27 ° / 11 ° heiter

Navigation:
Ein Ja zur Hilfe und viele Hürden

KN-Talk im Audimax Ein Ja zur Hilfe und viele Hürden

Bis kurz vor 20 Uhr strömen Besucher ins Audimax der Kieler Uni. Vor der Tür hatten 500 schwarz gekleidete Vertreter des Netzwerks Antirassistische Aktion Flugblätter verteilt, auf denen „Verschärfung des Asylrechts – nicht in unserem Namen“ stand.

Voriger Artikel
Wo die Oberstufenschüler speisen
Nächster Artikel
Die Bürger bleiben zuversichtlich

1200 Gäste verfolgten am Mittwochabend im Audimax der Universität Kiel den Talk zur Flüchtlingskrise – "Schaffen wir das?".

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. Innenminister Stefan Studt (SPD) spürt wie viele der Akteure des KN-Talks zum Thema „Wie schaffen wir das?“ ein Kribbeln. „Für Willkommenskultur gibt es in den nächsten Jahren keine Garantie“, sagt er. 25000 Flüchtlinge befinden sich aktuell im Land, von denen 10800 noch immer keinen Antrag auf Asyl stellen konnten. Die Verwaltung sei nicht mitgewachsen und dieser Zustand unhaltbar, sagt Studt. „Da sind echte Betroffenheiten.“ Kontingentslösungen habe der Bund bislang leider nicht aufgegriffen.

Die Abstimmung vom KN-Talk im Audimax der Universität Kiel. Die Frage lautete: "Schaffen wir das?"

Zur Bildergalerie

 Die Stimmung im Kieler Audimax bleibt bis auf wenige Zwischenrufe freundlich. Das kennt Hartmut König (CDU), Bürgermeister aus Boostedt, ganz anders. 2000 Flüchtlinge sind in seiner 4600-Einwohner-Gemeinde gerade untergebracht, mindestens 500 mehr sollen es werden. Es sei eine Herausforderung, mit den Kritikern wieder ins Gespräch zu kommen. Nicht informiert, überfahren? „Diese Behauptung erbost mich, weil ich an alle Bürger einen Einwohnerbrief geschrieben habe.“ Man könne nicht alles niedermachen, was vorher gut war.

 Kiels Sozialdezernent Gerwin Stöcken (SPD) äußert sich froh darüber, dass es so viele ehrenamtliche Helfer gibt. Die größte Herausforderung sei es aber, dass in einer ohnehin wachsenden Stadt wie Kiel Wohnraum begehrt ist. „Das normale Leben muss weitergehen.“ Leerstehende Hotels und Immobilien würden ihn aber ärgern. „Ich wünsche mir, dass uns da ein rechtliches Instrumentarium an die Hand gegeben wird.“

"Ich selbst gehöre noch zu der Generation, die sich gut an die Flüchtlingssituation nach dem Zweiten Weltkrieg erinnern kann. Ich fühle mich daher verpflichtet, optimistisch an diese Aufgabe heranzugehen. Unsere Bundeskanzlerin gibt die richtige Antwort, wenn Sie sagt: Wir schaffen das."

Ilsemarie Feldmann, 71, Kiel

Zur Bildergalerie

 Um 20.55 Uhr kommt der syrische Flüchtling Mohammad Rawad Zyadeh, Rechtsanwalt aus Damaskus, auf die Bühne, der 2014 als Kontingentsflüchtling legal nach Deutschland einreiste.Warum so viele Flüchtlinge ihre Familien zurücklassen? „Die Reise übers Meer ist sehr gefährlich. Und dann ist eine Flucht einfach sehr teuer.“ Inzwischen arbeitet Zyadeh als Dolmetscher und in der Betreuung von minderjährigen unbegleiteten Flüchtlingen.„Diese jungen Menschen stehen immer unter Druck und denken ständig an ihre Familien. Vielleicht könnte man für sie ein besonders schnelles Asylverfahren entwickeln.“ Sprachunterricht sei im Übrigen das A und O. Warum es problematisch ist, einen Schulplatz zu bekommen? Wer über 16 Jahre alt ist, sei berufsschulpflichtig, sagt Idun Hübner von der Flüchtlingsberatungsstelle ZBBS.„Aber es gibt nicht genügend Plätze.“

 „Ich komme mir vor wie in einer Märchenstunde“, wendet sich ein Besucher gegen 21.25 Uhr an die Politiker. „Sie wollen Menschen integrieren, aber bei einer Schuldenbremse bleiben, ohne die Steuern zu erhöhen.“ Dabei gehe es um knappe Finanzen, Arbeitsplätze und Wohnraum. „Ich befürchte, dass Ihre Politik Rassismus befördert.“ Minister Studt reagiert: Die schwarze Null in Schleswig-Holsteins Haushalt stelle er in Frage.

 Christian Müller ist mit seinem blauen T-Shirt als Vertreter des Netzwerks „Kiel hilft Flüchtlingen“ erkennbar, in dem sich inzwischen 11500 Menschen ehrenamtlich organisieren. „Wir brauchen dringend Winterbekleidung für Männer in kleinen Größen“, sagt er. Eine pensionierte Lehrerin berichtet von den unterschiedlichen Vorstellungen von Pünktlichkeit und Höflichkeit. Viele lachen darüber, doch später greift Sozialdezernent Stöcken den Gedanken auf. „Unpünktlichkeit ist etwas, was der deutsche Arbeitsmarkt nicht vertragen kann.“ Es gebe mehr Menschen, die sich um das Wie Sorgen machten. Am Ende des KN-Talks hält trotzdem eine große Mehrheit im Saal blaue Karten nach oben: „Wir schaffen das.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Christian Hiersemenzel
Landeshaus-Korrespondent

Kieler Förde

Schiffspositionen in
der Kieler Förde, dem
NOK und der Ostsee.

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Anzeige
Mehr zum Artikel
Thema Flüchtlinge
Foto: In den Sozialen Netzwerken sind die Reaktionen zum Thema Flüchtlinge groß.

Die Reaktionen zum Thema Flüchtlinge sind in den Sozialen Netzwerken äußerst kontrovers. Hier sammelt die KN-Online-Redaktion Reaktionen aus dem Netz während des KN-Talks zum Thema Flüchtlinge.

  • Kommentare
mehr
Mehr aus Nachrichten aus Kiel 2/3