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Ulf Kämpfer hofft auf zweite Amtszeit

KN-Interview Ulf Kämpfer hofft auf zweite Amtszeit

Zwei Jahre ist Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) im Amt. Die Freude im Job sei gewachsen, zumal viele Sachen in Bewegung gekommen seien, zieht der Jurist zufrieden Bilanz und hofft auf eine zweite Amtszeit.

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Interview mit Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) in seinem Amtszimmer

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Bis zur zweiten Amtszeit, die Wahl ist erst in vier Jahren, hat der 43-jährige Ulf Kämpfer jede Menge Baustellen - wie die Unterbringung von Flüchtlingen und den Mangel an günstigem Wohnraum - anzupacken. Mehr dazu in dem Interview:

 Die aus Kieler Sicht gelungene Olympia-Kampagne und die Sicherung des Neubaus des Gaskraftwerks zählen Sie zu den Höhepunkten Ihrer bisherigen Amtszeit. Was ist denn nicht gut gelaufen?

 Ich habe gemerkt, dass man viel Zeit braucht, wenn man neu in der Kommunalpolitik, in der Verwaltung mit 5000 Mitarbeitern und den Netzwerken ist. Es dauert, sich in alle Themen einzuarbeiten, Vertrauensbeziehungen zu knüpfen und eine Gesamtstrategie zu entwickeln. So braucht manches länger, als ich es mir gewünscht hätte. Doch ich habe noch viel vor und gerate daher nicht in Torschlusspanik. Ich hoffe sehr, dass mir die Kieler und Kielerinnen die Chance auf eine zweite Amtszeit geben und ich weitermachen kann. Dann hat man einen Zeitraum von insgesamt zwölf Jahren, der notwendig ist, um große Sachen von Anfang bis Ende begleiten zu können.

 Eine große Sache ist sicher die Bewältigung der Flüchtlingskrise. Wie soll es weitergehen?

 Ich finde, dass die Stadt bisher gute Arbeit geleistet hat. Aber der größte Teil der Arbeit liegt noch vor uns. Wir stellen fest, dass die große Akzeptanz, die wir im vergangenen Jahr erlebt haben, ein knappes Gut ist. Es muss uns aber gelingen, die Stadtgesellschaft beieinander zu halten. Die Verteilung von Flüchtlingskindern auf Schulen und Kitas, die Konkurrenz um Wohnungen – all das lässt Konflikte hochkommen.

 Ein drängendes Problem ist dabei auch, wo Sie in der Stadt Flüchtlinge unterbringen und neuen, günstigen Wohnraum für alle schaffen wollen.. Sie haben sich auf die Fahnen geschrieben, 800 bis 1000 Baugenehmigungen für Wohnungen im Jahr zu erreichen. Gelingt das auch weiterhin?

 Es war zwar eine Herausforderung, diese Zahlen zu verstetigen, aber ich bin zuversichtlich, dass wir das hinbekommen. Noch im Frühjahr wollen wir einen Wohnflächenatlas für Kiel herausgeben und ihn mit allen Akteuren, Selbstverwaltung, Ortsbeiräten diskutieren. Wir drehen alle Steine um: Innenhofbebauung, die Schließung von Baulücken, die Entwicklung im Kieler Süden, auf dem MFG 5-Gelände und der Hörn. Das alles ist nicht konfliktfrei, aber wir werden leidenschaftlich dafür werben und uns der Diskussion stellen. Die Preise für Immobilien sind bereits bis zu 30 Prozent gestiegen, was sich auch bei den Mieten niederschlagen wird. Schon jetzt haben wir eine wachsende Wohnungslosigkeit. Wenn wir nicht massiv gegensteuern und mehr bauen, werden wir nicht nur große soziale Probleme bekommen. Auch die Entwicklungschancen der Stadt werden minimiert.

 Die von der Ratsversammlung beschlossene Mietpreisbremse hat zu Kritik in der Wohnungswirtschaft geführt. Sehen Sie Ihren Masterplan Wohnen, mit dem Sie gegensteuern wollten, in Gefahr?

