23 ° / 15 ° Gewitter

Navigation:
Cat ermöglicht Arbeitslosen Neustart

Jobcenter Kiel Cat ermöglicht Arbeitslosen Neustart

Es sind neue millionenschwere Projekte, die Hartz IV-Empfängern in Kiel Hoffnung geben sollen: Nach dem Zuschlag im September, Langzeitarbeitslosen mit 4,1 Millionen Euro aus dem europäischen Sozialfonds (Projekt Viola) in den Arbeitsmarkt zu bringen, geht das Kieler Jobcenter am 1. November mit Cat (Chancen auf Teilhabe) an den Start.

Voriger Artikel
Discounter öffnet noch vor Weihnachten
Nächster Artikel
Mutig im Kampf gegen Malaria

Geschäftsführer Karsten Böhmke, Jobcenter Kiel

Quelle: Sven Janssen

Kiel. Mit 5,1 Millionen Euro fördert der Bund damit 120 sozialversicherungspflichtige Arbeitsstellen. Wie bei Viola (Vermittlungs- und Integrationsoffensive für Langzeitarbeitslose) hat das Kieler Jobcenter in Norddeutschland auch bei diesem Programm wieder den größten Anteil an Land gezogen. In enger Abstimmung mit der Stadt Kiel und der Politik soll Cat als Modellprojekt Menschen helfen, für die ein Neustart mit vielen Hürden und oft mit großer Angst verbunden ist.

 Projektleiter Ralf Flessner und seine Mitstreiter sind nun dabei, geeignete Arbeitgeber zu finden. Außerdem filtern sie unter den 4800 Langzeitarbeitslosen Männer und Frauen ab 35 Jahre diejenigen heraus, die für das Projekt in Frage kommen. Sie müssen seit mindestens vier Jahren staatliche Hilfen beziehen, in dieser Zeit nicht oder nur kurz beschäftigt gewesen sein, gesundheitliche Einschränkungen haben oder in einem Haushalt mit Kindern leben. Eine entscheidende weitere Voraussetzung: Sie müssen auch in das Programm wollen, denn die Teilnahme ist freiwillig.

 Karsten Böhmke, Geschäftsführer des Jobcenters, und Flessner wissen um die vielfältigen Probleme, die sich gerade am Anfang für viele Langzeitarbeitslose auftun. Dass der Tag wieder eine Struktur erhält, Pünktlichkeit, Kontakte zu Kollegen knüpfen – „die ersten Schritte sind schwer. Es gibt Menschen, die seit Jahren keine sozialen Kontakte mehr haben. Wir wollen Brücken schlagen,“ sagt Böhmke.

 Um diese soziale Teilhabe zu erreichen, setzen die sechs Kieler Jobcenter auf ein ganzheitliches Konzept: Das Jobcenter unterstützt die Projektteilnehmer bei nötiger Qualifizierung und vermittelt sie in gemeinnützige Arbeit. Die Stadt finanziert unter anderem zwei Betreuungskräfte, die während der dreijährigen Maßnahme als Ansprechpartner „an den Menschen dran“ bleiben. Dranbleiben bedeutet dabei, den Langzeitarbeitslosen Wege zu entsprechenden kommunalen Beratungsstellen etwa bei Verschuldung oder Suchtproblemen zu ebnen, sie zu Behörden zu begleiten, sie zu motivieren, an Sport und Gesundheitsförderung teilzunehmen und sich im Ehrenamt zu engagieren.

 In Verbänden, Organisationen oder Vereinen können die Teilnehmer zeitgleich in einer 30-Stunden-Woche etwa 1100 Euro verdienen. Sollten sie sich das anfangs noch nicht zutrauen, ist ein stufenweiser Einstieg in einer 15-, 20- oder 25-Stunden-Woche möglich. Als erstens sollen 15 von den 120 Arbeitsplätzen im Sport- und Begegnungspark Gaarden entstehen. Wie bei der Bürgerarbeit oder Ein-Euro-Jobs müssen die Stellen zusätzlich und von öffentlichem Interesse sein. Das ehrgeizige Ziel von Cat: Die Menschen zu stabilisieren und damit ihre Chancen zu erhöhen, irgendwann mal wieder einen Job auf dem ersten Arbeitsmarkt zu finden und sich auf Dauer im Ehrenamt zu engagieren. Es wäre ein Leben voller neuer Möglichkeiten der sozialen Teilhabe und frei vom Stigma Arbeitslosigkeit. Das sei entscheidend auch für Mütter und Väter ohne Jobs, so Böhmke: „Denn Kinder brauchen Vorbilder.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Events in Kiel

Veranstaltungen in Kiel
Aktuelle Termine, News, Infos.

Anzeige
Mehr zum Artikel
Kommentar

Für die Stadt Kiel ist es schon lange ein sehr großes Problem: Sie muss Tausende von Menschen unterstützen, weil diese arbeitslos sind oder ohne Aufstockung nicht über die Runden kommen. Dass es dem Jobcenter als gemeinsame Einrichtung der Stadt und der Agentur für Arbeit in diesem Jahr gleich zweimal gelungen ist, den Zuschlag für Hilfsprogramme zu erhalten, ist ein Erfolg, der Langzeitarbeitslosen wieder Hoffnung gibt.

  • Kommentare
Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Nachrichten aus Kiel 2/3