21 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Letzte Rettung Tierheim

KN-Serie Hundeleben Letzte Rettung Tierheim

Auch wenn der Abschied schwer fällt, manchmal müssen sich Halter von ihrem Hund trennen. Gründe gibt es viele: ein Umzug, Familiennachwuchs, gesundheitliche Probleme, Zeitmangel oder eine falsche Erziehung mit fatalen Folgen. Im Kieler Tierheim Uhlenkrog werden pro Jahr 130 bis 140 Hunde aus solchen privaten Gründen abgegeben.

Voriger Artikel
Kiel legt den Wert des Geländes offen
Nächster Artikel
Fahrzeuge in Kiel kontrolliert

Tierpflegerin Lisa Nowak zeigt den sechsjährigen Attila: Der Mischling aus den Rassen Rottweiler, Husky und Belgischer Schäferhund wurde von privat im Kieler Tierheim abgegeben.

Quelle: Karina Dreyer

Kiel. „Hauptgrund ist meistens die unüberlegte Anschaffung. Die Halter werden den Bedürfnissen des Hundes nicht gerecht, oder es mangelt an Erziehung und Zeit“, erklärt Tierheimleiterin Elisabeth Haase. Dabei fängt alles immer so schön an: Der Hund zieht ein, erobert im Nu jedes Herz im Sturm, man versucht, ihm das Leben so schön wie möglich zu gestalten. Doch dann kommen die Probleme. Der Hund zieht zu stark an der Leine, pöbelt andere Hunde an, knurrt, schnappt nach Menschen und übernimmt zu Hause das Kommando.

 „Das haben wir besonders häufig bei kleinen Hunden. Sie dürfen alles, bekommen keine Grenzen aufgesetzt und werden selbst zum Chef des Hauses“, erklärt Haase. Gefällt dem Hund dann etwas nicht, fängt er an, seinen Menschen zu maßregeln. Wenn der die feineren Zeichen vorher nicht erkennt, macht der Hund schließlich mit häufigerem Knurren und Schnappen auf sich aufmerksam. „Erst wenn der Hund das erste Mal einen Menschen verletzt hat, registrieren die Halter, dass etwas schief gelaufen ist“, bedauert sie. Da nur die wenigsten dann zu einem längeren Besuch in der Hundeschule bereit sind, würden die Tiere leider sehr schnell privat über das Internet und ohne Angaben von Hintergründen vermittelt. Kommt der Hund dann wieder in unerfahrene Hände, erlebt er nicht selten eine traurige Odyssee bei verschiedenen Haltern und verliert das Vertrauen zum Menschen.

 Ähnlich ist es auch bei großen Hunden, nur wird bei ihnen schneller reagiert – und leider auch überreagiert. „Die Besitzer trennen sich lieber, als in kompetente Hilfe zu investieren. Grund ist meist, dass sie unerfahren und völlig überfordert sind, dabei könnte ein guter Hundetrainer die Situation meist noch retten“, ist Elisabeth Haase sicher. Landet der Hund im Tierheim, müssen die Tierpfleger längere Zeit mit den Hunden arbeiten, um sie später überhaupt vermitteln zu können. „Die Hunde müssen erst Grundkenntnisse wie Sozialverhalten den Artgenossen gegenüber lernen, und einem Menschen wieder zu vertrauen“, beschreibt sie.

 Das Problem dahinter sieht sie in der Vermenschlichung der Hunde, die ja nicht böse gemeint sei. „Aber Hunde möchten gerne Hunde sein, verhalten sich nach ihrem Muster – und das führt zu Schwierigkeiten. Ein Hund ist ein toller Kumpel, aber er ist und bleibt nun mal ein Hund“, betont sie. Deswegen sei es wichtig, sich vor der Anschaffung alles genau zu überlegen und auch gemeinsam in der Familie darüber zu sprechen, was der Hund darf und was nicht. „Es wird viel zu viel mit Hunden gesprochen, dabei reicht manchmal nur ein einfaches Ja oder Nein“, sagt Haase.

 Bei ersten Probleme den Kopf in den Sand zu stecken und Schwierigkeiten aus dem Weg zu gehen, sei falsch. Allerdings gebe es auch Situationen, in denen der Hundetrainer auch nicht mehr helfen kann. „Dann besteht für die Hunde noch eine gute Chance in einem komplett neuen Umfeld, in dem erfahrene Halter ihm liebevolle Konsequenz bieten können“, erklärt Elisabeth Haase.

 Manchmal sind Halter auch aus gesundheitlichen oder anderen ernsten Gründen gezwungen, ihren Hund in fremde Hände abgeben zu müssen. Dann sollte man sich Gedanken machen, wie das für das Tier am besten funktionieren kann. So gibt es beim Tierheim private Vermittlungsstellen. „Da können die Tiere dann so lange zu Hause bleiben, bis ein geeigneter Halter gefunden wurde und man den Wechsel sanft gestalten kann“, erklärt die Tierheimleiterin. Einige möchten das nicht, aus Angst den neuen Halter nicht zu mögen. „Aber es gibt den Hunden und neuen Haltern die Möglichkeit, sich in aller Ruhe beim Spaziergang kennenzulernen“, wirbt Elisabeth Haase für das Modell, das den Vierbeinern zudem den Aufenthalt im Tierheim erspart.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Kieler Förde

Schiffspositionen in
der Kieler Förde, dem
NOK und der Ostsee.

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Anzeige
Mehr zum Artikel
KN-Serie Hundeleben
Foto: Trainingseinheit im abbruchreifen RBZ-Gebäude an der Gellertstraße: Der Golden Retriever Buddy hat das „Opfer“ (Natalie Tober) gefunden und verbellt es – er gibt also Laut, dass er fündig geworden ist.

Ständig nur faul herumliegen, wenig denken müssen und nichts tun, das stresst nicht nur Menschen. Auch die meisten Hunde möchten gerne gefordert werden und arbeiten. Welche Höchstleistungen sie dabei erbringen können, zeigen beispielsweise die Rettungshunde vom Technischen Hilfswerk (THW) Kiel.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Nachrichten aus Kiel 2/3