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Zusammenleben ohne Putzplan

KN-Serie Studentisches Wohnen Zusammenleben ohne Putzplan

Das Abitur ist geschafft, der Studienplatz nach langer Qual der Wahl gefunden. Doch schon stehen viele junge Menschen direkt vor dem nächsten Problem: Zur Uni von den Eltern aus zwischenfahren oder den räumlichen Neuanfang wagen? Alleine wohnen, ein Zimmer im Wohnheim suchen oder in eine WG übersiedeln? Welche Wohnmöglichkeiten Studierende in Kiel haben, beleuchtet die Serie „Studentisches Wohnen“. Diesmal: Leben in einer Mini-WG.

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Juri Kandzora (links) und Maiko Hanisch sitzen gern in ihrer Zweier-WG-Küche. Sauber macht, wer gerade Zeit hat.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Als sich Juri Kandzora entspannt auf den Holzstuhl in der Küche plumpsen lässt, hat er endlich Ferien. Gerade die letzte Klausur geschrieben, erwartet den 21-Jährigen schon Mitbewohner Maiko Hanisch in der gemeinsamen Zweier-WG in der Waitzstraße. Auf 55 Quadratmetern in zwei Zimmern leben sie eng zusammen, und mussten dennoch nie viel Rücksicht nehmen.

 „Ich hätte gedacht, dass es mehr Probleme gibt“, gibt Juri zu, dass das Wohnen zu zweit etwas Anlauf brauchte. Im Juli 2014 hatte er die Wohnung mit einem Freund gemietet, sie setzten sich gegen zahlreiche Mitbewerber durch. Erfolgsrezept: Sie hätten nicht über Makel diskutiert und seien den Vormietern bei der Abnahme von Möbeln entgegengekommen. Juri begann sein Sport- und Geschichtsstudium. Doch der Mitbewohner brach ab. „Ich hab das Ding hier dann ausgeschrieben“, sagt er, „überall, wo es ging.“ Das war im Februar. Sechs Bewerber hatte er eingeladen. Der sechste war Maiko.

 „Wir kommen beide aus Neumünster und haben den gleichen Lebensstil“, hatten Juri und Maiko schnell herausgefunden. Der 22-jährige Maiko war die Pendelei zum Englisch- und Spanischstudium satt, brach die Suche mit einer Freundin ab und zog bei Juri ein. „Es ist einfach ein schönes Gefühl, nach Hause zu kommen, und da ist jemand“, sagt er heute. Die Wohnung ist für ihn perfekt. Fast. „Ein Balkon wäre zwar ganz schön. Aber von mir aus kann es ewig so weitergehen.“

 Große Absprachen waren angedacht – und wurden fallengelassen. Der Putzplan blieb ein Plan. Das Saubermachen wechselt, je nach Belastung. „Wenn hier in der Küche was ’rumsteht, sehen wir zu, dass es nach spätestens drei Wochen wegkommt“, scherzt Juri.

 Über späten Besuch informieren sie sich vorher. Und beide feiern zusammen, die Freundeskreise mischen sich dank unterschiedlicher Studiengänge. „Ich bin dann ganz froh, wenn nicht jeder fragt, wie weit ich gerade mit meinem Studium bin“, sagt Juri. Er spielt Handball, jobbt als Pizzabote. Maiko trägt die Haare hochgebunden, ist schwul, arbeitet ehrenamtlich in Neumünsters Statt-Theater und verdient in einem Café dazu. Das passt.

 Auch beide Zimmer passen, sind gleich groß. Maiko und Juri erreichen durch die Küche das Bad, dessen Lichtschalter sich als skurriler Höhepunkt an der Wand gegenüber befindet. Mehr davon? In Maikos Raum wartet ein alter Geschirrspüler auf die Reise zur letzten Ruhestätte. Den hat Juri einst in Maikos Zimmer gewuchtet, um Platz zu schaffen für eine Party. Die war auch eine Wucht: Als die Polizei vorbeischaute, versicherten die Beamten, die Musik drei Straßen weiter gehört zu haben. In einer Zweier-WG muss eben auch Juri Rücksicht nehmen: „Den Bass meiner Musikanlage habe ich extra zu Hause gelassen“, sagt er, „das würden die Nachbarn sonst nicht überleben.“

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