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Windrad-Pläne stoßen auf Widerstand

Jahresrückblick in Kiel Windrad-Pläne stoßen auf Widerstand

Wohl kaum ein kommunalpolitisches Thema wühlte die Emotionen 2015 so stark auf wie die von hitzigen Diskussionen begleitete Planung des Windparks Flintbek/Meimersdorf. Seit der offiziellen Präsentation im April wird das Verfahren bei von gegenseitigem Misstrauen, Verdächtigungen und Vorwürfen begleitet.

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Mathias Werner, Vorsitzender der Bürgerinitiative: „Das Vorzeigeprojekt der Kieler Energiewende wird begleitet von Täuschungen, Drohungen und Manipulationen.“

Quelle: Sven Janssen

Kiel. Dies spiegeln auch die außergewöhnlich vielen Leserzuschriften, die die Redaktion zu diesem Thema immer noch erreichen.

Die erste Planungen reichen schon bis 2010 zurück. Damals befürwortete der Meimersdorfer Ortsbeirat den interkommunalen Windpark mit fünf Anlagen auf Flintbeker und Meimersdorfer Gebiet – allerdings zu damals noch völlig anderen Bedingungen. Denn die Zustimmung erfolgte aufgrund einer zu dieser Zeit im Raum stehenden Höhe der Windkraftanlagen von maximal 150 Metern. Jetzt beziffern die Stadt und die in der FM Wind GmbH zusammengeschlossenen Investoren die Höhe der Anlagen auf 200 Meter. Folge: Der Ortsbeirat fühlt sich verschaukelt, würde den Beschluss unter den aktuellen Bedingungen so nicht noch einmal fassen.

Initiative schnell nach Präsentation

Im April 2015 kommt es zur ersten offiziellen Präsentation der Planungen inklusive einer Vorstellung der von der Stadt in Auftrag gegebenen Gutachten. Fazit: Im Grundsatz erfüllten die Pläne bei geringfügigen Nachbesserungen die gesetzlichen Anforderungen an den Landschaft- und Umweltschutz sowie zu Grenzwerten bei Lärm und Schattenwurf. Schon eine Woche nach der Präsentation bildet sich die Bürgerinitiative „Windvernunft Kiel“, die ihren erbitterten Widerstand gegen das Projekt mit einem Investitionsvolumen von 30 Millionen Euro ankündigt und sogar eine Klage androht. Gestützt werden die Bedenken der Initiative von den Naturschutzverbänden Nabu und BUND.

Als wichtigste Argumente ihres Widerstands führen die Gegner an: Das Windpark-Areal sei an dieser Stelle, einem 2008 von der Stadt ausgewiesenen, rund 1000 Hektar großen Landschaftsschutzgebiet, „völlig ungeeignet“. Naturschützer gehen von einer „starken Bedrohung“ geschützter Tiere, darunter Fledermaus und Rotmilan, sowie einem „nicht akzeptablen Eingriff in das für die Naherholung so wichtige Landschaftsschutzgebiet“ aus.

Bedrohung durch Infraschall

Die Bürgerinitiative geht es hauptsächlich um eine mögliche Bedrohung der Anwohner insbesondere durch den durch Rotorblätter erzeugten Infraschall unterhalb der Hörbarkeitsgrenze. Hinzu kämen Wertverluste von Grundstücken in Millionenhöhe, eine fehlende Kosten-/Nutzenanalyse sowie die „Landschaftsverschandelung“.

Im Juni droht dem Baudezernenten, Grünen-Mitglied und Projekt-Befürworter Peter Todeskino („...der Windpark ist ein elementar wichtiges Element im Klimaschutzkonzept der Stadt“) zwischenzeitlich eine Dienstaufsichtsbeschwerde. Er hatte in einer privaten E-Mail einen Parteifreund ermuntert, bei Grünen und SPD für einen Besuch der Veranstaltung mit den Gutachter-Präsentationen zu werben, damit sie „nicht nur von Gegnern dominiert“ werde. OB Ulf Kämpfer kritisiert Teile der Mail als „Fehler“ und mahnt seinen Dezernenten zur „strikten Wahrung der Neutralität“. Anfang 2016 soll die Diskussion weitergehen: erst beschäftigt sich der Bauausschuss mit den Plänen, dann die Ratsversammlung.

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Ein Artikel von
Jürgen Küppers
Lokalredaktion Kiel/SH

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Windpark Flintbek/Meimersdorf
Foto: Mathias Werner, Vorsitzender Bürgerinitiative: „Die von uns nicht beabsichtigte, missverständliche Deutung der Formulierung haben wir in Außenwirkung und Bedeutung unterschätzt, was wir ausdrücklich bedauern.“

Die Bürgerinitiative „Windvernunft“ rudert im Streit mit Oberbürgermeister Ulf Kämpfer zurück. Die Formulierung, Bauderzernent Peter Todeskino habe Planungen „an allen relevanten Gremien vorbei“ beim Land angemeldet, zieht die Initiative nun zurück.

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