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Israel stört Abu Dhabi Mar Kiel

German Naval Yards Israel stört Abu Dhabi Mar Kiel

Die Werft Abu Dhabi Mar Kiel hat wieder einen neuen Namen: Das Unternehmen firmiert seit Ende März unter German Naval Yards. Offiziell wird die Konzentration auf den Marineschiffbau als Grund für die überraschende Umbenennung angeführt.

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Wird umgetauft: die Werft Abu Dhabi Mar Kiel.

Quelle: Frank Behling

Kiel. Der neue Name spielt jedoch auch eine wichtige Rolle bei den laufenden Verhandlungen über den Milliarden-Auftrag zum Bau von vier Korvetten für die israelische Marine – nach Informationen der Kieler Nachrichten stören sich die Israelis an der arabischen Werftbezeichnung.

Nach nur vier Jahren ist Abu Dhabi Mar Kiel (ADMK) schon wieder Geschichte: Der neue Name German Naval Yards GmbH steht für den Wandel von der Handelsschiffswerft zur Marinewerft. 2011 war der zivile Teil von HDW (HDW Gaarden) von der Privinvest Holding (Sitz in Beirut und Abu Dhabi) unter Führung des libanesischen Haupteigners Iskandar Safa übernommen worden. Handelsschiffe und Offshore-Plattformen werden jedoch kaum noch nachgefragt, während der Marineschiffbau boomt. Das weltweite Interesse an U-Booten, Patrouillenbooten und Korvetten aus Deutschland ist größer als jemals zuvor. Nach Saudi-Arabien, Algerien und Südafrika will nun auch Israel Korvetten aus deutscher Produktion erwerben. Dem Vernehmen nach sollen vier Schiffe mit einem Gesamtpreis von mehr als einer Milliarde Euro an der Förde gebaut werden. Anfang vergangener Woche haben israelische Militärs in einem Bericht der israelischen Zeitung „Haaretz“ eine unmittelbar bevorstehende Auftragsvergabe angekündigt.

Israel verhandelt schon seit Monaten mit der Kieler ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS), die den Auftrag als Generalunternehmer abwickeln soll. Die Fertigung der Schiffsrümpfe soll die bisherige ADMK-Werft mit ihren 250 Mitarbeitern übernehmen. Der Bau der Korvetten würde die Auslastung der German Naval Yards in Kiel langfristig sichern. Ein ähnliches Projekt wickelt die Kieler Werft gerade für die Marine Algeriens ab. Die politischen Weichen für das Israel-Geschäft waren im Dezember gestellt worden. Die Bundesregierung hatte kurz vor Weihnachten signalisiert, den Bau der Korvetten mit bis zu 300 Millionen Euro zu unterstützen.

Für die algerischen Auftraggeber war der arabische Name offenbar kein Problem, für die Israelis schon. Sie wollten die Schiffe aus deutscher Produktion, wünschten sich aber einen neutralen Namen der Herstellerwerft, hieß es vergangene Woche auf der ADMK-Betriebsversammlung. Umgekehrt gibt es auch in der arabischen Welt Vorbehalte gegen ein israelisches Kriegsschiff mit arabischem Typenschild. Als Königsweg gilt der neue Name.

Zur German Naval Yards Holding gehören außerdem die ehemalige Kieler Lindenau-Werft (rund 50 Arbeitsplätze) und Nobiskrug (650 Arbeitsplätze) in Rendsburg.

HDW: Der nächste Neuanfang

Der große Portalkran in Kiel-Gaarden wird im Herbst 40 Jahre alt. Seit 1975 gehören die drei Buchstaben HDW fest zum Kran – und zum Kieler Stadtbild. Das wird sich bald ändern. Grund ist eine erneute Änderung des Werftnamens. Der 900-Tonnen-Kran gehört jetzt als wichtigstes Arbeitsgerät zur German Naval Yards Kiel GmbH.

Die Geschichte ist lang, die Firmen-Struktur verwirrend komplex: Im Zuge der Umorganisation der Werftengruppe Privinvest Holding wurde die German Naval Yards Kiel GmbH als Marinebereich der German Naval Yards Holding GmbH gegründet, die ihren Sitz in Rendsburg hat. Mit dieser Neuordnung richtet sich der Werftstandort Kiel neu aus. Grund ist die angespannte Lage im zivilen Schiffbau. Der Bau von Offshore-Plattformen, Spezialschiffen und Megajachten ist für die Werft nicht mehr auskömmlich. Erst 2011 war das Unternehmen aus der ThyssenKrupp-Gruppe herausgelöst und als Abu Dhabi Mar Kiel GmbH, kurz ADMK, neu aufgestellt worden. Plattformen für die Offshore-Windparks werden inzwischen in China gebaut, und die russischen Oligarchen sind angesichts von Ukraine-Krise und Rubel-Verfall bei der Bestellung von Luxusjachten auch zurückhaltender geworden. Nur der Bau von Kriegsschiffen hat weiter Konjunktur. Die Nachfrage nach Fregatten, Patrouillenbooten oder Versorgern ist groß, ihr Export gilt heute als Hoffnungsträger. Selbst der sonst so kritische Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte jüngst gegen die Lieferung von U-Booten auch nach Israel, Ägypten oder Kolumbien keine Bedenken.

