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Großprojekt klebt im Startblock

KSV-THW-Trainingszentrum Großprojekt klebt im Startblock

Vor fast drei Jahren traten Handball-Rekordmeister THW Kiel und Fußball-Drittligist Holstein Kiel vor die Presse: Ein gemeinsames Trainingszentrum sei in Kiel-Projensdorf geplant. Heute wartet das Projekt weiter auf seine Umsetzung.

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Blick auf das Leistungszentrum der KSV Holstein in Projensdorf: An dessen Rand soll eine große Trainingshalle für den THW entstehen.

Quelle: Patrick Nawe

Kiel. Der 9. Juli 2013 war ein warmer Sommertag. Zur Mittagsstunde traf sich eine illustre Runde im Trainingszentrum der KSV Holstein in Kiel-Projensdorf. Die Landeshauptstadt war durch Bürgermeister Peter Todeskino vertreten, der THW Kiel durch Geschäftsführer Klaus Elwardt, Andreas Bornemann repräsentierte als Sportlicher Leiter die Störche. Das Pressegespräch war kurzfristig einberufen worden, es ging offenbar um ein wichtiges Projekt. Es schien, als gelte es, keine Zeit zu verlieren – für das gemeinsame Nachwuchsleistungszentrum von Holstein und THW inklusive Internat und großer Trainingshalle. Doch knapp drei Jahre später heißt das Motto eher „Weile statt Eile“.

 Die Pläne wirkten beeindruckend. Rund 12000 Quadratmeter Fläche sollte allein die Halle mit zwei Handball-Feldern, Kraft- und Schulungsräumen beanspruchen. Elwardt bezifferte die Kosten auf „nicht unter fünf Millionen Euro“. Bornemann zeigte sich begeistert von der Idee eines gemeinsamen Internats: „Das ist eine Riesenchance für die Stadt, die Region und das Land.“ Todeskino („Beide Vereine haben eine Riesenbedeutung für Kiel“) schloss aber bereits eine direkte finanzielle Beteiligung der Stadt aus.

 In den Tagen und Wochen danach bestimmten nicht die beiden Großvereine die Schlagzeilen, sondern die Kleingärtner. Für die Umsetzung der Pläne sollten 25 der benachbarten 95 Parzellen weichen. Die Vertreibung von Gemüse- und Kartoffelanbauern war zu diesem Zeitpunkt in Kiel ein etwas heikles Thema: Für den geplanten Bau von Möbel Kraft hatten sogar 330 Pachtgärten geopfert werden müssen. Dieses Problem – immerhin – ist mittlerweile in Projensdorf behoben. Kein Schrebergärtner muss mehr umgesiedelt werden.

 „Die Kleingärten werden nicht mehr angetastet“, bestätigt Peter Todeskino und liefert die Erklärung gleich hinterher: „Geplant ist mittlerweile kein Internat mehr, sondern neben der Handballhalle eher ein Schülerwohnheim. Dafür wurden andere Bereiche gefunden.“ Auf dieser Grundlage hat die Stadt begonnen, Baurecht zu schaffen. „Ehe ein B-Plan geändert ist, können bis zu anderthalb Jahre vergehen“, sagt der Bürgermeister, das Vorhaben sei folglich kurzfristig nicht zu verwirklichen. Die Stadt sei gerade im Aufbruch, es gebe viele Baustellen, der erste Spatenstich werde sicherlich nicht vor Sommer 2017 erfolgen können: „Die Investoren müssen uns allerdings erst sagen, wie sie es denn gerne hätten.“

 Dies wiederum scheint allerdings etwas kompliziert zu sein. Die KSV Holstein hat in Projensdorf ein fast schon bundesligareifes Trainingszentrum für ihre Fußballer geschaffen. Was dem Drittligisten noch fehlt, ist ein Haus, in dem Talente wohnen können, möglicherweise auch Beachvolleyballer oder Segler. KSV-Geschäftsführer Wolfgang Schwenke hat sich bereits Sportinternate in Dortmund, Mönchengladbach, Hannover, Wolfsburg angesehen, wobei der Schwerpunkt nicht unbedingt auf Internat liegen müsste. „Es gibt in der näheren Umgebung ja einige Schulen“, erklärt Schwenke.

 An dieser Stelle kommt der THW ins Spiel. Der Ball liegt im Feld der Zebras, bei den Störchen wird auf den Doppelpass gewartet. Reinhard Ziegenbein ist als Aufsichtsratschef des deutschen Handball-Rekordmeisters für das „Leuchtturmprojekt“ (Schwenke) zuständig. Der Rechtsanwalt bekennt: „Die Finanzierungsfrage muss noch geklärt werden, wir sind ja kein Immobilienunternehmen.“ Eine einfache Lösung würde laut Ziegenbein sechs bis sieben Millionen Euro kosten, die umfassendere Variante erfordere einen zweistelligen Millionenbetrag. Wer soll das bezahlen? Die THW GmbH oder eine Stiftung, eine Mischung aus beiden oder ein Investor, womöglich aus dem Holstein-Umfeld? „In diesem Fall wären wir Mieter“, sagt Ziegenbein. Drei Monate, schätzt er, werde der Entscheidungsprozess dauern. Drei Monate, dann ist wieder Juli.

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Sie wollen ein Haus bauen, das Grundstück ist vorhanden, die Pläne gezeichnet. Nun kommt Vorfreude auf. Doch wenn fast drei Jahre später weiterhin Gras wächst, wo längst das Eigenheim stehen sollte, scheint es ein Problem zu geben. So ähnlich ist die Lage bei einem eigentlich großartigen Kieler Projekt.

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