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Das Seniorenticket ist abfahrbereit

KVG Das Seniorenticket ist abfahrbereit

Sie sind über 65 Jahre alt und leben in Kiel? Dann können Sie ab Anfang 2017 um 25 Prozent günstiger als bisher mit dem Bus fahren. In der nächsten Ratsversammlung am 17. November bringt die Verwaltung eine Beschlussvorlage über die Einführung eines Seniorentickets ein.

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Buskunde Rainer Glüsing vom Seniorenbeirat freut sich auf die Einführung des Seniorentickets. Geplant ist sie für den 1. Januar 2017, doch die notwendigen Umsetzungsmaßnahmen könnten den Termin noch um einige Wochen verschieben.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Deren Verabschiedung gilt als sicher, da der rot-grün-blaue Vorstoß bereits im vergangenen März eine breite Mehrheit fand. Kiel startet mit dem auf zwei Jahre befristeten Modellprojekt einen Alleingang.

 Seit mehr als drei Jahren drängte vor allem der Seniorenbeirat auf Stadt- wie Landesebene auf Rabatte für die Generation 65 plus, nicht nur um die Mobilität insgesamt zu fördern, sondern auch wegen der wachsenden Altersarmut. Der Verkehrsverbund Nah-SH wollte zwar die Machbarkeit eines Seniorentickets durch eine landesweite Erhebung ausloten, nannte aber keinen verbindlichen Zeitpunkt. Da sich aus Sicht von SPD, Grünen und SSW im Rathaus schon viel zu lang nichts tut, macht die Politik jetzt Druck: „Wir wollen nicht mehr abwarten und sind in der Bringschuld“, sagte etwa Lutz Oschmann (Grüne) „Wir preschen vor, in der Hoffnung, dass sich doch noch eine landesweite Regelung findet“, erklärten Benjamin Raschke und Achim Heinrichs von der SPD.

 Nach dem Ratsbeschluss im März sollen Kieler ab 65 Jahren statt bisher 49 Euro für das Monatsticket Preisstufe II im Jahresabo künftig 36,75 Euro zahlen. Die Differenz von 147 Euro pro Jahr pro abgeschlossenem Seniorenfahrschein müsste die Stadt allein stemmen, was dazu führt, dass die Regelung nur für Kieler in der Zone 4000 gilt, die auch Fahrten nach Kronshagen und im Kreis Rendburg/Eckernförde zulässt. Sollte innerhalb der Probezeit ein landesweites Ticket eingeführt werden, das vergleichbare Vorteile bietet, geht das Seniorenticket darin auf.

 Der Ratsversammlung liegt eine Regelung vor, die von der früheren Vorlage um einen entscheidenden Punkt abweicht: Statt wie damals geplant, entfällt nach Einwänden vom Seniorenbeirat eine Sperrfrist von 16 bis 19 Uhr. Seniorenticket-Nutzer können den Bus werktags lediglich in der Hauptverkehrszeit zwischen sechs und 9 Uhr morgens nicht nutzen. Dass ein solches Tarifmodell jetzt zum Greifen nah scheint, freut Rainer Glüsing (68), Mitglied im Seniorenbeirat, ungemein: „Wir sind sehr zufrieden mit der Lösung, vor allem, weil die Nutzungszeit nur in den drei Stunden werktags beschränkt ist.“ Gekauft werden kann das Ticket auschließlich bei der Kieler Verkehrsgesellschaft (KVG), die auch die Berechtigung des Antragsstellers (Alter und Wohnsitz) durch die Vorlage des Ausweises prüft.

 Von 45548 Älteren (18 Prozent der Bevölkerung) in Kiel nutzen bisher etwa lediglich 2805 die Monatskarte (6,16 Prozent der Busfahrgäste). Sollten alle diese Kunden in den günstigeren Tarif wechseln, müsste die Stadt nach eigenen Berechnungen einen Einnahmeverlust von 385070,40 Euro schultern. Oschmann, Raschke und Heinrichs sind sich jedoch sicher, dass der Rabatt zum Umsteigen motiviert und neue Kunden gewonnen werden. Dazu wären 936 Neuabschlüsse nötig. Sollte die Refinanzierung durch den Verkauf zusätzlicher Tickets wider Erwarten nicht funktionieren, greift die Notbremse automatisch: Nach zwei Jahren müsste sich Kiel dann wieder vom Seniorenticket verabschieden.

 Bei den Verkehrsverbünden NSH und NAH.SH stößt Kiels Alleingang auf Kritik. In einem gemeinsamen Positionspapier lehnen sie ein regionales Seniorenangebot ab: Der SH-Tarif könne nicht Instrument der Sozialpolitik sein, heißt es dort. Ein Ticket wie in Kiel wecke anderswo Begehrlichkeiten. Und: Eine Abschaffung nach einer Probezeit „ist nach allen Erfahrungen aus der Vergangenheit politisch nicht durchhaltbar“.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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