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„Wohin mit all dem Segen?“

Jugendliche holen Obst ab „Wohin mit all dem Segen?“

Die Zeit ist reif zur Obsternte. Doch längst nicht jeder Gartenbesitzer kann oder möchte die Früchte pflücken, die jetzt von den Bäumen leuchten. Unter dem Motto „Wohin mit all dem Segen?“ kommt das Team vom „Pausenboot“ in die Gärten und sammelt den Ertrag ein. Die jungen Leute, mit und ohne Behinderungen, machen Kompott oder lassen das Obst zu Saft und Trockenfrüchten verarbeiten.

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Das Team vom „Pausenboot“ rettet Obst vor dem Vergammeln. Hier sammeln Clemens Stegemann, Initiatorin Amei Schulze-Spiekermann, Palle Spiekermann und Jan Gorsulowsky Äpfel ein.

Quelle: Karin Jordt

Kiel. Zuviel Obst am Baum? „Wir schütteln, pflücken, sammeln und verwerten“, verspricht das Team vom „Pausenboot“. Das ist ein rollender Imbiss, der wie eine Kreuzung aus Bauwagen und Kiosk aussieht. Die Snacks und Getränke werden am „Pausenboot“ gegen eine Spende abgegeben. Das grüne Schmuckstück geht in den Sommermonaten einmal pro Woche abends auf dem Seefischmarkt vor Anker, wird zu Stadtteilfesten eingeladen oder kann für private Aktionen gebucht werden.

 Wer sich bei den jungen Leuten ein Fischbrötchen, eine Waffel, Obstsalat oder ein Glas Saft holt, merkt schnell, dass die Uhren hier anders ticken als im gewerblichen Kiosk: Es gibt keine festen Preise. Die Kunden können geben, was sie für angemessen halten. Oft geht es nicht so flott wie bei Profis, wenn Jugendliche mit Behinderungen sorgfältig das Wechselgeld berechnen – und schon haben die Gäste eine kleine Pause vom Alltag. „Wir sind langsamer, jeder hat sein Tempo und sein Päckchen zu tragen“, berichtet Initiatorin Amei Schulze-Spiekermann. Die meisten Gäste hätten Verständnis für Verzögerungen. „Es gibt auch ungeduldige Leute, aber selten“, erzählt Jan Gorsulowsky, der beim „Pausenboot“ hilft. „Ich verkaufe gern“, sagt der 21-Jährige, der schon lange zum Team gehört.

 Das neue Projekt, bei dem Obst vor dem Vergammeln gerettet werden soll, sei besonders für Einsteiger geeignet, meint Amei Schulze-Spiekermann. Dank der Unterstützung durch Bingo-Lotto habe die Gruppe einen kleinen Anhänger zum Obstsammeln anschaffen können. „Wir möchten gern noch mehr Jugendliche einbinden, über das Äpfelsammeln kann man gut ins Team kommen.“

 Am „Pausenboot“ in die Aktivitäten einzusteigen, sei oftmals zu schwierig, hat die Pastorin festgestellt: Manche Jugendlichen hätten Lust mitzumachen, aber sie sagten gleich: „Nee, das mit dem Wechselgeld kann ich nicht.“ Die Pastorin ermutigt dann die beteiligten 15- bis 22-Jährigen, sich durch die Einschränkungen nicht gleich unterkriegen zu lassen.

 Von dem eingenommenen Geld werden gemeinsame Unternehmungen, zum Beispiel Ruderboottouren, gemacht. Über Winter möchte die Gruppe außerdem einen Anhänger bauen, der sich nach zwei Seiten öffnen lässt. Dann könnten sich die Gäste in Zukunft am „Pausenboot“ unter einem Dach – vor Regen und Wind geschützt – hinsetzen. „Meistens kommen fremde Leute zu uns, am Ende des Abends sitzen dann alle zusammen“, berichtet die Initiatorin. „Oft entwickeln sich tolle Gespräche.“

 Der Bauwagen, der renoviert und mit einer großen Seitenöffnung als Ausschank versehen wurde, hat Geschirr an Bord, eine Spüle, einen Kühlschrank und ein Waffeleisen. Der nächste Einsatz ist beim Herbstfest der Raisdorfer Obstquelle Schuster am Sonntag, 8. November, ab 11 Uhr, Rastorfer Mühle 3, geplant. Dann gibt es am „Pausenboot“ auch wieder das beliebte Apfelkompott mit Nüssen, Backobst und Sahne.

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