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„Möglichst reibungsfreies Miteinander“

Interview mit Götz von Rohr „Möglichst reibungsfreies Miteinander“

Verkehrsgeograf Götz von Rohr spricht im Interview mit KN-online über Möglichkeiten, eine Stadt fahrradfreundlich zu machen und über die Verkehrssituation in Kiel.

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Sie dürfen die Werftstraße benutzen. Aber welcher Radfahrer teilt die Spur gern mit Autos, die 70 km/h und mehr fahren?

Quelle: Frank Peter

Welche Fehler machen die meisten Städte, wenn es darum geht, Fahrradverkehr zu optimieren?

Wenn man das so pauschal beantworten könnte. Es geht um unterschiedliche Punkte, wie den fließenden Fahrradverkehr oder das Abstellen und Parken von Fahrrädern. Am wichtigsten ist es, das Verhältnis der verschiedenen Verkehrsteilnehmer zu organisieren, also Fahrradfahrer vs. Autofahrer oder Radverkehr vs. Fußgänger. Dieses Miteinander soll möglichst reibungsfrei laufen, denn es gibt überall Kreuzungsbereiche. Dann schließlich geht es um das Verhältnis zwischen Fahrradfahrern und Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs, also um Bike-and-Ride-Möglichkeiten bis hin zu Fahrradstationen.

Stehen sich denn die unterschiedlichen Fortbewegungen bei der Planung im Weg?

Nein, im Grundsatz nicht. Aber im konkreten Einzelfall gibt es immer Situationen, in denen es schwierig wird. Wenn der Platz knapp ist, muss man sich entscheiden, wem man den Vorrang gibt. Ich tendiere immer dazu, den nicht grundsätzlich der einen Seite wie den Fahrradfahrern zu geben, sondern vor allem um Hauptverkehrsstraßen herum Paketlösungen zu entwickeln.

Welche Anlagen und Möglichkeiten hat Kiel, um fahrradfreundlich zu sein?

Kiel hat bessere Voraussetzungen als viele andere Städte. Was ursprünglich eine Riesenkatastrophe war, die extreme Kriegszerstörung, hat dazu geführt, dass die Straßen beim Wiederaufbau breiter wurden. Kiel hat viele, gut gestaltbare Straßenquerschnitte. Wenn man Kiel aber mit einer im internationalen Maßstab extrem fahrradfreundlichen Stadt mit vielen kreativen Lösungen wie Amsterdam vergleicht, dann hat diese Stadt noch eine Menge Luft nach oben. Die Amsterdamer haben teilweise auf engstem Raum unterschiedliche individuelle Lösungen. Schema F gibt es dort in der Fahrradförderung nicht, in Kiel aber im Grundsatz auch nicht.

Der aktuelle Trend in der Stadtplanung ist also die Individualisierung – für einzelne Situationen, aber auch für die unterschiedlichen Verkehrsteilnehmer?

Genau. Der klassische Fall ist die Holtenauer Straße, wo parallel die Hansastraße und auf der anderen Seite die Gerhardstraße als Fahrradstraße dienen. Wenn man auf einer Hauptverkehrsstraße den Bussen und dem motorisierten Individualverkehr den Vorrang gibt, dann muss man für die Fahrradfahrer in den Parallelstraßen etwas tun.

Ist denn in den letzten Jahren in der Stadtplanungsforschung so etwas wie ein Quantensprung passiert, seit Fahrradfahren so modisch geworden ist?

Es geht weniger um eine Mode als darum, dass wir gerade in den Städten einen wachsenden Anteil der Bevölkerung haben, bei dem es finanziell eng ist und von Jahr zu Jahr enger wird. Immer mehr müssen also Fahrrad fahren und den öffentlichen Nahverkehr nutzen. Kiel ist auf beiden Feldern im Städtevergleich gut, darf sich aber nicht ausruhen.

Wie erklären Sie sich dann, dass das Fahrrad im Modal Split in Kiel jüngst eingebüßt hat und der Fahrradklimatest unzufriedenere Radfahrer zeigt?

Die Ansprüche an das, was als fahrradfreundlich gilt, wachsen auch. Das kann dahinter stecken, wenn nach Zufriedenheit gefragt wird. An Rückwirkungen auf die tatsächliche Nutzung glaube ich weniger.

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