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Eine Box gegen das Desinteresse

Jungwähler Eine Box gegen das Desinteresse

50 Boxen sind es insgesamt, die Lust auf Politik machen sollen. Auf Initiative des 16-jährigen Niklas Becker haben Mitglieder des Jungen Rats Kiel und der Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein ein Konzept zur politischen Bildung junger Menschen entwickelt.

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„Ich wähl’ mir die Welt“ – wie sie mir gefällt? Tilman Bretschneider (links) von der Heinrich-Böll-Stiftung und Niklas Becker vom Jungen Rat der Stadt Kiel präsentieren ihre Demokratie-Mappe mit Übungsmaterialien. Lehrer sollen die Demokratie-Box im Unterricht nutzen, Schüler sollen Lust auf politische Bildung bekommen.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. Die Box „Ich wähl’ mir die Welt“ beinhaltet Übungen und Materialien, die Schüler weiterführender Schulen für politische Themen und gesellschaftliche Debatten gewinnen sollen.

 „Ich habe mich gefragt: Was kann man machen, um bei Jugendlichen Interesse für Politik zu wecken? Schließlich stehen zwei Wahlen an“, erzählt Niklas Becker, der auch Mitglied im Jungen Rat der Stadt ist. „Mir war schnell klar, dass ich alleine nicht viel anrichten kann, ich bin ja noch Schüler.“ Einen Bruder im Geiste fand er in Tilman Bretschneider. Der 18-Jährige macht sein Freiwilliges Ökologisches Jahr bei der Heinrich-Böll-Stiftung. „Wir fanden die Idee super und wollten mit ins Boot“, so Bretschneider. Schnell stand für sie fest: Sie wollen etwas mit Schulen machen. „Und wir wissen ja, dass die Schulen in Kiel mit Lehrern nicht unbedingt überbesetzt sind. Unser Projekt sollte Lehrer also einbinden, aber auch entlasten“, erzählt Becker.

 Also erstellten die beiden gemeinsam mit Laura Bertram, Sebastian Thiede, Helen Ruck und Yonca Akbay eine Themenbox, die Informationen für die Schüler auf der einen, Unterrichtsmaterial für Lehrer auf der anderen Seite liefert. „In der Box finden Schüler alles, was rund um Land- und Bundestagswahl wichtig ist“, so Becker. Unterteilt ist der Inhalt in drei Blöcke. In Block A geht es um Wahlen und die Frage, warum Demokratie nicht nur Berlin, sondern auch vor der Haustür stattfindet. Block B befasst sich mit den Parteien und ihren Programmen. Block C beleuchtet die Herausforderungen und Gefahren für die Demokratie. Thematisiert werden hier etwa Populismus, Fake-News und soziale Netzwerke.

 Hilfe didaktischer und fachlicher Art bekam die sechsköpfige Gruppe von Johann Knigge-Blietschau, Landesfachberater für Weltkunde am Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH) und Lehrer an der Peter-Ustinov-Schule. „Unsere Idealvorstellung ist, dass diese Box an jeder weiterführenden Schule in Kiel im Lehrerzimmer steht, und sie jeder Lehrer bei Bedarf oder Neugier mit in den Unterricht nimmt – und das muss nicht immer unbedingt der Politik-Unterricht sein“, sagt Becker. „Es wäre toll, wenn Schüler dadurch Interesse an Politik oder sogar an politischem Engagement bekommen.“ Wie politisch die Jugend wirklich ist, dürfe man aber nicht nur an ihrer Wahlbeteiligung am 7. Mai messen: „Ich glaube nicht, dass für die meisten Jugendlichen Wahlen das zentrale demokratische Element sind. Einige artikulieren sich zum Beispiel eher durch die Teilnahme an einer Demonstration“, so Becker. „Und Nicht-Wählen kann auch bedeuten, dass die Parteien für Jugendliche keine attraktive Politik betreiben“, ergänzt Bretschneider.

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Ein Artikel von
Alev Doğan
Lokalredaktion Kiel/SH

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