 Nein. Neubauten sind ja von der Regelung ausgenommen. Natürlich reibt man sich mal und hat unterschiedliche Meinungen. Aber ich halte den Masterplan für intakt und von allen getragen. Auch mit unserem „Kieler Modell“ – hochwertige, aber standardisierte und daher preiswerte Wohnungstypen – wollen wir der Wohnungswirtschaft nicht in den Markt reinpfuschen, sondern nur dort auf Grundstücken bauen, wo sie nicht will. Um das klarzustellen; Wir wollen nicht einfach zurück zu einer kommunalen Wohnungsbaugesellschaft, sondern ein neues Pilotprojekt als städtischer Regiebetrieb mit Unterstützung des Landes anstoßen. Gelingt dies, wäre dies ein Leuchtturm innerhalb des Masterplans.

 Warum aber steuert die Stadt angesichts sinkender Flüchtlingszahlen in Suchsdorf um und will dort nachhaltiger bauen. Warum passiert das nicht in Schilksee, wo ein Container entstehen soll?

 In Schilksee, wo die Planungen und Erschließungsarbeiten schon sehr weit sind, haben wir schließlich einen Parkplatz, wo wir einen Container vorübergehend für 170 Menschen aufstellen wollen. Die Fläche in Suchsdorf eignet sich besser für Wohnungsbau. Wir haben keine Sicherheit, dass keine Flüchtlinge mehr kommen. Auf längere Sicht wollen wir auch die Strategie, Wik und Holtenau immer weiter auszubauen, nicht weiter verfolgen. Noch einmal: „Kieler Modell“ heißt für alle schnell und effizient zu bauen – nicht nur für Flüchtlinge, sondern auch für Menschen mit geringem Einkommen, um den extrem angespannten Wohnungsmarkt zu entspannen.

 Ein weiteres heiß diskutiertes Thema in Kiel sind die Windpark-Pläne in Meimersdorf, die zu Zwist in der rot-grünblauen Kooperation führen. Was sagen Sie als Sozialdemokrat zum von Ihrer Partei beschlossenen Ausstieg?

 Hier habe wir einen Konflikt zwischen den Kooperationsparteien, in dem ich aber nicht der Schiedsrichter bin. Die Landesregierung will bei der Auswahl von Eignungsgebieten für Windräder den Bürgerwillen mit einbeziehen, da ist es nicht verwunderlich, dass die SPD die fehlende Akzeptanz auch zu einem Gradmesser ihrer Entscheidung macht. Ich kann den Frust der Investoren wegen der Hängepartie, angesichts der Dimnesionen des Projekts aber auch manche Bedenken in Meimersdorf nachvollziehen. Am Ende ist mir als Verwaltungschef wichtig, beim Klimaschutz für Kiel nicht weniger ehrgeizig zu werden. Sollte der Ausstieg beschlossen werden, wären stärkere Investitionen der Stadtwerke in Erneuerbare Energien denkbar. Wir würden das sicher hinbekommen. Es ist wichtig, eine fachlich saubere und klimapolitisch glaubwürdige Lösung zu finden, die die Kooperationsparteien wechselseitig akzeptieren und die gut für Kiel ist.

 Als Wirtschaftsdezernent muss Sie ein weiteres in der Kooperation umstrittenes Thema, die Zukunft des Flughafens, umtreiben. Die Grünen können sich dort Wohnbebauung vorstellen. Wann gibt es nach jahrelanger Hängepartie endlich eine Entscheidung?

 Ich bin selbst ungeduldig. Das Gutachten über die regionalwirtschaftliche Bedeutung des Flughafens liegt in wenigen Monaten vor. Ich hoffe, dass dann der gordische Knoten durchschlagen wird und kommunalpolitisch eine Entscheidung fällt. Ich wiederhole mich: Was der Flughafen derzeit leistet, hat sich gut bewährt. Man sollte seine Existenz nicht leichtfertig aufs Spiel setzen.

 Interview: Martina Drexler und Kristian Blasel

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KN-online (Kieler Nachrichten)

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Kommentar

Das nennt man eine klare Ansage. Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer hat noch nicht einmal die Hälfte seiner Amtszeit hinter sich, da denkt er bereits laut über eine zweite nach. Der SPD-Mann, den seine Partei nach dem abrupten Ende der kurzen Gaschke-Zeit überraschend aus dem Hut zauberte, hat ganz offensichtlich Gefallen an seiner Aufgabe gefunden und in der Landeshauptstadt Fuß gefasst.

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