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Beim Neptun: Norbert Aust bleibt der Bühne treu

KN-Treffpunkt Beim Neptun: Norbert Aust bleibt der Bühne treu

Mehr als 30 Jahre lang hat er das Kinder- und Jugendtheater in Kiel geprägt: Norbert Aust, Jahrgang 1951, früherer Leiter des Theaters im Werftpark. Am 5. Oktober 2016 ist er Gast beim KN-Treffpunkt in der Kundenhalle der Kieler Nachrichten.

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So kennt man ihn: Norbert Aust im Kostüm des Meeresgottes Neptun.

Quelle: Martin Geist

Kiel. Nachdem Astrid Großgasteiger, Jahrgang 1980, mit der neuen Spielzeit die Geschicke der Spielstätte im Stadtteil Gaarden übernommen hat, blickt Aust nun im Gespräch mit Kulturredakteurin und Kritikerin Ruth Bender unter dem Titel „Ein Mann macht Theater“ auf seine Zeit im Werftpark zurück – und plaudert auch über kommende Projekte. Mit der Veranstaltung am Mittwoch, 5. Oktober, um 19 Uhr wird die neue Reihe KN-Treff.Punkt in der Kundenhalle der Kieler Nachrichten am Asmus-Bremer-Platz fortgesetzt.

Als Neptun in Erinnerung

In einer Rolle wird Aust vielen vermutlich ganz besonders in Erinnerung bleiben: als Meeresgott Neptun. Dessen Dreizack und Goldkrone werden ihn, so vermutete es Aust kürzlich beim Abschied aus seiner bisherigen Funktion, auch künftig genauso begleiten wie der „Eindruck, dass mit Kulturarbeit sehr viel möglich ist und es lohnt, sie zu betreiben“. Als Neptun trat Aust nämlich immer dann auf, wenn er sich an der Schnittstelle zwischen Theater und Stadtteilarbeit blicken ließ – und genau an dieser will er auch weiterhin mit Lesungen und kleinen Kulturperformances in Erscheinung treten. Gegebenenfalls auch als Neptun. Doch auch jenseits dieser altbewährten Aufgaben wird Aust in Zukunft sicher nicht langweilig: Jüngst hat er den Vorsitz des Vereins Theatermuseum übernommen.

Verdienstmedaille des Bundespräsidenten

Einige andere Dinge konnte Aust jetzt aber in jüngere Hände übergeben. So war „Der Muffelkopp“, ein Stück für Kinder ab vier Jahren, das letzte, das er als Leiter des jungen Theaters inszeniert hat. Dieser „persönliche letzte Streich“, wie er ihn nannte, stammte noch einmal aus der Feder seiner Leib- und Magenautorin Gertrud Pigor. Ebenso eng zusammengearbeitet hat Aust in all den Jahren aber auch mit der 2014 verstorbenen Regisseurin Franziska Steiof, mit Klaus Schumacher, der in Hamburg das Junge Schauspielhaus leitet, und mit Jens Raschke, der für sein Werftpark-Stück „Schlafen Fische?“ 2013 den Mülheimer Kindertheaterpreis erhielt. Doch auch Aust errang einige Lorbeeren: Seine Version von „Leonce und Lena“ bekam 1988 den Preis der Landesbank – im vergangenen Jahr gab es die Verdienstmedaille vom Bundespräsidenten.

Dass Aust eines Tages Leiter des Kieler Kinder- und Jugendtheaters werden würde, war dem gebürtigen Dortmunder nicht zwingend in die Wiege gelegt. Nach seiner Bundeswehrzeit begann er 1973 zunächst ein Studium der Elektrotechnik an der Universität seiner Heimatstadt. Doch schon bald wechselte er zu den Geisteswissenschaften an die Ruhr-Universität in Bochum. Parallel zum Studium der Germanistik, Publizistik und Geschichte begann er eine berufliche Ausbildung bei den Städtischen Bühnen Dortmund. Er arbeitete dort als Regieassistent, Inspizient und Dramaturg mit Spielverpflichtung – schlug 1982 in Kiel auf und blieb. Unter seiner Leitung konnte das junge Theater 1989 in den Gaardener Werftpark umziehen.

Junges Theater ist echte Kultur

Noch heute schwärmt er von der optimalen Lage des Hauses. Viele Kindergartengruppen und Grundschulklassen können zu Fuß zu den Vorstellungen kommen. In Laufe der Jahre habe sich nichts an der Herausforderung geändert, Theater (auch) für bildungsferne Kinder zu machen, sagt er, nichts an der Herausforderung, die Preise am unteren Ende zu halten, um ihnen den Zugang zur Kultur zu ermöglichen. Auch das junge Theater, davon ist Aust überzeugt, ist echte Kultur: Kindertheater unterscheide sich im Grunde nur in der Form vom erwachsenen Schauspiel.

Große Bedeutung für sein Verständnis vom Theater hat insbesondere Bertolt Brecht: „Er ist der deutsche Dichter, der am deutlichsten den Zusammenhang von gesellschaftlicher Entwicklung und Kunst beschrieben hat“, fasst Aust zusammen. „Man darf nicht nur im Elfenbeinturm sitzen und Kunst machen – man muss rausgehen und an der Gesellschaft teilhaben.“ Und das dürfte auch künftig seine Maxime bleiben. Ein Mann macht eben Theater.

KN-Treff.Punkt

„Ein Mann macht Theater“ mit Norbert Aust, 5. Oktober, 19 Uhr, Kundenhalle der Kieler Nachrichten, Asmus-Bremer-Platz. Karten für 5 Euro gibt es ebenfalls dort.

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