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Ausstellung: Vertraute Töne in der Fremde

Jugendliche Flüchtlinge Ausstellung: Vertraute Töne in der Fremde

Die Stadt ächzt und kracht, quietscht und brummt. Zugleich säuselt, plätschert, singt und tiriliert sie. 18 allesamt ohne Eltern oder andere Erziehungsberechtigte angekommene jugendliche Flüchtlinge haben in der Kunstschule der Förde-Volkshochschule zehn Tage lang am Projekt „Klangbild – Leben in der Fremde“ teilgenommen.

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Unter großem Interesse haben die jungen Flüchtlinge gestern im Kunstcontainer der Stadtgalerie ihre Klangbildinstallation vorgeführt.

Quelle: Martin Geist

Kiel. Geräusche eignen sich gut dafür. Sie haben etwas Universelles, weil ein Auto überall wie ein Auto klingt und Wasser immer einigermaßen ähnlich plätschert. 

Mortaza Rezaie, 16 Jahre jung und in Afghanistan geboren, mochte den Wald am liebsten. Das Rascheln der Blätter, beim Gehen die knirschenden kleinen Zweige unter den Füßen, das gefiel ihm. Vielleicht am besten gefiel Mortaza, der später einmal Programmierer werden will, „dass wir das gemeinsam gemacht haben.“ So ganz selbstverständlich ist das tatsächlich nicht. Aus Afghanistan, Burkina Faso, Pakistan, Somalia und Syrien stammten die 16 männlichen und zwei weiblichen Teilnehmer, die Stimmung war trotz entsprechender kultureller Unterschiede entspannt, geradezu fröhlich. In dem übers Bundesprogramm „Kultur macht stark“ geförderten Talentcampus nach einem Konzept des Deutschen Volkshochschulverbands traten gleichwohl auch Gemeinsamkeiten zutage; nicht zuletzt das allenthalben mühsame Ringen mit der deutschen Sprache. „Ich hab die ganze Zeit Genitiv geübt“, erzählt Hassan Hamichi lächelnd und zugleich ein bisschen leidend dreinblickend. Danach gefragt, wie ihm diese grammatikalische Spezialität gefällt, gibt er zu erkennen, dass er deutsche Kraftausdrücke schon durchaus gut beherrscht.

 Damit es auch in anderen Bereichen besser klappt, hatten die Jugendlichen im Talentcampus jeden Vormittag Sprachunterricht, ehe es am Nachmittag mit Ohren und Augen auf kreative Pirsch ging. Per Audiowalk zeichneten die Jugendlichen Geräusche der Stadt auf, um sie am Computer zu individuellen Tonspuren zu verarbeiten. Außerdem fotografierten sie typisch kielerische Orte wie Förde, Hafen, Schleuse, Parks oder die Innenstadt und überarbeiteten die Bilder durch Blaupausen und Überzeichnungen. Tonspuren und Bilderpanoramen wurden schließlich zu einer begehbaren Klangbild-Installation zusammengeführt.

 „Ihr habt ganz, ganz viel gearbeitet“, lobte Kunstschulleiterin Rotraud Apetz, als die Jugendlichen ihre Ergebnisse gestern im Prima-Kunst-Container im Foyer der Stadtgalerie präsentierten. Die Klangbild-Installation, die von den Künstlerinnen Yasmin Birkandan und Katharina Kierzeck, dem Künstler Robert Hecht und der Fotografin Betti Bogya angeleitet wurde, ist nur noch heute zu sehen und zu hören.

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