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Messerstecher zu sechs Jahren Haft verurteilt

Jugendstrafe Messerstecher zu sechs Jahren Haft verurteilt

Wegen gefährlicher Körperverletzung und weiterer Gewalt- und Drogendelikte hat das Kieler Landgericht einen 20-jährigen Messerstecher zu sechs Jahren Jugendstrafe verurteilt.

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Zur Tat kam es im November vergangenen Jahres bei einer Zufallsbegegnung der Kontrahenten vor einer Litfaßsäule im Karlstal im Stadtteil Gaarden.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Die Jugendkammer sah es als erwiesen an, dass der mehrfach vorbestrafte Heranwachsende am 13. November 2015 im Stadtteil Gaarden seinem 28-jährigen Gegner auf offener Straße ein Klappmesser mit einer zwölf Zentimeter langer Klinge in den Bauch gestoßen hatte.

 Zur Tat kam es laut Urteil bei einer Zufallsbegegnung der Kontrahenten vor einer Litfaßsäule im Karlstal. Hintergrund seien vorausgegangene Auseinandersetzungen gewesen. Der im Kern geständige Angeklagte will drei Tage vor dem Messerstich von einem Bruder des späteren Opfers überfallen und beraubt worden sein. Beide Gegner stammen aus polizeibekannten Familien, die der Gaardener Szene zugerechnet werden.

 Der Vorwurf gegen den Heranwachsenden lautete ursprünglich auf versuchten Totschlag. Doch eine Tötungsabsicht war ihm nach siebentägiger Beweisaufnahme nicht nachzuweisen, sagte der Vorsitzende Stefan Becker in der Urteilsbegründung. Der Stich sei nur abstrakt lebensgefährlich gewesen. Da das ungewöhnlich große Klappmesser nur vier Zentimeter tief eindrang, habe der Angeklagte „im Zweifel nicht wuchtig“ zugestochen.

 Notwehr schloss das Gericht nach Vernehmung einer Augenzeugin der Messerattacke aus. Der Angeklagte hatte behauptet, sein polnischer Gegner habe zuerst zum Messer gegriffen. Doch in zahlreichen Gesprächen über den Vorfall – auch gegenüber der Polizei – habe er nie davon gesprochen, selbst angegriffen worden zu sein.

 Jugendrecht wendete die Kammer an, weil der 20-Jährige noch kein Konzept für seine Ausbildung und Lebensgestaltung habe. „Nur raus aus Kiel“ habe der Vater zweier Kleinkinder auf die Frage nach seinen Zukunftsplänen geantwortet. Laut Urteil muss der Hartz IV-Empfänger jetzt 3000 Euro Schmerzensgeld an das Opfer zahlen.

 In das Strafmaß gegen den 20-Jährigen bezog die Jugendkammer mehrere Vorverurteilungen mit ein. Kaugummi kauend und kopfschüttelnd nahm der stämmige junge Mann mit der blonden Kurzhaarfrisur den Richterspruch entgegen. Staatsanwalt Torsten Holleck hatte noch ein Jahr Jugendstrafe mehr, Verteidiger Philipp Marquort Freispruch wegen rechtfertigender Notwehr gefordert. Der Kieler Rechtsanwalt legte umgehend Revision gegen das Urteil ein.

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