21 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Internetaktivitäten sorgen für konträre Reaktionen

Pfarrei Franz von Assisi Internetaktivitäten sorgen für konträre Reaktionen

Heftige und kontroverse Diskussionen hat die Berichterstattung über Internetbeiträge eines katholischen Pastors der Pfarrei Franz von Assisi ausgelöst. Der 43-jährige Seelsorger soll rechtspopulistische Inhalte im Internet geteilt haben – unter anderem von der umstrittenen Zeitschrift „Junge Freiheit“ und der Plattform „kath.net“.

Voriger Artikel
Kiels klügste Köpfe zum Uni-Geburtstag
Nächster Artikel
Katzheide ist gerettet

Diese umstrittenen Beiträge hat ein katholischer Pastor aus Kiel auf Facebook geteilt.

Quelle: KN Repro

Kiel. Leser Prof. Hubert Speidel sieht ein Beispiel dafür, „wie sehr die politische Meinungsfreiheit in Deutschland eingeengt ist“. Der beschuldigte Pastor habe in seinen Augen „sehr diskussionswürdige Meinungen“ vertreten. Dass der Kieler Propst Leo Sunderdiek den Kieler Nachrichten sagte, „solche rechtsfreundlichen Tendenzen gehen nicht“, veranlasst den Leserbriefschreiber zu der Meinung, die Kirchen würden „furchtsam und kritiklos dem politischen Mainstream folgen“.

Prof. Birgit Aschmann, mehrere Jahre Pfarrgemeinderatsvorsitzende in Kiel und Mitglied des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken, erstaunen solche Aussagen nicht: Grundsätzlich nehme sie ihre Kirche als sehr bunt wahr – mit einer Meinungsvielfalt von einem linken bis hin zum traditionellen und sehr konservativen Lager. „Aber eine Grenze ist in diesem Fall erreicht, da es um rechtsextremistische Positionen geht, die mit einem Aufruf zu Hass und Ausgrenzung einhergehen. Und um ausländerfeindliche Parolen.“ Dies sei mit dem Kern des Christentums, mit Nächstenliebe, nicht verträglich. Der aktuelle Fall sei überdies problematisch, da der Pfarrer ein Amt innehabe, in dem es Pflicht sei, im Namen Jesu zu sprechen: „Von der Kanzel aus kann man nicht zu einem Diskurs einladen.“ Dieser Pastor habe eine Vorbildfunktion für die Jüngeren, und es sei nicht wünschenswert, „dass unsere Kinder entgegen demokratischer Werte sozialisiert werden“. Sie hoffe daher, dass dem Pastor die Zuständigkeit für Kinder und Jugendliche entzogen werde.

 irgit Aschmann, die inzwischen als Professorin für Europäische Geschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin lehrt, sieht den Kieler Fall allgemein nicht als Einzelphänomen, sondern beobachtet zunehmende Radikalisierungstendenzen am rechten Rand der katholischen Kirche. Bestätigt sieht sie sich durch eine Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung. In diesem Fall sei es aber besonders schwierig, die Ansichten von der Person zu trennen: „Denn der Pastor ist ausgesprochen freundlich, ein heiterer Charakter und sehr entgegenkommend. Er hat durch seine Art viele Sympathien gewonnen.“

„Ich bin so wütend und betroffen“, so beginnt entsprechend der Leserbrief von Eike Trede (33), Mutter aus der Gemeinde. Sie sieht den Pastor zu Unrecht in der Kritik: „Ich habe die meisten der beanstandeten Predigten gehört und bin dem Pfarrer dankbar für seine klaren Worte.“ Einen Pastor anzuprangern, schreibt sie, „weil er ehrlich und liebevoll die kirchliche Lehre verkündet, ist einfach niederträchtig“.

Bernd Heinemann, kirchenpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, irritiert das Verhalten des Pastors unabhängig von den politischen Aussagen: „Ein Seelsorger sollte die Befindlichkeiten seines Gegenübers spiegeln und für inneren Frieden sorgen. Hier kommt es zum Gegenteil, zu Ängsten, Unruhe und Dysbalance.“

Erzbischhof Stefan Heße wollte sich auch am Mittwoch zu dem Fall nicht äußern. Sein Sprecher Manfred Nielen betonte aber, dass die Gespräche mit dem Pastor noch ausstünden: „Ein Priester muss Ansprechpartner für alle Menschen sein. Und ist daher gehalten, sich in politischen Fragen zurückzuhalten. Das ist das Thema, über das zu sprechen sein wird.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Kieler Förde

Schiffspositionen in
der Kieler Förde, dem
NOK und der Ostsee.

Anzeige
Mehr zum Artikel
Kommentar

Ein katholischer Jugendpastor stellt zweifelhafte Zeitungsartikel ins Internet, schimpft von der Kanzel, dass nur die „richtige“ Familie gut und dass das Abendmahl nicht für jeden gedacht ist. Da schlagen die Wellen im weltoffenen Schleswig-Holstein hoch. Unser Land ist ein multikulturelles und multireligiöses Land. Und das ist gut so.

mehr
Mehr aus Nachrichten aus Kiel 2/3