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Junge Flüchtlinge Sie brauchen ganz spezielle Hilfe

Eigentlich sollte auf Hof Hammer an einem inklusiven Wohnprojekt gearbeitet werden. Doch in den ehemaligen Internatsgebäuden leben zurzeit 50 jugendliche Flüchtlinge, die sich ohne Angehörige durch die Wirren von Krieg und Flucht bis nach Kiel schlugen. Junge unbegleitete Flüchtlinge stellen die Stadt vor massive Probleme.

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Vielen jungen Flüchtlingen gelingt das Abschalten von ihren Fluchterlebnissen nur mühsam. Trotzdem finden die Jugendlichen auf Hof Hammer wieder ein Stück Ruhe und Sicherheit.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Und deren Zahl steigt fast täglich: Lebten im vergangenen Jahr 55 solcher unbegleiteten Flüchtlinge in Kiel, werden es 2015 mehr als 300 sein.

 Hof Hammer fungiert in diesen Tagen als eine Art Erstaufnahmeeinrichtung für die meist männlichen Flüchtlinge im Alter zwischen 15 und 17 Jahren. Das heißt: Sie sollen in der Regel etwa sechs Wochen bleiben, bevor sie in Wohngruppen, Heimen oder normalen Wohnungen untergebracht werden. Doch dafür reichen die Kapazitäten nicht – weder beim Wohnraum noch beim pädagogischen Personal. „Beides ist gerade extrem knapp, da müssen wir oft improvisieren“, erklärt Bildungsdezernentin Renate Treutel.

 In der Folge bedeutet dies: Viele der Jugendlichen werden länger als sechs Wochen auf Hof Hammer bleiben müssen, bis sich geeignete Unterkünfte finden. Dabei setzt die Stadt ihre Hoffnungen auf Kooperationen mit freien Trägern oder Wohnungsanmietungen. Pflegefamilien sind nach Einschätzung von Jugendamt-Abteilungsleiter Jochen Schepp weniger geeignet: „Erstens haben wir damit keine so guten Erfahrungen gemacht, zudem eignen sich Pflegefamilien für Jugendliche in diesem Alter in der Regel nicht.“

 Auch beim Personal ist der Engpass extrem. Mehr als 80 pädagogische Fachkräfte benötigt die Stadt. „Doch der Markt dafür ist leergefegt“, betont die Dezernentin. In der Folge kämen vorwiegend junge Mitarbeiter direkt nach ihrer Ausbildung zum Einsatz: „Ihnen fehlt aber meist die Erfahrung, um mit Jugendlichen zu arbeiten, die Traumata aufgrund extremer Gewalt oder Verlust ihrer Angehörigen verkraften müssen.“

 Nach ersten Schätzungen wird rund die Hälfte der mindestens 300 jungen unbegleiteten Flüchtlinge längere Zeit in Kiel bleiben. Die anderen reisen in der Regel weiter, wenn sie sich eine Weile von den Fluchtstrapazen erholt haben. Wann, bleibt oft unklar. Denn längst nicht alle melden sich ab. „Manchmal kommen sie einfach nicht mehr zu uns zurück und bleiben verschwunden“, berichtet die Wohngruppenleiterin auf Hof Hammer, Corsi Peters.

 So bemühen sich die 18 Mitarbeiter auf dem Hof, den Jugendlichen zumindest etwas Normalität und Struktur zurückzugeben: morgens ein paar Stunden Deutschunterricht in Regelschulen, nachmittags Sport oder Spielangebote. Dafür sucht die Stadt noch ehrenamtliche Helfer. Infos dazu: Tel. 0431/901-3620.

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Ein Artikel von
Jürgen Küppers
Lokalredaktion Kiel/SH

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