Durch den neuen Namen würden die Tätigkeiten des Unternehmens im Marineschiffbau betont, teilte Werftchefin Susanne Wiegand mit. Ein arabischer Name ist aber in diesem Markt nicht überall ein Türöffner. Schon gar nicht in Israel, das gern Korvetten aus Deutschland kaufen möchte.

Auch deshalb verschwindet das erst 2011 neu entworfene ADMK-Logo jetzt wieder. Offiziell bestätigen will dies allerdings niemand. Der Fokus des Werftenverbundes German Naval Yards Holding liege auf dem Bau und der Konstruktion von Marineschiffen mit dem Schwerpunkt Hochseepatrouillenfahrzeuge (OPV), Korvetten und Fregatten, heißt es in einer Mitteilung. „Zunächst ist dieser Schritt natürlich eine Stärkung für den Schiffbaustandort. Im Moment läuft es im Marineschiffbau eben sehr gut“, sagt Peter Seeger, Bevollmächtigter der IG Metall Kiel-Neumünster. Der Gewerkschafter sieht durch die einseitige Ausrichtung auf den Marinebereich aber auch Gefahren. „Wenn der Marineschiffbau irgendwann nicht mehr läuft, drohen hier große Probleme.“

Das zivile Geschäft bleibt deshalb erhalten und soll unter der Marke Nobiskrug vereint werden. Dazu gehört neben der Abwicklung der laufenden Neubauaufträge aus dem Offshore- und Jachtbereich auch die Reparatur von Schleusentoren des Nord-Ostsee-Kanals. German Naval Yards Holding wird insgesamt rund 1000 Mitarbeiter beschäftigen. Bei German Naval Yards Kiel sind rund 250 Mitarbeiter beschäftigt.

Und wie geht es mit dem großen Portalkran weiter? „Wir werden auch das Erscheinungsbild ändern“, bestätigte eine Sprecherin der Werft. Wann und wie das geschehen soll, stehe bislang noch nicht fest. Sicher sei nur, dass alle Symbole und Buchstaben der Werft Abu Dhabi Mar Kiel verschwinden werden. Das gilt auch für die Beschriftung ThyssenKrupp, die erst 2007 auf Wunsch von ThyssenKrupp-Patriarch Berthold Beitz angebracht worden war. Die Buchstaben HDW werden aber auf jeden Fall am Werkstor an der Werftstraße stehen bleiben.

Howaldt gehört seit 177 Jahren zu Kiel

1838 gründeten der Techniker August Ferdinand Howaldt und der Kaufmann Johann Schweffel die Maschinenbauanstalt und Eisengießerei Schweffel & Howaldt – damit gehört der Name Howaldt seit 177 Jahren zur Kieler Hafenlandschaft. 1850 baute die Firma ihr erstes Schiff. Es war der „Brandtaucher“, das erste deutsche U-Boot.

Danach mied die Werft über Jahrzehnte den Marineschiffbau. Erst durch die Aufrüstung der Kaiserlichen Marine kehrten die Howaldtswerke wieder in die Rüstung zurück. Auf den Werft-Helgen wurden Linienschiffe, Kreuzer und später auch U-Boote gebaut. Dennoch behielt der Werftstandort bis heute stets zwei Standbeine. Nach dem Krieg waren es zivile Tanker, die die Werft vor der Demontage durch die Alliierten retteten.

Mit dem Aufbau der Bundeswehr kehrten die Howaldtswerke dann wieder in den U-Bootbau zurück. Marineschiffe und Handelsschiffe ergänzten sich gut. Gab es im Handelsschiffbau eine Krise, half der Marineschiffbau aus. Bei Problemen im U-Bootbau konnte wiederum auf zivile Projekte umgesteuert werden. 1968 schloss sich die Deutsche Werft mit den Kieler Howaldtswerken zusammen.

2005 stieg ThyssenKrupp ein. Es drohte die Verlagerung des Überwasserschiffbaus nach Hamburg und Emden. Demonstrationen und politischer Druck hatten Erfolg: Neben der U-Bootwerft HDW GmbH wurde für den Handelsschiffbau die HDW Gaarden GmbH gegründet. 2011 verabschiedete sich ThyssenKrupp im Zuge der Schifffahrtskrise dennoch aus dem Handelsschiffbau. Während auf den Werften in Hamburg und Emden der Handelsschiffbau eingestellt und Belegschaften abgebaut wurden, erlebte der Standort Kiel sogar einen Aufschwung. Seit 2012 steigt die Zahl der Mitarbeiter in Gaarden. Nur zivile Schiffe werden vorerst nicht mehr gebaut. Die Megajacht „White Pearl“ wird nach derzeitiger Planung im Mai das letzte weiße Schiff sein, das das Baudock Nummer 8 in Gaarden verlässt.

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Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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Die Windenergie sollte die deutschen Werften mit ihren 17000 Mitarbeitern aus der Schifffahrtskrise führen. Offshore-Wohnplattformen, Bauschiffe und Fundamente für die Windparks auf Nord- und Ostsee –Werften in Kiel, Emden, Bremerhaven, Warnemünde und Wismar stellten ihre Produktion um und waren damit auch erfolgreich. Bis 2012, also für eine Zeitspanne von gerade einmal drei Jahren.

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