter Denise Knoop. Jedes Mal wieder seien die beiden beeindruckt, nicht nur von der exotischen sondern auch der heimischen Tierwelt. Zum Besuch anlässlich des Museumstags haben sich die drei eher spontan entschieden. „Wir waren vorher noch bei einem Fußballspiel und waren deshalb sowieso schon unterwegs.“ Ob sie noch in andere Museen am Meer gehen, wissen sie noch nicht. „Vielleicht bleibt es heute bei einem.“

 In der Medizin- und Pharmaziehistorischen Sammlung direkt nebenan macht sich Dr. Eva Jüttner bereit für ihre erste Führung durch die Pathologische Sammlung. Die Oberärztin am Pathologischen Institut des UKSH hat die Präparate für die Dauerausstellung mit ausgesucht, eine Führung ist anlässlich des Museumstags Premiere. Rund zehn Besucher drängen sich wenig später um die Feuchtpräparate und hören interessiert zu, was die 43-Jährige zu erzählen hat. „Eine solche Verformung ist die Folge einer Rachitis aufgrund von Vitamin-D-Mangel“, erklärt die Ärztin und zeigt auf einen gebogenen Schienenbeinknochen. Viele der Feuchtpräparate sind mehr als hundert Jahre alt. „Wir haben heute andere Möglichkeiten, um Wissen zu vermitteln.“ Anderseits sei es aber immer noch wichtig, Studenten auch ein Gefühl für die Organe zu geben. „Eine Lunge knistert beispielsweise, wenn man sie drückt, wegen der Luft in den Lungenflügeln“, erzählt Jüttner. Bei einer Tuberkulose sei hingegen kein Knistern mehr zu hören, sagt die Pathologin und zeigt auf ein Präparat.

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Ein Artikel von
Anne-Kathrin Steinmetz
Lokalredaktion Kiel/SH

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Mit interaktiver Karte
Foto: Kleine Besucher können bei der Kinderbetreuung in der Medizin- und Pharmaziehistorischen Sammlung Experimente zum räumlichen Sehen machen und erleben, wie Apotheker arbeiten.

Am Sonntag ist 39. Internationaler Museumstag. In der interaktiven Karte im Text sehen Sie, welche Museen aus der Region teilnehmen. Auch die Museen am Meer haben ein Paket mit bunten Aktionen und Angeboten der Kieler Museen geschnürt.

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