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Schnüffelnasen als Helfer in der Not

KN-Serie Hundeleben Schnüffelnasen als Helfer in der Not

Ständig nur faul herumliegen, wenig denken müssen und nichts tun, das stresst nicht nur Menschen. Auch die meisten Hunde möchten gerne gefordert werden und arbeiten. Welche Höchstleistungen sie dabei erbringen können, zeigen beispielsweise die Rettungshunde vom Technischen Hilfswerk (THW) Kiel.

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Trainingseinheit im abbruchreifen RBZ-Gebäude an der Gellertstraße: Der Golden Retriever Buddy hat das „Opfer“ (Natalie Tober) gefunden und verbellt es – er gibt also Laut, dass er fündig geworden ist.

Quelle: Karina Dreyer

Kiel. Wenn Julia Steen ihre blaue THW-Jacke aus dem Schrank holt, kribbelt es Schnuffi schon am ganzen Körper. Dann wird die Schäferhund/Jack-Russell-Hündin unruhig. Denn sie weiß genau, dass es nun zum Training oder zu einem Einsatz geht. Seit 2009 ist Schnuffi mit Frauchen Julia Steen, Ausbilderin und Truppführerin der THW-Fachgruppe Ortung, Teil des Teams. Die zwölf Gruppenmitglieder suchen lokal und landesweit mit ausgebildeten und geprüften Rettungshunden sowie technischen Ortungsgeräten nach vermissten, eingeschlossenen oder verschütteten Menschen. Dazu gehört eine große Portion Leidenschaft, denn die Helfer sind nicht selten 20 Stunden in der Woche ehrenamtlich aktiv. Zudem braucht ein Helfer mit eigenem Vierbeiner viel Geduld, denn der Weg zum Rettungshund ist ein langer.

 „Grundsätzlich eignet sich jeder Hund für die Personensuche. Er sollte aber nicht kleiner als 30 Zentimeter sein, weil er bei der Suche auch mal größere Hürden wie hohe Stufen überwinden muss“, erklärt die 32-jährige Steen. Auch sollte ein Hund nicht zu schwer sein, um sich leichtfüßig auf und zwischen Trümmern bewegen zu können. Zudem ist ein ausgeprägter Spiel- und Fresstrieb wichtig, „denn dem Hund ist es egal, ob er einen Menschen sucht“, erklärt Julia Steen. Er möchte seinem Trieb gemäß den Job gut erledigen und dafür eine Belohnung erhalten.

 Mit seiner Suchleistung ist ein ausgebildeter Rettungshund oft den Menschen und der Technik überlegen oder ergänzt sie optimal, denn er „ist in der Lage, mit einem einzigen Einatmen über 2000 Gerüche zu differenzieren“, sagt Julia Steen. Im Gegensatz zum Mantrailen, bei dem mit Hilfe einer individuellen Duftspur eine bestimmte Person gefunden werden soll, ist der THW-Rettungshund auf die Suche nach lebenden Menschen allgemein konditioniert. „Deswegen trainieren wir mit vielen unterschiedlichen Leuten, die sich verstecken müssen“, erklärt sie. Der menschliche Geruch bedeutet für den Hund das gleiche wie ein Spielzeug. Hat er sein Ziel erreicht, teilt er das durch Bellen mit und wartet dann.

 Das A und O für alle Hunde, die im Rettungswesen eingesetzt werden, ist eine konsequente Erziehung. „Wenn wir einen Menschen gefunden haben, muss ich mich um den Menschen kümmern und mich darauf verlassen, dass mein Hund dort liegen bleibt, wo ich ihn abgelegt habe. Er darf sich auch von nichts ablenken oder irritieren lassen“, beschreibt Julia Steen. Da die Einsätze körperlich sehr anspruchsvoll für das Team Mensch-Hund sind, bedarf es einer guten Kondition, die regelmäßig trainiert sein will.

 Am häufigsten werden die Rettungsteams zur Personensuche in weitläufigen Waldgebieten, Wiesen und Parks eingesetzt, um zum Beispiel die Polizei zu unterstützen. Ganz häufig sind das an Demenz erkrankte oder unter Schock stehende Menschen nach einem Unfall, vermisste Kinder oder suizidgefährdete Menschen. Steen: „Die Suche beginnt in Absprache mit der Polizei auf nahegelegenen Flächen und in Zusammenarbeit mit den Mantrailern, die mit dem Individualgeruch der gesuchten Person arbeiten.“

 Trainiert wird auf einsatznahen Geländen wie Wald- und Wiesengrundstücken, in leer stehenden Häusern, auf Abrissbaustellen oder Recyclinghöfen. Wie wichtig diese Arbeit für ihren Hund ist, hat Natalie Tober, die seit fünf Jahren beim THW ist, selber erlebt. Als ihr Hütehundmix Yoshi klein war, „hat er aus Langeweile regelmäßig meine Möbel zerstört. Dann habe ich viel an Beschäftigung ausprobiert und bin mit ihm schließlich beim THW gelandet. Heute ist er zufrieden und ausgeglichen“, erklärt die 26-jährige Altenpflegerin.

 Bei ihrer THW-Kollegin Jördis Wiegner war es genau anders herum. „Ich war erst beim ASB und habe mir meinen Golden Retriever Buddy für die Rettungssuche ausgesucht“, erzählt die 31-jährige Soldatin. Ihr gefällt besonders, dass man durch die Ausbildung die Körpersprache des Hundes lernt und dadurch Menschen helfen und retten kann.

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