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Zu viele Schüler, zu wenige Busse

KVG will nachzählen Zu viele Schüler, zu wenige Busse

In vielen Kieler Stadtteilen gibt es zunehmend Probleme mit überfüllten Bussen. Immer mehr Eltern klagen darüber, dass ihre Kinder zu den Stoßzeiten an den Haltestellen zurückbleiben oder auf ungünstige Linien ausweichen müssen.

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An dieser Bushaltestelle haben sich Tanja, Bente und Gunnar Haß schon oft geärgert. Ab heute setzt die KVG zumindest frühmorgens in Neumeimersorf einen großen Gelenkbus ein.

Quelle: Michael Kaniecki

Kiel. Die Kieler Verkehrsgesellschaft (KVG) verwies bislang in allen Beschwerdefällen auf laufende Fahrgastzählungen, hat aber nach Anfrage der Kieler Nachrichten in Neumeimersdorf reagiert: Ab Dienstag setzt sie für die überlastete Linie 41/42 am frühen Morgen den größten Gelenkbus ein.

 Der Schriftverkehr zwischen Familie Haß aus Neumeimersdorf und der KVG ist lang. Gunnar und Tanja Haß ärgern sich über das ihrer Meinung nach völlig unzureichende Angebot der KVG. Immer öfter kommen Benedikt (15) und Bente (12) nach Hause und berichten von überfüllten Bussen, eingeklemmten Ranzen und drangvoller Enge in den Gängen während der Fahrt. „Manchmal werden Kinder gar nicht mitgenommen, weil der Bus an unserer Haltestelle Neumeimersdorf schon morgens um 6.51 Uhr aus allen Nähten platzt“, sagt Gunnar Haß. Er kritisiert, dass immer mehr Neubaugebiete ohne ausreichende Versorgung mit öffentlichen Nahverkehrsmitteln geplant werden.

 Jedes Jahr wechseln von der bislang zweizügigen Johanna-Mestorf-Schule in Neumeimersdorf neue Fünftklässler an die weiterführenden Schulen der Stadt. Viele von ihnen sind auf den Bus angewiesen, konkret auf die Linie 42. „Es stehen immer mehr Kinder an der Bushaltestelle, nur an dem Angebot der KVG ändert sich nichts“, ärgert sich Haß.

Sicherheit nicht gewährleistet?

 Haß beunruhigt nicht nur der Gedanke, dass seine Kinder morgens an der Bushaltestelle zurückgelassen werden könnten. Auch die Sicherheit der Kinder im Bus sieht er als nicht gewährleistet an. „Morgens und mittags stehen die Schüler in den Gängen oder direkt vor der Frontscheibe, da kann jede scharfe Bremsung gefährlich werden.“ Der Bus könne offiziell 100 Fahrgäste mitnehmen, sagt Haß. Er bezweifelt jedoch, dass dies mit Ranzen, Musikinstrumenten oder Sportzeug möglich sei. Auf die Beschwerde der Familie habe der Verkehrsbetrieb immer wieder mit dem Versprechen reagiert, die Situation vor Ort zu prüfen. Nach zweimaliger Nachfrage unserer Zeitung verkündete Sprecherin Andrea Kobarg am Montag die gute Nachricht, dass ab sofort ein großer Gelenkbus auf der Strecke eingesetzt werde – allerdings nur für die Abfahrt um 6.45 Uhr ab Meimersdorf. Mit Beginn der kalten Jahreszeit seien die Busse stärker ausgelastet, hieß es weiter. „Die KVG reagiert mit dem Einsatz des Gelenkfahrzeugs auf die Hinweise und Beschwerden von Eltern, die angaben, dass ihre Kinder im Bus nicht mitgenommen worden seien.“

 Das Problem überfüllter Busse ist jedoch auch in anderen Stadtteilen präsent. Erst im September berichteten die Kieler Nachrichten über Schüler der Hermann-Löns-Schule in Ellerbek, die nicht pünktlich mit der Linie 31 zum Unterricht kommen, weil im Bus kein Platz mehr ist. „Das ist ein altes Thema, aber geändert hat sich nie etwas“, kritisiert Bruno Levtzow, Vorsitzender des Ortsbeirates Gaarden. In Friedrichsort berichten Eltern, dass ihre Kinder mittags häufig an der Haltestelle „An der Schanze“ zurückbleiben, weil zu viele Schüler der IGS Friedrichsort sowie der Lernwerft mit der stark frequentierten Linie 501/502 fahren. „Wir rennen nach Schulschluss oft zu einer weiter entfernten Bushaltestelle, damit wir noch einen Platz bekommen“, erzählt Lernwerft-Schülerin Tabea (12).

 In Dietrichsdorf sind vor allem Schüler und Studenten der Linien 11 und 60S rund um die FH betroffen. „Schon lange versuchen die Studenten der FH mit der KVG über dieses Problem zu sprechen, aber diese reagiert nicht darauf“, sagt Studentin Denise Rieckhoff.

 Die KVG will aufgrund der Beschwerden mehrere Linien im Kieler Stadtgebiet prüfen. „Wir zählen die Fahrgäste der betroffenen Linien zu unterschiedlichen Zeiten“, sagt Sprecherin Andrea Kobarg. Bis die Zahlen vorlägen, könne sich das Unternehmen nicht dazu äußern. 2013 beförderte das Unternehmen 32944500 Fahrgäste, 2014 sank die Zahl leicht auf 32154700.

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Ein Artikel von
Carola Jeschke
Lokalredaktion Kiel/SH

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Zugegeben, das Problem ist nicht neu. Überfüllte Busse zu Stoßzeiten, besonders in der kalten Jahreszeit, sind leider an der Tagesordnung. Und natürlich könnte man sagen, es gibt derzeit wichtigere Probleme in unserer Stadt als Verzögerungen im öffentlichen Nahverkehr oder druckvolle Enge auf dem Weg zur Schule.

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